Herber Schlag für Australiens Uranbergbau

1. April 2011, 17:35
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Die Gefahr einer nuklearen Katastrophe hat in Australien die Debatte um Kernenergie und Uranabbau erneut angeheizt

Die Situation im Atomkraftwerk Fukushima hat auch in Australien Auswirkungen. Aktien australischer Uranunternehmen reagierten in den Tagen nach dem Erdbeben und dem Tsunami erst stark negativ auf die Möglichkeit einer Kernschmelze in Japan. Nach massiven Verlusten begannen sich die Papiere der vom globalen Bergbaugiganten Rio Tinto kontrollierten Firma Energy Resources of Australia (ERA) und anderer Uranförderer wie Paladin Energy, Peninsula Energy, Energia Minerals und UEQ wieder zu erholen.

Japan konsumiert etwas mehr als zehn Prozent des global geförderten Urans. Ein wesentlicher Teil davon stammt aus Australien. Die von den Problemen geplagte japanische Firma Tokyo Electric Power nutzt laut Medienberichten australisches Uran für den Betrieb ihrer Anlagen.

Kebatte um Kernenergie

Die Gefahr einer nuklearen Katastrophe hat in Australien die Debatte um Kernenergie und Uranabbau erneut angeheizt. Auf dem Kontinent gibt es außer einem zur Herstellung von Radioisotopen benutzten Reaktor keine Nuklearanlagen. Teile der Wirtschaft drängen aber seit Jahren darauf, dass Australien eine Atomenergieindustrie aufbaut. Denn an Brennstoff fehlt es nicht: Das Land kontrolliert gut ein Drittel aller weltweit bewiesenen Uranvorräte. Die Befürworter sehen in der Nuklearindustrie eine Möglichkeit, Australien von seiner Kohleabhängigkeit zu entbinden. Das Land produziert 80 Prozent seiner Energie mit dem klimaschädigenden Brennstoff. Atomgegner meinen, Australien habe genügend erneuerbare Energieformen, die es nutzen könnte.

Sogar der Export von Uran ist alles andere als unumstritten. Erst 2007 entschied sich die regierende Labor-Partei für die Aufhebung der sogenannten "Drei-Minen-Politik", die zum Ziel hatte, aus sicherheitspolitischen und ökologischen Gründen die Expansion der Uranindustrie zu verhindern. Der Anstieg der Preise für den nuklearen Brennstoff und die hohe Nachfrage in China führte zu einem Umdenken. (Urs Wälterlin aus Sydney, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2./3.4.2011)

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