Händlerpleite

Bawag sucht verpfändete Geigen

Renate Graber, 1. April 2011, 18:43

Die Pleite des Geigenhändlers Dietmar M. ließ Banken zu Geigenbesitzern werden. Ein Teil des Pfandguts ist verschollen, ein anderer wird gespielt

Wien - Ob hochpreisige Stradivari oder wertvolle Guarneri (vom italienischen Geigenbauer und Antonio-Stradivari-Zeitgenossen Giuseppe Guarneri del Gesù gebaute Instrumente): Österreichische Banker interessieren sich derzeit für beides.

Grund dafür sind, wie berichtet, Konkurs und Verhaftung eines der bedeutendsten Geigenhändlers der Welt. Er schuldet den Instituten an die 30 Mio. Euro - das Geld hat der gebürtige Bremer wohl in sein Schloss in Niederösterreich gesteckt, in Autos wie Jaguar, Porsche, Maserati, eine Uhrensammlung - und in die Ankaufsfinanzierung der sündteuren Streichinstrumente. "Madoff in Holz" ist denn der Beiname, den Ermittler dem Kaufmann gegeben haben.

Das Holz wird nun recht intensiv gesucht - etwa von der Bawag, die nun rund fünf Mio. Euro von M. fordert. Um an Kredite zu kommen, pflegte Dietmar M. auch Geigen zu verpfänden. Weil die Instrumente aus dem 17. /18. Jahrhundert aber bespielt werden müssen, um nicht an Wert zu verlieren, wurden die (unter Eigentumsvorbehalt stehenden) Instrumente nicht etwa im Safe der Bank oder, wie Wolfgang Flöttls Gemäldesammlung, im Zollfreilager verwahrt, sondern bei Geigenvirtuosen. Die hat offenbar Dietmar M. ausgesucht - jedenfalls sieht sich die Bawag vor dem Problem, dass sie weder die Geigen findet, noch ihr Geld je wieder gesehen hat. Sie prozessiert seit einem Jahr gegen M. Er will ja, wie berichtet, nicht verraten, wo die Instrumente sind, weil er einen Preisverfall befürchtet, wenn die Gläubiger die Geigen auf den Markt werfen.

"Namhafte Künstler"

Der "Generaldirektorskunde" (ein Mitarbeiter) dürfte der Bawag um 2002 herum durch den kunstsinnigen Ex-Chef Helmut Elsner zugewachsen sein. M. hatte einen Rahmen von rund fünf Mio. Euro, "der war immer ausgeschöpft", erzählt ein Banker, der auch wissen will, wer die in Pfand genommenen "Strads" und Guaveris spielte: "namhafte Künstler und auch die Philharmoniker".

Bei der Frage der Werthaltigkeit verließ man sich angeblich nicht nur auf Gutachten, sondern auch auf die Nationalbank (OeNB). "Wir fragten die OeNB, wie viel sie für das jeweilige Stück zahlen würde", wird berichtet. Die Geigensammlerin OeNB war freilich selbst einer von M.s wichtigsten Abnehmern. Sie besitzt 36 wertvolle Stücke, die sie Künstlern zur Verfügung stellt - und prozessiert seit zwei Jahren gegen M.

2001 wurde eine Bawag-Geige sogar zum Kunstsponsoring-Wertpapier. Kunstsinnige kauften via 100-Euro-Tranchen eine 100.000-Euro-Geige, die bis 2005 von jungen Violinkünstlern bespielt und dann um 120.000 Euro versteigert wurde. Den Gewinn teilten sich die Geigen-Anleger.

Auch am Wörthersee hängt der Himmel nicht voller Geigen, wiewohl auch Kärntner Künstler zuletzt in den Genuss von Spitzen-Geigen gekommen sind. Auch die Hypo Alpe Adria hat M. mit Krediten finanziert (offen: rund 1,6 Mio. Euro), die wertvollen Pfänder sind angeblich "in Kärntner Orchestern" zu finden.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.4.2011)

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22 Postings
ich nicht
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und was sagt ruth elsner dazu ?

KammerlExperte
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Die hat Alles vergeigt....

Ich frage mich ob gierige Menschen wirklich Sinn und
Verstand für Kunst haben, oder sich nur gerne mit
solcher umgeben um ihre Blö....heit zu verdecken.

Herr Essl scheint mir eine absolute Ausnahme zu sein.

Nur Hr. Essl ist nicht gierig und gibt auch gerne
etwas von seinem Erfolg ab.

KammerlExperte
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Man darf schon wissen wer hinter M. steht

http://www.citybeat.de/news/Brem... r-verklagt

Ein Bericht v. 2007, aber da waren ja BAWAG und
dann gleich danach die Hypo so mit sich selbst
beschäftig.

KammerlExperte
00
Nachtrag aber jetzt sry f. leeres Posting

http://kyra-sator-vs-dietmar-machold.com/

2009 wurde Verfahren eingestellt.

Wahrscheinlich durch die Hypo- Bawag Untersuchungen
hat man jetzt den Betrug aufgedeckt.

Im Freundeskreis von....da ist die Parteizugehörigkeit
auch nicht schwer heraus zu finden.

Georg K1
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finde den Fall wahnsinnig spannend: laut edikte Datei (Link bei Wikipedia) ist Frau Sator im Gläubigerausschuß. Also dürfte das Ganze doch noch nicht erledigt sein! Die "kyra-sator-vs-dietmar-machold" Seite ist ja ganz offensichtlich von Herrn Machold selber online gestellt worden (Name "Harry Joachim" sind laut Wikipedia die zweiten und dritten Vornamen)

KammerlExperte
00
Nachtrag_

Zwentibold der Gierige
01

Alte Geigen sind überbewertet. Es gibt Geigenmacher, die einer Stradi oder Stainer jederzeit das Wasser reichen können.
Sogar aus China gibt es derer schon ein oder zwei Geigenmacher. (Aufschrei unter 0815 Geigern)

franz der freie
 
02
die bawag sollte die verschwundenen milliarden suchen, keine peanuts geigen.

ich sage nur: flöttl jun.

TrueFalse
00
Karma is a bitch...

isnt it Bawag ?

klouda
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Es wird so sein:

In Kärntner Orchestern spielt man die Guaveri Geige. Auch bei Guerilla sehr beliebt.

vorname nachname1
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Eine Provinzposse das ganze.

AlexderK
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Sogar

Wenn alle teuren und alten Italiener auf den Markt geworfen werden, um wieviele geht's da? Ob 100 oder 200 hochpreisige instrumente am Markt sind ändert am Preis wenig.
Und ich nehme nicht an dass die banken die halben Philharmoniker ohne instrumente lässt.
Mehr sorgen bereitet hier die die Frage nach der Echtheit der Instrumente, Gutachten sind schnell erstellt und Kassier, gerichtlich anerkannte Gutachter für Streich- und Saiteninstrumente gibt es in Österreich glaub ich nur zwei, also wird die Frage bald geklärt sein. Unschuldsvermutung gilt auch hier!

lagrangian
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bei einer gesamtanzahl von ca. 600 ist das nicht wenig.

Roter Baron
00
achso funktioniert das

man kauft kunst auf pump
handelt damit
macht seinen schnitt
und legt dann eine eigene sammlung an.
(hab mich immer gefragt
wie ein zahnarzt, auch wenn er solcher war,
eine eigene sammlung zsambringt,
nicht nur mit raubgut).

roter baron

Heinz Anderle
 
01
Bei dem Mittelklassen-Instrument von 2001...

... kann es sich wohl nur um die Ö1-Geige handeln.

Vielleicht hilft die Beschallung des Verdächtigen durch Anfänger des Violinspiels oder beim Fiedeln feinmotorisch Beeinträchtigte, um das Geständnis zu beschleunigen.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Plaats van Samenkomst
20
Eine beliebige "Originalklang"-Aufnahme sollte genügen.

Herr Plumm
01

offtopic: welcher partei kann herr m. eigentlich zugeordnet werden? nur so...würd mich interessieren....

Georg K1
00
Schloßfeste

weniger die Seilschaft einer einzelner Partei ist hier das Thema, sondern wahrscheinlich die Gästeliste auf seinen Festen am Schloß (im Stil von Berlusconi). Unschuldsvermutung gilt auch hier ;-)

von Aachen
02
Werterhalt?

Das Problem ist ja das Machold selber die Bewertungen gemacht hat. Daher er hat 10% am Verkauf und zwischen 10-15% für die Schätzung kassiert. Seit einiger Zeit weiß man aber schon das er sich bei manchen Bewertungen geirrt haben dürfte und die Instrument von wem anderen produziert wurden. Der Wertverlust wäre deshalb auch so enorm, bzw. will er deshalb die Geigen nicht mehr herzeigen, damit kein Gegengutachten dies Beweisen kann.

von Aachen
00

Aber es gilt natürlich auch hier die Unschuldsvermutung!

Parteimitglied
02
Bawag: "Wir fragten die OeNB, wie viel sie für das jeweilige Stück zahlen würde"

LOL, also wenn ich die Entscheidungen für Ankäufe in meine Sammlung aufgrund solcher hochkarätiger Expertisen treffen würde, dann wär ich auch schon längst pleite.

Plaats van Samenkomst
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Da kann ich ja gleich ein Gutachten beim Hopfner bestellen!

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