Liechtenstein stimmt Kontenöffnung zu

03. April 2011 10:56

Zypern und die britischen Inseln zieren sich noch - Bereits 50 Hausdurchsuchungen und mehr als 100 Einvernahmen

Wien - Liechtenstein hat auf ein Amtshilfeersuchen der Republik Österreich reagiert und der Öffnung möglicher Konten von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser zugestimmt. Das berichtet die Tageszeitung "Österreich" in ihrer Sonntagsausgabe. Warten müssten die Staatsanwälte dagegen noch auf die Beantwortung der Amtshilfeansuchen an Zypern und die Britischen Inseln.

Grasser werde nach der Auswertung der neuen Erkenntnisse erneut von der Staatsanwaltschaft Wien einvernommen werden. Mittlerweile habe es in der Causa Grasser an die 50 Hausdurchsuchungen und mehr als 100 Einvernahmen gegeben, heißt es im Bericht.

Zahlungsflüsse "nicht durchsichtig"

Die Firmenkonstruktionen von Grasser sorgen wie berichtet nicht nur bei den Ermittlungsbehörden für Kopfzerbrechen. Auch Wirtschaftstreuhänder und Steuerexperte Karl Bruckner meinte bereits, dass die steuerlichen Vorteile der Konstruktion zu hinterfragen seien. Derartige Konstruktionen hätten nur einen Sinn, wenn man "die Quelle nicht offenlegen" möchte. Er hält die Zahlungsflüsse des Ex-Finanzministers für "nicht besonders durchsichtig".

Grasser verfügt seit Jahren über ein internationales Stiftungs- und Firmennetzwerk, das erst im Zuge der Berichterstattung über die Ermittlungen der Justiz und der Finanz gegen ihn bekannt wurde. Grasser hat in Liechtenstein zwei Stiftungen errichtet, die die Namen "Waterland" und "Silverland" tragen. Die Stiftungen sind laut seinem Anwalt Manfred Ainedter "intransparente Stiftungen", wo der Stifter, also Grasser, nicht frei über das Vermögen verfügen könne, sondern nur unabhängige Stiftungsräte. Begünstiger der Stiftungserträge sei Grasser selber.

Als Stiftungsräte von "Waterland" fungieren laut Medienberichten Anwälte der Vaduzer Kanzlei Marxer. Die "Waterland"-Stiftung hat wiederum Tochtergesellschaften, nämlich die "Silverwater Invest and Trade Inc." mit Sitz auf Tortuga auf den British Virgin Islands sowie die Gesellschaft "Man Angelus Ltd." mit Sitz auf Zypern. Von der Silverwater sollen 4 Mio. Euro an Grassers österreichische Firma ValueCreations geflossen sein, berichteten Medien unter Berufung auf eine Aussage von Grassers Steuerberater bei der Justiz, das Geld soll demnach aus Grassers Engagement bei der Managementgesellschaft MPM der Meinl International Power (MIP) stammen.

Die "Silverland"-Stiftung" hat die Tochtergesellschaft "Levesque-Holding" mit Sitz auf Zypern, deren Tochter wiederum die Gesellschaft "Gemain Ltd" ist. Die Gemain soll Treugeberin für die SMW OG sein, eine in Österreich ansässige Firma, die Grasser gemeinsam mit Burckhard Graf gehört.

Grasser war von Februar 2000 bis Jänner 2007 österreichischer Finanzminister. Nach seinem Ausscheiden wurde er im Wirtschaftsimperium des Bankers Julius Meinl V. für die börsenotierte Meinl International Power (MIP) mit Sitz auf Jersey tätig. Grasser war Direktor der Meinl Power Management Ltd. (MPM) mit Sitz in Jersey, wobei diese wiederum einen Teil ihrer Aufgaben über ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft Meinl Power Management s.r.o. (MPM SK) in Bratislava wahrgenommen hat. Die MPM hat auf Basis eines Managementvertrags das operative Management der MIP (später PI Power International) durchgeführt. Sie stand zu zwei Drittel im Eigentum der Meinl Bank, zu einem Drittel im Besitz von Grasser. (APA)

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coherence
06.04.2011 15:30
marketing

des korrupten justitzsystems. es wird wohl niemand glauben, dass gegen grasser ernsthaft ermittelt wird.

Schanzentoni
05.04.2011 13:24
Nach den neuesten Zeitungsberichten

ist diese Meldung bloss eine Ente!!

Haha - den Grasser wird man wohl nie erwischen, weil er offensichtlich nichts illegales angestellt hat.

Wolfgang Lederbauer1
04.04.2011 09:40
Grasser werde nach der Auswertung der neuen Erkenntnisse erneut von der Staatsanwaltschaft Wien einvernommen werden.

Im Zuge der Ermittlungen durch die Sonderkommission "Constantia" wurde im August 2010 auf die offenen Punkte in den zwei Wahrbehmungsberichten des Rechnungshofs hingewiesen.

Es wäre interessant, ob diesen Hinweisen nachgegangen wurde.

http://so-for-humanity.com2000.at Rubrik: Die Fälle, Subrubrik: Fall 14 BUWOG

Zivilgeselle
04.04.2011 09:16
Heuchler Grasser mit Nachfolger

Hat nicht der Grasser freiwillig angeboten alle Konten zu öffnen oder war das nur eine seiner unzähligen Lügen.

Wenn der Kontoberechtigte zustimmt, dann bräuchte man keine jahrelangen Verfahren mit den Banken der Schweiz, Liechtensteins, Zypern oder den junfräulichen Inseln führen.

Grassers Fall wird mindestens bis zur NR Wahl dampfen und der ÖVP/FPÖ schweren Erklärungsbedarf abringen.

Wenn die Österreicher wieder eine korrupte Regierung wählen, dann sollen sie ab 2013 ordentlich dafür blechen.

Einfach ehrlich, einfach Strache.

Mathias
 
03.04.2011 22:24
Zypern und die britischen Inseln zieren sich noch - Bereits 50 Hausdurchsuchungen und mehr als 100 Einvernahmen

Ich will doch hoffen, daß unser Qualitätsmedium bei der Sache dran bleibt.

Das Volk würde gerne diese ewige Unschuldsvermutung abgeschlossen sehen ...

free spirit
03.04.2011 21:06
fallen auch die belastenden transaktionen in den vermutlich zeitlich begrenzte rahmen?

oder wird das so eine kontenöffnung wie in österreich?

schlechter Gutmensch
03.04.2011 20:59
ein guter Tag...

... beginnt mit einer Kontoöffnung bei KGH...

... zum Glück hat er viele Konten :-)

Hungriger Troll - please feed!
 
03.04.2011 18:27
"unabhängige Stiftungsräte"

Das ist eine Fiktion. Unabhängige Stiftungsräte gibt es nicht, weil wer bitte setzt diese Leute ein und wer setzt sie ab, wenn sie nicht parieren? Intransparente Stiftungen sind Luftschlösser. Vor allem dann, wenn sie ihren Sitz in dem Geheimnisstaat Liechtenstein haben. Wer nach Liechtenstein stiften geht, hat etwas vor, was mit unserem herrschenden Anstandsbegriff nicht ganz kompatibel ist. Parasitäre Kleinstaaten leben von der Förderung des Gesetzesbruchs.

Schanzentoni
04.04.2011 09:16
und was bitte sehr ist Österreich?

wir sind ja um keinen deut besser

caziquelambare
 
04.04.2011 00:56
hätt man nicht besser formulieren können!!!

the photographer
03.04.2011 17:17
DIE LIECHTENSTEINER...

....wissen längst, dass das Geld so clever hin und her geleitet wurde, dass niemand mehr seinem Lauf folgen kann. Es wird sich irgendwo ins buchstäbliche NICHTS verabschiedet haben.
Das wird wieder einmal ein Schuss in den Ofen. Die smarte Föhnwelle wird sich bereits den Bauch halten beim Lachen.
Wir werden wieder einmal die Geschichte von der weißen Weste hören.

Hungriger Troll - please feed!
 
03.04.2011 18:30
"irgendwo ins buchstäbliche NICHTS"

Nein, nein, haben Sie die Causa nicht verfolgt? Da gibt es prunkvolle Villen in bester Lage und ein Penthouse in der Wiener Innenstadt. Ein Lebemann will seinen Reichtum geniesen und repräsentieren. Die Tugend innerweltlicher Askese ist nicht sein Ding.

Bergdolm
03.04.2011 17:16
Dubiose Vermögen + unwillige Justiz = Success Story Grasser

Grassers Vermögen setzt sich weitgehend aus betrügerischen Geldern zusammen. Das kann man guten Gewissens behaupten.

Selbst als mehrjähriger Spitzenpolitiker (Finanzminister) sind angehäufte Vermögen im Normalfall überschaubar und rechtfertigen keinesfalls solche dubiosen "Anlage"-Konstruktionen, die übrigens auch nicht gerade billig sind.

Dass Grassers Vermögen fast ausschließlich durch "Linke" angehäuft wurde, ist Fakt. Verworrenste internationale Wege lassen aber kaum 100%ige Beweise zu.

Das ist eben die große Schwachstelle unseres Rechtssystems. Ab einer gewissen Summe ist eine ganz kleine Gesellschaftsschicht offensichtlich unangreifbar.

PS: Wenn dazu noch KHG unter Schutz von B-O steht, dann hilft ohnehin nichts ...

peace & love
03.04.2011 17:04
jetzt fehlt noch panama und singapur.

F.B.
 
03.04.2011 16:59
der sinn dahinter war vermutlich:

die stiftungen und firmen grassers profitieren von den MPM investitionen und machen fett gewinne

diese investitionen wurden von arglosen investoren herangeworben die in die MIP investieren sollten

d.h. aktionäre kaufen MIP aktien diese werden investiert in die schwarzen löcher grassers das geld ist weg und durch die Ltd. struktur gibts keine haftung und stiftungen in liechtenstein etc schleusen das geld dann grasser zu der dann meinl seinen "anteil" überlässt

grasser ist unser madoff nur dass der wie die made im speck im finanzministerium saß und nicht wie madoff die inspekteure kaufen/bestechen musste

Hungriger Troll - please feed!
 
03.04.2011 18:37
"arglose Investoren"

Arglos? Dass ich nicht lache! Bei einer von Wien aus agierenden Gesellschaft mit Sitz auf Jersey - ein Briefkasten! - schrillen bei mir alle Alarmglocken. Da hat die Gier nach raschen Profit wohl alle Vernunftschranken niedergerissen.

Max Arnstein III.
 
03.04.2011 15:54
Sinn des Firmen- und Stiftungsfilzes?

Könnte es sein, dass er doch ein wenig in die Kärntner Kokain-Connection involviert war, die Wien so zuverlässig versorgt? Denn dann müssten tatsächlich größere Beträge regelmäßig verschoben werden - und dies scheint der einzige Zwecks dieser komplexen Konstruktionen zu sein.

h 90
03.04.2011 16:13

Ich denke die Eurofighter sind der wirklich grosse Brocken.

klammerausdruck
03.04.2011 15:44

karl heinz gr hat nur einen fehler gemacht: nämlich in die politik zu gehen. als privatmann könnte er seine geschäfte wohl ungestört vor sich hintreiben und wäre wahrscheinlich hochangesehener cleverprinz der seitenblickegesellschaft.

ich will sicherlich nix rechtfertigen (ganz und gar nicht!) - es war nur eine zwischenbemerkung, damit neben all den (berechtigten) transparenzforderungen und der (unberechtigten) generalverurteilung von politik(ern), auch die große "privatszene" unserer gesellschaft nicht vergessen wird.
dort geht es nämlich keineswegs immer nur superehrlich und hochanständig zu. hier sollte dort und da die kontrolle ebenso verschärft werden, zb am finanzmarkt, bei beschäftigungsverhältnissen im bauwesen, im steuerbereich,

Selbstbeweihräucherungsstäbchen
04.04.2011 09:53

Ohne den Fehler gemacht zu haben, in die Politik zu gehen, wäre er jetzt Autoverkäufer im Klagenfurter Osten.

Der Cygeuner
03.04.2011 16:47
Sie haben mit vielem Recht ...

... aber man muss natürlich auch sehen, dass der Mann durch seine politische Tätigkeit erst so richt (direkt, oder zum Vorteil seiner Spezis) absahnen konnte. Hätte er nur die Einkünfte aus eigener unternehmerischer Tätigkeit steuerfrei ins Ausland retten wollen, dann würden diese wahrscheinlich nicht einmal ausreichen, um all die Anwälte und Steuerberater in Österreich, Liechtenstein, BVI, Zypern, UK/Jersey und vermutlich ein paar anderen Staaten zu bezahlen.

klammerausdruck
03.04.2011 16:59

ja, auch sie haben recht.
ich wollte ja auch keineswegs behaupten "weil das für private durchgeht, ist es in der politik auch ok" - ganz im gegenteil - auch in der "privatwirtschaft" gibt es einiges an handlungsbedarf.

h 90
03.04.2011 16:09

und woher haette er dann die bestechungsgelder genommen?

Max Arnstein III.
 
03.04.2011 15:58

In der Politik geht es um das Geld anderer Leute, nicht um das eigene. Deshalb ist privatwirtschaftliches Handeln, bei dem es primär um den persönlichen Vorteil geht, für öffentliche Aufgaben nicht unbedingt ein gutes Beispiel. D. h. die Tugenden eines erfolgreichen Autoverkäufers entpuppen sich im öffentlichen Dienst leicht als Laster.

klammerausdruck
03.04.2011 16:56

ja. ihr argument hat was. aber ..

.. ich beobachte schon, dass sich gerade oft leute, die durchaus erfolgreiche autoverkäufer abgeben würden, besonders über die "unmoral" der politik echauffieren und im übrigen genau "wüßten, was zu tun wäre"

.. auch "privates" handeln hat konsequenzen für andere bzw. die öffentlichkeit. ein besonderes bitteres beispiel ist das bail out von banken auf kosten der steuerzahler. aber es gibt viele weitere beispiele: übervorteilte autokäufer, ausgebeutete arbeitnehmer, überhöhte preise, zweifelhafte vertragsbindungen, ......

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