Kurze Libro-Euphorie kam Telekom Austria teuer

1. April 2011, 16:34
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Milliarden-Schilling-Deal gegen Image-Probleme der Telekom Austria

Am 20. Verhandlungstag des Libro-Strafprozesses ist das Kapitel der Telekom-Austria-Beteiligung an der Buchhandelskette aufgeschlagen worden. Ex-Telekom-Austria-Generaldirektor Kasztler und Ex-Telekom-Vorstand Fischer, schilderten als Zeugen den Kauf des 25-prozentigen Libro-Anteils durch die Telekom 1999 und den bald darauffolgenden Strategiewechsel, einen eigenen Internet-Weg zu gehen.

Image-Probleme

Die Idee zum Libro-Deal sei vom damaligen Mobilkom-Generaldirektor Heinz Sundt gekommen, denn die Telekom habe damals Image-Probleme gehabt und wollte im Internet-Bereich aktiver werden, so Kasztler. "Mich hat die Frische von Libro beeindruckt". Den Zahlen nach war die Libro-Beteiligung für die damals noch mehrheitlich staatliche Telekom Austria letztlich ein riesiges Verlustgeschäft. Gekauft um 1,175 Milliarden Schilling (85,4 Mio. Euro) im Herbst 1999 wurde der Anteil im Konzernabschluss 2000 bereits vollständig abgeschrieben.

Zeitdruck

Der Deal sei unter großem Zeitdruck gestanden, weil der damalige UIAG-Chef Kurt Stiassny (nun unter den Angeklagten, Anm.) bei den Verhandlungen auf den bevorstehenden Libro-Börsengang verwiesen habe. Auch sei die Telekom durch die Übernahme des Fotohändlers Niedermeyer durch den Konkurrenten T-Mobile (max.mobil) in Zugzwang gekommen. "Wir wollten nicht, dass T-Mobile auch noch Libro übernimmt", so Kasztler. Weil Libro wegen des bevorstehenden Börsegangs bereits intensiv geprüft worden sei, wurde keine weitere Prüfung vor dem Kauf durchgeführt.

Keine "Opfer"

Rudolf Fischer will die Telekom trotz der abgeschriebenen Libro-Beteiligung in Milliarden-Schilling-Höhe nicht als "Opfer" von Libro sehen. Auch umgekehrt sei Libro nicht das "Opfer" der Telekom Austria gewesen. "Es war eine Win-win-Situation, für beide", meinte Fischer im Zeugenstand. Die Libro-Beteiligung sei für die Telekom Austria eine gute Idee gewesen, denn Libro mit seinen damals 260 Filialen in Österreich wäre für die Telekom ein attraktiver Vertriebskanal geworden. (APA)

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