Der Jubel über Crysis 2 ist nicht restlos nachvollziehbar

2. April 2011, 12:34
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Ein sehr guter Shooter, aber nicht perfekt

"Des Kaisers neue Kleider" ist ja ein ganz famoses Märchen, das gesellschaftliche Zwänge aufzeigt. Auf Crysis 2 (EA, für Xbox 360, PS3 und PC, ab 55 Euro, ab 18 Jahren) könnte es zumindest teilweise zutreffen. Denn die Spielepresse überschlägt sich vor Begeisterung und vergibt reihenweise neun von zehn Punkten. Das Spiel ist ohne Zweifel ein sehr, sehr guter First-Person-Shooter - perfekt ist es aber nicht.

Geschichte

Doch der Reihe nach. Die Geschichte über die außerirdische Invasion, die New York verwüstet und nur von einem gestoppt werden kann - dem Spieler - ist grafisch durchaus beeindruckend umgesetzt. Lediglich Details bei Inneneinrichtungen scheinen mehr liebloses Flickwerk zu sein. Wie schon im Vorgänger ist der aufrüstbare Nanosuit der Spielfigur quasi der Hauptakteur. Er ermöglicht es, seinen Spielstil zu wählen: Unsichtbar an den Gegnern vorbeischleichen, wie John Rambo auf Feuerkraft setzen oder wie ein Parkourläufer herumturnen. Im Vergleich zu anderen Genrevertretern bietet das virtuelle New York auch genügend Platz zum Manövrieren, um seine Taktik umzusetzen.

Langzeitig

Das Spiel dauert vergleichsweise lange - allerdings braucht es auch mindestens ein bis zwei Stunden, bis es wirklich in die Gänge kommt. Und wenn der Hersteller "Künstliche Intelligenz am Rande der Realität" verspricht, ist das gelinde gesagt eine Übertreibung. Seit drei Stunden geköpfte Hühner agieren teilweise koordinierter.

Dennoch: Crysis 2 ist eindeutig über dem Durchschnitt. Zumindest ein wenig neu sind die Kleider aber schon. (Michael Möseneder\DER STANDARD, Printausgabe; 1. April 2011)

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