Süßer Parcours der Klangeffekte

3. April 2011, 18:37
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Philharmoniker, Welser-Möst und Organistin Weir

Wien - Der ganze Große Musikvereinssaal schien am Samstag Nachmittag den Atem anzuhalten, als Organistin Gillian Weir zur Solokadenz ansetzte: Nur das Pedal setzt Samuel Barber am Höhepunkt der Toccata festiva ein, um ihm ein Maximum an Geläufigkeit abzuverlangen: huschende Kaskaden, vierstimmige Akkorde, Dialoge zwischen beiden Füßen.

Staunen konnte man dabei auch abermals über die neue Rieger-Orgel: Mit welcher Präzision sie auch noch bei den massigen, tiefsten Registern anspricht - und wie dezent und präsent sie sich in die Saalakustik einfügt. Insbesondere zusammen mit den Bläsern der Wiener Philharmoniker ergab das bei Barber eine klanglich ausgesprochen runde Sache.

Beim Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken von Francis Poulenc war zwar der Gesamtklang dank der Übersicht von Dirigent Franz Welser-Möst ähnlich ausgewogen, sodass auch hier Gillian Weir auf dem glasklar durchhörbaren Instrument prägnant auftrumpfen konnte.

Allerdings: Der süßlich schimmernde Streicherklang, für den die Philharmoniker zu Recht gerühmt werden, wollte zu dieser Musik, die sich über die romantische Tradition lustig macht, nicht so recht passen. Indem ihm der ironische Anstrich völlig fehlte und er ohne Doppelbödigkeit erklang, wurde dieser Poulenc so allzu eindimensional und fahl.

Ganz zu Hause waren Dirigent und Orchester hingegen nach der Pause bei der Alpensymphonie - womit übrigens das ganze Programm dieses Philharmonischen Abonnementkonzerts aus dem 20. Jahrhundert stammte. So etwas könnte man doch öfter machen!

Freilich lässt sich an Richard Strauss' Symphonischer Dichtung trefflich entlanghören und -spielen: Auch diesmal wurde ein nicht ganz schlackenloser, aber prächtiger Parcours durch schöne Stellen und Stationen der Effekte geboten, an dessen Ende der Große Musikvereinssaal in Jubel und stehende Ovationen ausbrach. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe, 4.4.2011)

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