Süße Überdosis

3. April 2011, 17:11
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Die Ernährung mit Diätprodukten ist Garant für eine zukünftige Zuckerkrankheit

Früher einmal aß ein Mensch durchschnittlich fünf Gramm Fruchtzucker am Tag, heute hat sich das auf 20 Gramm pro Tag gesteigert. Ein Drittel aller Menschen verträgt diese hohen Mengen nicht, Fructoseunverträglichkeit heißt eine Erkrankung, die bei vielen Ärzten zu wenig bekannt ist und oft mit der vererbten hereditären Fructoseintoleranz (HFI) verwechselt wird. Wenn jemand über lange Zeit unter Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall leidet und Gastroenterologen keine Ursache dafür finden können, wird als Ausschlussdiagnose dann oft das "Reizdarmsyndrom" oder "irritables Colon" gestellt. Als Auslöser werden nicht selten psychosomatische Ursachen genannt.

Dabei werden diese Personen durch den Fruchtzucker krank, der in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Das Übermaß Zucker in der Nahrung hat einen politischen Hintergrund. Als die USA ein Handelsembargo gegen Kuba verhängte, wurde Zucker bei den US-Lebensmittelherstellern knapp. Findige Forscher auf der Suche nach Zuckerersatz entwickelten daraufhin eine Methode, aus dem in Amerika massenhaft verfügbaren Mais ein neues Süßmittel zu machen. HFCS (High fructose corn syrup) heißt das Ergebnis und ist der Stoff, der Zucker ersetzte und reich an Fructose und Sorbit war. Beides ließ sich gut vermarkten, weil Fruchtzucker ja gesund klingt, und Sorbit sich als zuckerfrei verkaufen ließ.

Plötzlich gab es Zucker en masse, der - und das war interessant - sogar auch die Backeigenschaften vieler Lebensmittel verbesserte. Die Verwendung von HFCS wuchs daraufhin exponentiell - sowie auch das Reizdarmsyndrom, Übergewicht, Diabetes und viele andere sogenannte Zivilisationserkrankungen. 20 Gramm Fruchtzucker am Tag, das verträgt ein Drittel der Bevölkerung einfach nicht. Ein sicheres Mittel für alle, die eine Zuckerkrankheit entwickeln wollen, ist, sich mit Diätprodukten zu ernähren. Sie enthalten Fruchtzucker und Sorbit in sehr hohen Dosen. (DER STANDARD Printausgabe, 04.04.2011)

Maximilian Ledochowski ist Ernährungsmediziner in Innsbruck.

 

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