Überlebenskampf der Parias

1. April 2011, 18:57
34 Postings

Es zeigt sich ein Mosaik (budget-) politischer Geringschätzung, Verachtung von Bildung, Wissenschaft und Forschung

Die Universitäten brauchen ab 2013 eine Akutinfusion von 300 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr, damit sie sich wenigstens so weiterfretten können wie bisher - „um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten". Also das Überlebensminimum als Zielgröße, von der es die Politik erst noch zu überzeugen gilt. Gelingt das nicht, müssen 3000 Uni-Lehrende gehen. Wohin? Wen kümmert's. 

Offenbar niemanden. Es zeigt sich ein Mosaik (budget-) politischer Geringschätzung, ja, nachgerade Verachtung von Bildung, Wissenschaft und Forschung, von „Denkarbeitern" im Wortsinn, die wie Parias dem kaputtgesparten System zum Fraß vorgeworfen werden. Beispiele gefällig?
Hoch qualifizierte Jungwissenschafter bekommen für eine Übung - mindestens 45 Studierende, Vorbereitung, Abhaltung, Korrektur, Nachbesprechung der Testarbeiten - 320 Euro. Willkommen im akademischen Prekariat. Oder: Zum Philosophenkongress werden im Juni mehr als 200 Vortragende und mindestens 300 Teilnehmer nach Wien kommen, philosophieren, diskutieren - und konsumieren. 

Der Kulturabteilung der Stadt Wien war das frotzelnde 1000 Euro Förderung wert, gnadenhalber gibt's jetzt doppelt so viel. Apropos: War da nicht was mit 210.000 Euro Budget für den grünen städtischen „Universitätsbeauftragten"? Das Wissenschaftsministerium gönnt den Denkern 2500 Euro, das Unterrichtsministerium denkt noch nach. Gut. Denken ist immer gut. Darum brauchen wir gute Unis. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.4.2011)

Share if you care.