Wachs und Wahrheit

3. April 2011, 18:19
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Ob Bruno Kreisky im Wachs-Frack spannend genug ist, um auf Dauer Publikum anzuziehen, ist fraglich

Zwar schafften es die Wachsfiguren des Austro-Ablegers von Madame Tussauds unlängst auf die Titelseiten diverser Tageszeitungen. Ob Bruno Kreisky im Wachs-Frack oder Heinz Fischer mit Dienstkrawatte tatsächlich spannend genug sind, um auf Dauer Publikum anzuziehen, ist aber fraglich.

Lohnender wäre hingegen, prägende Momente aus der jüngeren Vergangenheit in Wachs zu gießen: Glückliche Szenen unserer so herzeigbaren Republik, an die sich jeder erinnern kann - von denen es aber bisher keine Bilder gibt.

Da fällt einem etwa das Turteln im Abendrot ein, dem sich Karl-Heinz Grasser und Wolfgang Flöttl auf der Yacht eines weiteren notorisch Unschuldsvermuteten hingaben.

Oder das ländliche Idyll, das den ehemaligen Innenminister samt Kabinettsmitarbeitern in den Jagdgründen des führenden Waffenhändlers und Lobbyisten des Landes zeigt: Irgendwo musste er es ja lernen!

Oder, wenn wir schon beim Lobbying sind: Erwin Pröll beugt sich zwecks Duftprobe ("special smell") in die Achselhöhle seines einst besten Mannes in der Regierung!

Auch der Moment, da Faymann und Gusenbauer sich zusammensetzten, um dem Boulevardkaiser ihren Befehlsvollzug in Sachen Europa brieflich darzubringen, war zu kostbar, um nicht festgehalten zu werden.

Das Tolle an diesem Tussaud-Konzept: Der Nachschub an neuen, erbaulichen Motiven ist hierzulande garantiert! (corti, DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2011)

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