Volksfest am Abort

1. April 2011, 18:27
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Werner Schwabs "Präsidentinnen" wurde vom Linzer Theater Lichterloh als intensive Hochschaubahnfahrt auf die Bühne gebracht

Linz - Den Lebensschmutz, den sich die drei Putz- und Klofrauen vom Leib waschen wollen, er kann nur in der Imagination verschwinden. Und so steuert Werner Schwabs zweites Drama, das zum Paradestück werden sollte, auf einen Höhepunkt im Surrealen zu. Davor will allerdings der Dreck des Alltags besprochen werden - durchbuchstabiert mit dem subversiven Sprachtorso des "Schwabischen".

In der Inszenierung Jürgen Heibs geht das Theater Lichterloh mit Sorgfalt und Verve an Sprache und Stück heran. Die integrative Schauspielgruppe, bestehend aus Professionisten und Klienten der Pro Mente Oberösterreich, bringt eine fesselnde Theaterstunde auf die Probebühne des Linzer KuK-Theaters.

Im von Männern gespielten Putzfrauentrio brilliert Herbert Wagner als verklemmte Erna, die sich außer einer Pelzhaube und dem Farbfernseher zum Papstschauen wenig gönnt. Ihre Bigotterie paart sich mit dem Sadismus moralischer Überlegenheit. Johannes Renoldners Grete ist lasziv und (übertrieben) tonlos, wenn das Gespräch auf ihre inzestuöse Familientragödie kommt. Alois Zinnöcker übernimmt die Rolle der unsicheren Mariedl, die Heldin der Klomuschel.

Als aus der Weinseligkeit der Protagonistinnen ein imaginiertes Volksfest entsteht, steigern sich die Putzfrauen in ihr jeweiliges Glücksszenario hinein.

Dem Ensemble gelingt die Hochschaubahnfahrt in die Katastrophe, auch wenn mehr Differenzierungen der Intensität nicht geschadet hätten. (Wolfgang Schmutz, DER STANDARD - Printausgabe, 2./3. April 2011)

Linz, Probebühne Lonstorferpl., 0680/107 348 10, 2., 7., 8., 9. 4., jew. 20.00

  • Putzfrauenträume: Grete (Johannes Renoldner) und Erna (Herbert Wagner).
    foto: lichterloh

    Putzfrauenträume: Grete (Johannes Renoldner) und Erna (Herbert Wagner).

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