Militärputsch stürzte Agrarland 1999 in schwere Krise
Berlin - Das tropische Agrarland Cote d'Ivoire
(Elfenbeinküste) war einst der wohlhabendste Staat Westafrikas. Die
frühere französische Kolonie erfreute sich nach der Unabhängigkeit
1960 langer politischer Stabilität. In dem 322.000 Quadratkilometer
großen Staat (vier Mal so groß wie Österreich) lebten Angehörige von
rund 60 Ethnien und verschiedener Glaubensrichtungen - 40 Prozent
Muslime, je 30 Prozent Christen und traditionelle afrikanische
Religionen - friedlich miteinander.
Nennenswerte Spannungen mit rund vier Millionen Zuwanderern aus
Nachbarländern (vor allem Burkina Faso) gab es von 1993 an mit
zunehmenden Wirtschaftsproblemen. Ein Militärputsch stürzte die
Elfenbeinküste 1999 in eine schwere Krise. Ein Soldatenaufstand
eskalierte zu einem Bürgerkrieg. Die Regierung herrscht seitdem
faktisch nur über den Süden des Landes, der Norden wird von Rebellen
gehalten. Im Süden leben Baule, Bete und andere Volksgruppen. Der
Norden ist das Siedlungsgebiet von Senufu, Malinke und Mande.
Eine 2007 geschlossene Friedensvereinbarung der Konfliktparteien
überwachen UNO-Soldaten. Heute stehen rund 10.000 Blauhelme und 900
französische Militärs im Land. Erst 2010 gab es mit fünf Jahren
Verspätung mehrfach verschobene Wahlen. Im November setzte sich im
zweiten Wahlgang der Oppositionskandidat Alassane Ouattara (ein
Mande) gegen den Amtsinhaber Laurent Gbagbo (ein Bete) durch. Gbagbo
ignorierte das Ergebnis und ließ sich erneut als Präsident
vereidigen. Die Internationale Gemeinschaft erkannte Ouattara an und
verhängte Sanktionen gegen das nicht abtretende Gbagbo-Regime.
Vereinzelte Zusammenstöße zwischen beiden Lagern eskalierten in den
vergangenen Wochen immer mehr zum Bürgerkrieg.
Bereits in den Jahren vor dem neuen Gewaltausbruch war die
Bedeutung des Kakaos von einst 40 Prozent der Ausfuhrerlöse auf unter
20 Prozent gesunken und hinter den Anteil des Erdölsektors (34
Prozent) zurückgefallen. Wirtschaftsvertreter erwarten wegen der
anhaltenden Kämpfe einen weiteren Rückgang der Produktion. Nach einer
Schätzung der Weltbank leben etwa 43 Prozent der Ivorer unter der
Armutsgrenze. Die Arbeitslosenquote wird auf 40 Prozent geschätzt,
bei Jugendlichen sogar auf 60 Prozent. (APA)