Allianz bombardiert irrtümlich Rebellen

3. April 2011, 12:17
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13 Tote - Brega anscheinend in der Hand der Rebellen - Regime weist Angebot einer Waffenruhe zurück

Brega - Die internationale Allianz hat bei einem Luftangriff auf die Ölstadt Brega 13 Rebellen getötet. Die Aufständischen machten am Samstag unterschiedliche Angaben, wie es zu dem Beschuss gekommen war.

Rettungswagen getroffen

Mindestens vier Fahrzeuge wurden von den Raketen in Brega getroffen, darunter auch ein Rettungswagen. Sie standen ausgebrannt am Rande einer Straße an der östlichen Zufahrt zu der Stadt. Männer beteten an direkt am Angriffsort ausgehobenen Gräbern, die mit Fahnen in den Rebellenfarben rot, schwarz und grün bedeckt waren.

Einige Aufständische machten Handlanger Gaddafis dafür verantwortlich, dass die Rebellen-Gruppe das Feuer der Allianz auf sich zog. "Einige von den Leuten Gaddafis haben sich unter die Aufständischen geschmuggelt und mit Luftabwehr-Waffen in die Luft geschossen", sagte Mustafa Ali Omar. "Dann kamen die Nato-Kräfte und haben sie angegriffen." Andere sagten, Kämpfer aus den eigenen Reihen hätten aus Versehen in die Luft geschossen und damit den Angriff provoziert. "Wir haben selbst den Fehler gemacht", sagte einer der Rebellen. Eine Nato-Sprecherin in Brüssel erklärte, die Militärallianz werde die Angaben überprüfen.

Trotz des Vorfalls appellierten die Rebellen an die internationalen Kräfte, mit den Angriffen nicht nachzulassen. "Man darf den großen Zusammenhang nicht aus den Augen verlieren", sagte ein Sprecher im Rebellen-Hauptquartier in der östlichen Stadt Bengasi. "Fehler passieren, aber worauf es ankommt, ist, dass wir Gaddafi loswerden."

Brega offenbar in Rebellenhand

Nachdem die Rebellen in Brega am Samstag auf dem Rückzug waren, habe sie mittlerweile anscheinend wieder die Oberhand gewonnen. Den Aufständischen ist es am Sonntagmorgen offenbar gelungen, die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi zurückzudrängen. Die Rebellen erklärten, sie hätten die Stadt zurückerobert, jedoch war weiterhin Artilleriefeuer zu hören, wie ein Reporter nahe der Stadt berichtete. Am östlichen Zugang von Brega besetzten die Rebellen demnach den weitläufigen Campus der Universität, während sich die Regierungstruppen offenbar innerhalb der Stadt nach Westen zurückzogen.

148 Kampfeinsätze in zwei Tagen

An den ersten beiden Tage unter dem Kommando der Nato haben die internationalen Militärkräfte 148 Kampfeinsätze in Libyen geflogen. Diese Bilanz zog das Bündnis am Samstag in Brüssel. Die Nato hatte das Kommando am Donnerstag übernommen. An der Seeblockade im Mittelmeer zur Kontrolle des Waffenembargos sind den Angaben zufolge 21 Schiffe beteiligt. Sie hätten 30 Frachter und Tanker überprüft.   An dem Nato-Einsatz über Libyen nehmen etwa 20 der 28 Nato-Mitglieder sowie mehrere nicht dem Bündnis angehörende Staaten teil. Deutschland und Polen haben erklärt, dass sie sich nicht beteiligen. Eine Koalition unter Führung der USA, Frankreichs und Großbritanniens hatte die Militäraktion gegen das Regime des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi gestartet und später das Kommando an die Nato abgegeben.

Seit Beginn der alliierten Luftangriffe vor zwei Wochen haben die gut ausgerüsteten und ausgebildeten Gaddafi-Truppen wiederholt Vorstöße der Rebellen entlang der Küstenstraße von Bengasi in den Westen des Landes zurückgeschlagen. Brega wechselte mehrfach die Kontrolle. Die Aufständischen haben zuletzt bei Bewaffnung und Organisation aufgeholt, sind jedoch insgesamt unterlegen. Dies schürte Spekulationen über eine stärkere Unterstützung der Gaddafi-Gegner aus dem Ausland. Nach den Kämpfen der vergangenen Tage sah es so aus, als ob das Land auf ein militärisches Patt zwischen den Truppen Gaddafis und den Rebellen zusteuert.

Einen Vorschlag der Rebellen zur Waffenruhe wies das Regime in Tripolis zurück. Die Forderung, die Soldaten sollten sich aus den Städten zurückziehen, sei verrückt, sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim am Freitag. Die Truppen würden das nicht tun. Als Bedingung für einen Waffenstillstand verlangten die Aufständischen, dass Gaddafi zuerst das Land verlässt. (red,APA/Reuters)

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    Ein Autowrack nahe Brega nach dem Angriff der internationalen Allianz.

  • Rebellen feuern bei Brega Raketen ab
    foto: epa/manu brabo

    Rebellen feuern bei Brega Raketen ab

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    Rebellen vor Brega auf einem Panzer, den sie von Gaddafis Truppen erbeuten konnten. Derzeit soll die Stadt wieder in der Hand der Rebellen sein.

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