Ältere Männer sind besonders suizidgefährdet

3. April 2011, 18:22

Insgesamt ist die Zahl der Selbstmorde in Österreich rückläufig - Die regionalen Unterschiede sind allerdings gewaltig, auf dem Land gibt es mehr Selbsttötungen als in den Städten

Wien - Über den Sinn des Lebens denken die Menschen seit Jahrtausenden nach. Und auch, warum manche Menschen keinen mehr in ihrer Existenz sehen. In Österreich sterben fast doppelt so viele Menschen durch Selbstmorde wie durch Verkehrsunfälle - der Suizid der Judoka Claudia Heill ruft das in schmerzliche Erinnerung. Völlig hoffnungslos sind Fachleute aber dennoch nicht. Denn die Suizidrate hat sich in den vergangenen 25 Jahren fast halbiert. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind allerdings dramatisch.

In keinem anderen Teil Österreichs bringen sich so viele Menschen um wie in der Steiermark (siehe Artikel unten rechts). Den größten Erfolg bei der Reduktion von Selbsttötungen hat dagegen Wien erreicht. Bis in die 80er-Jahre lagen die städtischen Gebiete bei der Selbstmordrate stets vor den ländlichen, mittlerweile hat sich dieses Verhältnis umgekehrt.

Gründe gibt es dafür viele. So wurden psychische Erkrankungen in der Öffentlichkeit enttabuisiert. Sucht man das Stichwort "Depression" im Archiv der Austria Presse Agentur, hat sich die Zahl zwischen dem Zeitraum 1986 bis 1991 im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren verfünffacht. Beim Begriff "psychische Erkrankung" gibt es sogar zehnmal so viele Suchergebnisse.

Hilfsstellen in Wien sind leichter erreichbar

"Das Profil unserer Patienten hat sich in den vergangenen Jahren tatsächlich gewandelt", sagt Georg Psota, Leiter des Psychosozialen Dienstes in Wien. "Während es früher vor allem Patienten in psychiatrischen Krisensituationen waren, die sich an uns gewandt haben, sind es mittlerweile auch Menschen in schwierigen Lebenssituationen."

Bewährt habe sich daher die 2003 eingerichtete Psychosoziale Informationsstelle, bei der Betroffene telefonisch beraten und an die passende Einrichtung weiterverwiesen werden können.

Dass man es in Wien leichter als auf dem Land habe, gesteht Psota gerne ein. Ärzte, Ambulatorien und Spitäler sind leichter erreichbar, größere Anonymität erleichtert auch die Suche nach Hilfe. "In einem kleinen Dorf würde es sich wahrscheinlich schneller herumsprechen."

Dass die Menschen eher bereit sind, eine psychische Krise behandeln zu lassen, zeigen auch die Zahlen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Zwischen 1991 und 2009 ging die Zahl der Krankenstandstage um vier Prozent zurück. Anders bei den "psychiatrischen Krankheiten": Fast dreimal so viele Krankenstandstage gab es aus diesem Grund im selben Zeitraum. Potenzial für eine weitere Reduktion der Selbstmorde sieht Psota aber durchaus. 12,2 pro 100.000 Einwohner lautete die Rate im Jahr 2009 in Wien. "Das nächste Ziel muss sein, dass wir unter elf kommen."

Auf Senioren aufpassen

Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Gruppe der Senioren zu legen. Denn obwohl Selbsttötungen von Jugendlichen und Männern in der Midlife-Crisis besonders augenfällig werden - in besonderem Maße gefährdet sind Männer ab 65, zeigt die Statistik der "Wiener Werkstätte für Suizidforschung", einer interdisziplinären Arbeitsgruppe.

Psychiatrische Konsiliarärzte, also Mediziner, die von den stationären Ärzten in Pflege- und Seniorenheimen als Berater gerufen werden können, seien wichtig. "Angesichts der künftigen Altersstruktur werden aber auch Hausärzte und die Rettung eine verstärkte Rolle spielen müssen", meint Psota. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2011)

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dieser planet ist nciht

für pensionisten geschaffen....

Kann auch mit Weisheit zusamenn hängen:

Winston Churchill wurde während einer Abendgesellschaft von Lady Astor angegriffen. Die Dame sagte: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Kaffee schütten.“ Darauf antwortete Churchill: „Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich ihn trinken.“

Ich glaube gar nicht, dass dies mit dem Leben auf dem Land vs. dem Leben in der Stadt zu tun hat.

Ich behaupte mal: diese Häufungen in gewissen Gebieten ist seit Jahrzehnten konstant (Ostkärnten, Steiermark, Salzburg) und hat soziale Hintergründe die sich über die letzten Jahrhunderte gefestigt haben.

naja

also Salzburg (egal ob Stadt oder Land)
das passt da so gar nicht ins Bild

Eher würde ich NÖ. nördlich der Donau dazu zählen..

Das gesamte Waldviertel z.B.
DIE Gegend zum Sterben!

Ehrlich gesagt

wenn ich ab und zu ab 14.00h vom Oktober bis März ausserhalb von Korneuburg in Richtung Norden fahren muss
und ich sehe diese öden trüben nassen gruseligen Nebel-Felder

dann kriege ich auch starke Lust auf den raschen
Tod ...

und das ist in vielen Regionen und Dörfern am flachen Land in Ö. sicher nicht viel anders

Männer sind halt nicht so religiös/esoterisch wie Frauen. Da sind Selbstmorde bei einer schlechten Situation und Perspektive nur die logische Folge.

"der Suizid der Judoka Claudia Heill ruft das in schmerzliche Erinnerung."

weshalb wird hier von einem suizid ausgegangen?
der tragische fall wird doch noch untersucht und es könnte doch ebenso ein unfall gewesen sein(?)

Unfall scheint sehr, sehr unwahrscheinlich, da sie relativ weit von der Hausmauer entfernt lag. Sie muss also gesprungen oder gegschuppst worden sein.

könnte auch eifersuchtsdrama gewesen sein,
die sind in Ö auch sehr beliebt.

roter baron

meines wissens

sind eifersuchtsdramen weltweit beliebt.
in der sache rangiert österreich nur unter "ferner liefen".

Wie soll denn die 'verstärkte Rolle' der Rettung in Suizidfragen bitte aussehen? Die Rettung kommt doch erst, wenn sie gerufen wird, das heißt hier: zu spät! Und Hausärzte sind mit Pensionisten jetzt schon voll ausgelastet, die in ihnen eigentlich den Seelsorger suchen, da ist kein Spielraum mehr...

Lebenslänglich suchen wir einen guten Arzt, aber wir haben keinen guten Arzt.

gute ärzte kriegen kein lebenslänglich.

was haben Sie denn? gibt sicher einen spezialisten...

Ist ein Zitat aus Thomas Bernhards "Alte Meister". Hätt ich wohl dazu schreiben sollen.

Der begabte Leser erkennt dies schon an der Satzstellung, selbst wenn er sich nicht konkret an diesen Satz erinnert. :D

Dachte ich mir auch, .....obwohl man "naturgemäß" nicht erwarten kann oder besser darf, dass jeder hier ein Thomas Bernhard Kenner ist.

jetzt, wo Sie's sagen....

...sagte er, dachte ich, vom Vorzimmer aus die Runde beobachtend, während drinnen...

ist ja wohl mehr als klar

warum ältere männer besonders suizidgefährdet sind.
jahrelang wurden sie ausgenommen wie eine weihnachtsgans (alimente, gerichtsprozesse wegen unbewiesener vorwürfe, etc) u nachdem sie endlich alles abbezahlt haben, stehen sie wieder mit leeren händen da.
da muss man ja leider selbstmordgefährdet sein!

einer, der's ganz genau weiß!

aber warum bleibt ihnen bloß keine frau?

ich wette, es liegt nicht an den frauen ....

:OP

Vielleicht

ist er schon draufgekommen, dass Frauen in der Regel nur viel Geld kosten, die Kennenlernform in einen Swingerclub effizienter ist.

gerade unterwegs zum alimentezahler-stammtisch?

Habedere! Was sind denn Sie für eine Fruchtbuchtel?

Jajaja, immer sind nur die Anderen schuld am eigenen Unglück!

Ernst gemeinter Rat: Suchen Sie sich jemand, der professionell mit Ihnen an diesem Thema arbeitet. Es gibt einige gute Therapeuten, die sich auf solche "Männerthemen" spezialisiert haben.

und trotzdem wählen viele davon die övp, die sie weiterhin ausnimmt.

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