Museumsquartier-Chef im Interview

"Es sieht ganz anders aus, als wir erträumt hatten"

1. April 2011, 19:03
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    foto: standard/christian fischer

    Waldner blickt zurück in Gelassenheit, aber: "Zu Beginn war es schon ein ziemlicher Kampf."

Wolfgang Waldner spricht über zehn Jahre MQ als urbane Chill-out-Zone, Kunstraum und Stoff für viel Zoff

Petra Stuiber sagte er, wieso er wenig anders machen würde und warum er der Wiener VP hilft.

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Standard: Das Museumsquartier (MQ) wird heuer zehn Jahre alt. Was ist für Sie persönlich das Erstaunlichste an diesem Jubiläum?

Wolfgang Waldner: Für mich persönlich, dass das MQ eigentlich ganz anders aussieht, als wir ursprünglich konzipiert oder auch nur erträumt hatten. Ursprünglich war ja nur der Kunstraum im Fokus, vertreten durch die Kunst-Institutionen auf dem Areal. Alles, was danach gekommen ist, hat man höchstens in Andeutungen gelesen - zum Beispiel die Dimension Schaffensraum, die wir erst entwickelt haben.

Ich hatte nur den Auftrag, auf die kleinen Initiativen "aufzupassen" und für Vielfalt zu sorgen - mehr war da nicht. Obwohl damals schon der Titel "Museumsquartier" irreführend war. Schon damals waren von den zehn Institutionen nur zwei Museen im klassischen Sinn - heute sind es von über 70 Institutionen auch nur zwei klassische Museen.

Standard: Sind Sie überrascht, dass es Sie in dieser Funktion noch gibt? Sie haben sich ja durchaus heftige Scharmützel mit Ihren Mietern geliefert. War das für Sie immer klar, dass Sie das "überleben"?

Waldner: Absolut nicht. Im Rückblick sehe ich das natürlich mit mehr Gelassenheit. Aber es war schon ein ziemlicher Kampf. Ich hätte zwar jederzeit das Handtuch werfen können - ich bin ja nach wie vor im Außenministerium verankert und kann jederzeit zurückkehren. Aber ich habe nie daran gedacht, weil ich immer fand, ich habe hier einen Auftrag zu erfüllen. Und der kam ja von beiden Eigentümern, von Bund und Gemeinde. Und in der Zeit, wo es wirklich hart herging - nicht nur sachlich, auch persönlich -, kam immer das Signal von beiden Auftraggebern: "Bitte Kurs halten, dabei bleiben, wir stehen hinter Ihnen."Seit 2004 ist es uns gelungen, immer mehr Sachprobleme zu lösen und Ängste abzubauen.

Standard: Den letzten großen Krach im MQ gab es im Juni 2009, als Sie die neue Hausordnung präsentierten und sich binnen Stunden Tausende via Facebook organisierten - gegen das Verbot, Alkohol selbst mitzubringen. Hat Sie der massive Protest überrascht?

Waldner: Ja, das Ausmaß hat jeden überrascht. Die Aufregung war aber nach vier Tagen vorbei.

Standard: Weil Sie einlenkten.

Waldner: Nein. Die Hausordnung haben wir nicht zurückgenommen, wir haben sie nur erklärt. Wir haben schon 2008 gemerkt, dass die Exzesse immer mehr zunehmen. Wir haben gewusst, wir müssen dieses Alkoholverbot, das es ja eigentlich schon vorher in der Hausordnung gegeben hat, publik machen. Wir haben das an Tafeln angebracht - und dann kam der Aufschrei, weil den Leuten das plötzlich bewusst wurde.

Standard: Dann ist der Fehler nur in der Kommunikation passiert?

Waldner: Man kann immer alles besser machen. Meine eigenen Kinder haben mich damals gefragt, ob ich wahnsinnig geworden bin - die ganze Schule sei plötzlich gegen mich. Ich hab dann die drei jungen Organisatoren des Protests ins Büro gebeten und ihnen erklärt, dass wir das MQ ja nicht gegen die junge Leute gemacht haben, sondern für sie. Und dass es halt gewisse Regeln braucht.

Wir können nicht dulden, dass ein paar wenige alle anderen terrorisieren. Wir haben uns dann geeinigt, dass ich öffentlich sage, dass wir natürlich dulden, wenn in Maßen Alkohol konsumiert wird - aber im Fall von Exzessen brauche ich das Verbot, damit die Polizei auch Hausverbote aussprechen kann.

Standard: Die von Ihnen engagierten Sicherheitsleute haben auch nicht für gute Stimmung gesorgt.

Waldner: Wir haben sicher den Fehler gemacht, dass wir die Sicherheitsleute, die wir schon wegen der Erfahrungen im Jahr davor engagiert haben, nicht genau kontrolliert hatten. Die sind zu martialisch aufgetreten. Denen haben wir eine Streetworker-Ausbildung verordnet und auf ihre T-Shirts "Gästebetreuer" draufgeschrieben. Seither gibt es keine Probleme mehr.

Standard: Haben Sie von Anfang an gewusst, was Sie tun müssen, damit das MQ vom Publikum angenommen wird?

Waldner: Nein. Am Anfang waren die Museumsdirektoren auch noch sehr zurückhaltend bei der Bespielung der Höfe mit Kunst, die wollten vor allem, dass ihre Museen Profil gewinnen. Aber als dann alles so leer war, habe ich Josef Trattner engagiert, damit er seine Schaumstoff-Objekte im Hof präsentiert. Und sofort waren die jungen Leute da, sind darauf herumgesessen oder gelegen. Da wussten wir: So geht es.

Dann wurden die Enzis als Hofmöbel entwickelt, jetzt die Enzos, eines hat ins andere gegriffen. Dann mussten wir aufpassen, dass das MQ nicht zur reinen Chill-out-Zone wird, und dann haben wir mit den Kulturprojekten begonnen. Das ist ein wichtiger Punkt: Kultur für alle, gratis zur Verfügung gestellt.

Standard: Viel auffällige oder provokante Kunst in den Höfen fällt einem aber nicht ein - mit Ausnahme von vielleicht "Kanak Attack" oder Van Lieshouts Riesen-Spermium oder Erwin Wurms Haus auf dem Mumok. Wäre das MQ nicht gerade dazu da, an- und aufregende Kunst zu zeigen?

Waldner: Ich persönlich sehe es nicht als meine Aufgabe, provokante Kunstprojekte zu machen. Da würde ich ja das Geschäft der anderen machen und mir womöglich den Vorwurf einhandeln, ich sollte lieber das Areal verwalten. Die angesprochenen Projekte sind ja alle von den Kunst-Institutionen gekommen.

Standard: Haben Sie je über Zugangsbeschränkungen nachgedacht? An manchen Sommerabenden ist das MQ restlos voll.

Waldner: In manchen Sommernächten haben wir unsere Kapazitätsgrenzen durchaus erreicht. Wir sind gerade mit der Behörde im Gespräch, auch unter dem Eindruck der 5000 bis 7000 Leute, die zur Sommereröffnung 2010 kamen. Da ist manchem angst und bang geworden, auch im Nachhinein, als dann das schreckliche Unglück in Duisburg passierte. Wir haben ein eigenes Sicherheitskonzept entwickelt, und wir werden bei großen Veranstaltungen einen eigenen Ordnerdienst engagieren.

Standard: Die kritische Zahl?

Waldner: Die liegt bei circa 7000 Besuchern.

Standard: Sie sind voll des Lobes, was die Kooperation mit den Museen betrifft. Aber so toll kann die nicht sein, wenn das Mumok ausgerechnet zum Zehn-Jahr-Jubiläum drei Monate wegen Umbaus schließt. Ist das nicht ungeschickt?

Waldner: Das war die autonome Entscheidung der neuen Direktorin, ich verstehe voll und ganz, warum sie das macht - wann soll man umbauen, wenn nicht am Anfang? Sie wird danach sicher fulminant starten.

Standard: Sind Sie ÖVP-Mitglied?

Waldner: Ja.

Standard: Warum leiten Sie eine Arbeitsgruppe für die Wiener VP?

Waldner: Ich leite in meiner Freizeit einen Arbeitskreis und werde bei den Themen Stadtleben und Urbanität mitdiskutieren. Nicht mehr und nicht weniger.

Standard: Sie werden immer wieder für Minister- und sonstige Ämter genannt. Können Sie sich vorstellen, in die Politik zu wechseln?

Waldner: Ich bin immer ein politischer Mensch gewesen, und gegen das Gehandelt-Werden kann man sich nicht wehren. Gleichzeitig bin ich froh, weil ich weiß, dass es nie dazu kommen wird. Genügt Ihnen das als Antwort?

Standard: Nicht wirklich. Wenn man damit nicht liebäugelt, leitet man keinen Arbeitskreis einer Partei.

Waldner: Das ist etwas Internes. Ich bin kein Funktionär, war nie einer und werde nie einer sein. Ich helfe Frau Marek aus Sympathie, weil sie mich darum gebeten hat.

Standard: Sind Sie der nächste Wiener VP-Chef?

Waldner: Sicher nicht. Unvorstellbar. (Petra Stuiber, DER STANDARD-Printausgabe, 2.4.2011)

Wolfgang Waldner (57), war erst Kulturattaché in Washington, danach arbeitete der gebürtige Villacher als Sekretär des damaligen Außenministers Alois Mock. 1988 übernahm er die Leitung des Kulturinstituts in New York. 1999 wurde er Chef des Museumsquartiers, das im September Zehn-Jahr-Jubiläum feiert.

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Posting 1 bis 25 von 32
1 2
standardised
 
03
19.4.2011, 10:01

"Ich bin immer ein politischer Mensch gewesen, und gegen das Gehandelt-Werden kann man sich nicht wehren. Gleichzeitig bin ich froh, weil ich weiß, dass es nie dazu kommen wird. Genügt Ihnen das als Antwort?"

Ja, vielen Dank Herr Staatssekretär!

desteufelsbeitrag
02
19.4.2011, 16:48
haha

Also noch jemand der sich an dieses Interview erinnert hat.

Najo, wurde ja auch am 1.April abgedruckt. Gotcha!

Hochlandrind
00
19.4.2011, 23:23

hab ich mir ach gleich gedacht, der hat doch mal was in die richtung gesagt...

-.-.-.-.-.-
00
15.4.2011, 20:29
das ist aber ein liebes interview

keine einzige provokante frage und die mehrzahl der probleme und skandale ausgelassen.

Quasis Herr Karl
00
Ich helfe Frau Marek aus Sympathie, weil sie mich darum gebeten hat.

Sachen gibt's. Igitt. Großer Bogen um's MQ.

Queequeg
27

Genau so schaut das MQ auch aus. ÖVP-Unsympatler, die chillen wollen.

edgemeggs
00

3 Möglichkeiten:

- Sie sind auch so ein Unsympatler!
- Sie sind Masochist, Ihnen gefällts im MQ nicht und genau deshalb gegen Sie hin!
- Sie haben keine Ahnung, wollten aber auch mal was sagen!

... Suchen Sie sich was aus!

Denial_of_Service
00

Zufälligkeiten als Freiheit interpretiert
Kompromisse als Vernunft fingiert
Radiert mein Auge die Farben vom Tisch
Enge als Wille deklariert
Schwäche als Perfektion maskiert
Hebt mein Auge die Landschaft vom Tisch
Konfession als Botschaft kultiviert
Ehrgeiz als Menschlichkeit stiniert
zieht mein Auge der Landschaft die Berge aus
Meinung als Nachricht codiert
Konventionen zur Bedeutung fixiert
zieht mein Auge der Welt die Begriffe ab
Streber als Heilige apostrophiert
Verbrechen mit Staat poliert
sprengt mein Auge ein Loch in die Welt!

xxx...yyy...
10
puh...

ist das ihr beitrag zum niederschremser schreibseminar?

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Da spricht viel Gewalt aus Ihnen. Diese ganzen großen Wörter auf so engem Raum, da muss man ja im- oder explodieren.

stixerl
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Arbeitskreis zu den Themen Stadtleben und Urbanität

Dem Vernehmen nach geht es in dem Arbeitskreis der jungen ÖVP darum, was mit den Geilomobilen in den Wahlkampfpausen passieren soll. Es gibt Gerüchte, dass nun diskutiert wird, im Hof vom MQ Sand aufzuschütten, damit man dort mit den SUVs gegen Entgelt im Kreis fahren kann. Es wäre ja noch genug Platz zwischen den Schanigärten und Boule-Bahnen.

Zur Frage, wo der Sand herkommen soll, gibt es auch schon Ideen. Beim Aushub für Tiroler Wasserkraftwerke, die demnächst gebaut werden sollen, wird wohl Material übrig bleiben. Das kann dann mit den Geilomobilen ins MQ transportiert werden. Dass das der Strasser Ernstl gecheckt hat, ist aber völlig unbewiesen.

Denial_of_Service
00

Waldner hat nicht erst seit der feindlichen Übernahme der Facebook Fanseite die Facebookisierung und Vertwitterung der Kunst betrieben...

Hanns Ch.1
11
kultur, kultur

er hat brav umgesetzt, was die övp halt so unter kultur versteht,..kunst kommt darin nicht vor,..und so schaut es dort auch aus,.. saufen fressen, und sich bequem in dem gerümpel ein gemütliches denkfreies plätzchen suchen,...

kopfsalat
00
alzo mir gefaellts 1000x besser

als das donauinselfest oder das ekh.

El Clandestino ****
01

find ich toll.....

Florian Prischl
13
Erosion des Rechtsstaats: Strenge Regel, konfuse Ausnahmen

Wie "Thousand" bereits schrieb (http://derstandard.at/plink/129... 20618550), spricht folgendes Zitat Bände: "Wir [dulden] natürlich, wenn in Maßen Alkohol konsumiert wird - aber im Fall von Exzessen brauche ich das Verbot, damit die Polizei auch Hausverbote aussprechen kann."

Das stimmt einfach nicht!
Wer Exzesse verbieten will, soll das so in die Hausordnung schreiben, damit wären sicher auch alle einverstanden. Es braucht kein allgemeines Alkoholverbot, um Exzesse zu unterbinden!

An der Uni hat uns das Prof. Mayer in einer Verfassungsrecht-Übung gut erklärt:
Die große Gefahr für den Rechtsstaat sind übertrieben strenge Regel, die dann konfus, instransparent, gepackelt und nach persönlichen Präferenzen Ausnahmen bekommen.

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01

Genau dieselbe Argumentation wie beim menschenrechtswidrigen Bettelverbot:

Man verbietet das Betteln ganz, damit man die organisierten Bettler bestrafen kann. Die Organisation kann man ihnen schwer nachweisen, das Betteln schon.

Wirklich gefährlich und unverantwortlich, diese Vorgehensweise!

stixerl
05
"...ich bin ja nach wie vor im Außenministerium verankert..."

"...und kann jederzeit zurückkehren."

Na, da bin ich aber froh, dass der Herr nicht hart fallen wird, falls der Kampf gegen Dosenbier im MQ einmal zu stressig wird.

Mr. Mag.
02
Quod licet Iovi non licet......

Der Wolfi war halt wieder mal nicht schnell genug.
Und die spärlichen Eintragungen und die überschaubare Anzahl von friends auf der ursprünglichen MQ Facebook Site :

http://www.facebook.com/MQWienPlace

lassen ja geradezu Mitleid und Verständnis für die feindliche Übernahme aufkommen.
Erst 10 Jahre im Geschäft und schon muß man sich um Marketing und so social Zeugs kümmern.
Und jetzt jammert er über die VIELEN jungen Menschen die da so überraschend ins MQ strömen.......
Andererseites verrechnet er die Klokosten an die Kulturinstitutionen und kassiert dann noch von den armen Klobesuchern.
So wie jeder Plakatständer ordentlich kostet irgendjemand muß ja die Kosten dieser Gesellschaft finanzieren........
Enjoy

Erz-Schelm
07
Herr Waldner, wie ...

stehen Sie zur Übernahem der Facebook-Seite von Hr Lammer? Kommen Sie sich dabei gut vor? Fühlen Sie sich im Recht?

KammerlExperte
31
Hätte der Betreiber ein klein wenig den Namen

geändert, wäre auch das Angebot besser ausgefallen.
So kann er froh sein das keine Klage v. MQ herein-
geflatert kam.

Die feine Art ist es natürlich nicht, aber würde Ihnen
einfallen eine RollingStones.at Seite, ohne die Rechte,
zu hosten. Unwissen schütz leider nicht vor Schaden
und 25.000 Friends kamen auch, weil Einige dachten
es handle sich um eine offizielle Seite.

Wie auch immer Facebook ist einfach ein no go, aber
das wird noch länger brauchen bis es in den Köpfen
der Leute ankommt. Manche sollen sich auch schon
durch Freunde auf Facebook belästigt fühlen.

Irgendwie krank oder....

Canosso
32
Natürlich ist er im Recht

Das Namensrecht gilt auch im Internet, der Herr Lammer hätte einen anderen Namen als "MuseumsQuartierWien" verwenden können.

Mag. Max Power, LLM
01
würde mich interessieren was der herr waldner zu "seiner" facebook fanseite zu sagen hat...

http://wien.orf.at/stories/507916/

Michael B
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Wäre ich a) Facebook-Nutzer und b) Fan der MQ-Seite,

würde ich mir vor allem über die Rolle von Facebook in dieser Angelegenheit Gedanken machen....

ohromat
00

ja, welche? dass facebook den offiziellen besitzer der marke MQ die seite überlassen MUSS, wenn es jener vehement fordert?
die rechtslage ist so, da können sie FB keine vorwürfe machen, sondern eben nur dem MQ.

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