Das Bürgerkriegsland Cote d'Ivoire

    1. April 2011, 13:03
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    Militärputsch stürzte Agrarland 1999 in schwere Krise

    Berlin - Das tropische Agrarland Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) war einst der wohlhabendste Staat Westafrikas. Die frühere französische Kolonie erfreute sich nach der Unabhängigkeit 1960 langer politischer Stabilität. In dem 322.000 Quadratkilometer großen Staat (vier Mal so groß wie Österreich) lebten Angehörige von rund 60 Ethnien und verschiedener Glaubensrichtungen - 40 Prozent Muslime, je 30 Prozent Christen und traditionelle afrikanische Religionen - friedlich miteinander.

    Nennenswerte Spannungen mit rund vier Millionen Zuwanderern aus Nachbarländern (vor allem Burkina Faso) gab es von 1993 an mit zunehmenden Wirtschaftsproblemen. Ein Militärputsch stürzte die Elfenbeinküste 1999 in eine schwere Krise. Ein Soldatenaufstand eskalierte zu einem Bürgerkrieg. Die Regierung herrscht seitdem faktisch nur über den Süden des Landes, der Norden wird von Rebellen gehalten. Im Süden leben Baule, Bete und andere Volksgruppen. Der Norden ist das Siedlungsgebiet von Senufu, Malinke und Mande.

    Eine 2007 geschlossene Friedensvereinbarung der Konfliktparteien überwachen UNO-Soldaten. Heute stehen rund 10.000 Blauhelme und 900 französische Militärs im Land. Erst 2010 gab es mit fünf Jahren Verspätung mehrfach verschobene Wahlen. Im November setzte sich im zweiten Wahlgang der Oppositionskandidat Alassane Ouattara (ein Mande) gegen den Amtsinhaber Laurent Gbagbo (ein Bete) durch. Gbagbo ignorierte das Ergebnis und ließ sich erneut als Präsident vereidigen. Die Internationale Gemeinschaft erkannte Ouattara an und verhängte Sanktionen gegen das nicht abtretende Gbagbo-Regime. Vereinzelte Zusammenstöße zwischen beiden Lagern eskalierten in den vergangenen Wochen immer mehr zum Bürgerkrieg.

    Bereits in den Jahren vor dem neuen Gewaltausbruch war die Bedeutung des Kakaos von einst 40 Prozent der Ausfuhrerlöse auf unter 20 Prozent gesunken und hinter den Anteil des Erdölsektors (34 Prozent) zurückgefallen. Wirtschaftsvertreter erwarten wegen der anhaltenden Kämpfe einen weiteren Rückgang der Produktion. Nach einer Schätzung der Weltbank leben etwa 43 Prozent der Ivorer unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosenquote wird auf 40 Prozent geschätzt, bei Jugendlichen sogar auf 60 Prozent. (APA)

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