Künstliche Befruchtung

Auf Umwegen zum Nachwuchs

3. April 2011, 17:06
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    foto: apa/ralf hirschberger

    In-vitro-Fertilisation ist teuer, wird aber in Österreich durch den IVF-Fonds gefördert. Paare müssen allerdings eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen.

    Auf Umwegen zum Nachwuchs - Ei und Spermium

Wer auf natürliche Weise keine Kinder bekommen kann, muss tief in die Tasche greifen - Unterstützung gibt es vom staatlichen IVF-Fonds

Jedes siebente Paar in Österreich ist ungewollt kinderlos. Seit den 1980er-Jahren versprechen Ärzte Hilfe durch künstliche Befruchtung. In Österreich bieten 26 öffentliche und private Kinderwunschzentren ihre Dienste an. Die Behandlungen können vor allem in den privaten Instituten teuer werden. So kostet eine In-vitro-Fertilisation mit ICSI-Methode (ein Versuch) im privaten Zentrum zwischen 3000 und 4300 Euro. Medikamente und mikrochirurgische Samengewinnung nicht inbegriffen.

Der teure Weg zum Kind wird durch staatliche Hilfe erschwinglicher. Seit 2000 regelt das Bundesgesetz zur Finanzierung der In-vitro-Fertilisation (IVF-Fonds-Gesetz) die Beihilfe zum Kinderkriegen. 70 Prozent der Kosten in einem der Vertragszentren werden übernommen. Den Paaren bleibt ein Selbstbehalt von 30 Prozent.

Der Fonds des Gesundheitsministeriums akzeptiert jedoch nicht jeden beliebigen Privattarif, sonder deckelt die Beträge: Für eine klassische IVF-Behandlung werden vom Fonds 1023 bis 1125,92 Euro in öffentlichen, maximal 1155,56 Euro in privaten Zentren bezahlt. Für die ICSI-Methode, die mehr als 70 Prozent der Behandlungen ausmacht, genehmigt der Fonds 1212,13 bis 1333,34 Euro (öffentlich) oder 1362,97 Euro bei Privatbehandlung. Die mikrochirurgische Gewinnung von Samenzellen aus dem Nebenhoden (Mesa) oder dem Hoden (Tesa) wird mit 381,54 Euro (öffentlich) und 419,69 Euro (privat) begrenzt. Von diesen Beträgen müssen Paare 30 Prozent selbst bezahlen. Dazu kommen noch die Kosten für Medikamente und Zusatzuntersuchungen.

Wer darf zur IVF

Voraussetzungen für die Unterstützung sind genau definierte medizinische Indikationen: Die Frau darf nicht älter als 40 Jahre sein, der Mann nicht über 50. Das Paar muss verheiratet sein oder sich die Partnerschaft beglaubigen lassen. Die künstliche Befruchtung mit Spendersamen wird nicht finanziert. Alleinstehende Frauen oder lesbische Paare haben weder Anspruch auf Unterstützung noch auf Behandlung. Sie sind durch das Fortpflanzungsmedizingesetz von der Kinderwunschbehandlung ausgeschlossen. 12,5 Millionen Euro wurden 2009 aus dem IVF-Fonds ausgeschüttet. 4806 Paare nahmen die Unterstützung in Anspruch. 6599 Befruchtungsversuche listet das IVF-Register auf, die meisten davon in Wien. Vom Fonds werden maximal vier Versuche finanziert. Was, so Andreas Obruca, Leiter des Kinderwunschzentrums Goldenes Kreuz Klinik Wien, auch ausreiche. Wurden bei Fondsgründung noch alle vier Versuche verbraucht, liege heute, so Obruca, der Durchschnitt dank besserer Laborbedingungen bei 1,8 Versuchen.

Diskutiert wird in der Ärzteschaft aber über eine Erhöhung der Altersgrenze bei Frauen auf 42 Jahre. "Das Alter der Kinderwunsch-Patientinnen verlagert sich nach oben", sagt Obruca, der Altersdurchschnitt habe bereits 36, 37 Jahre erreicht. Auch die Anfragen von Frauen über 45 nähmen zu. Was aber nichts an der Tatsache ändere, dass die Chance auf eine Schwangerschaft bei über 40-Jährigen nur gering seien.

Der Erfolg von Kinderwunschbehandlungen wurde bisher auch vom Gesundheitsministerium an der Zahl der Schwangerschaften, nicht der Geburten gemessen. So verzeichnet der Fondsbericht von 2009 bei 31- bis 35-jährigen Frauen mit 35,4 Prozent die höchsten Schwangerschaftsraten, bei den unter 30-jährigen Frauen mit 35 Prozent, und von den 36- bis 40-Jährigen wurden 25,2 Prozent schwanger.

Wie viele dieser Frauen dann auch Mutter wurden, ist ungewiss, denn Geburtenzahlen weist der jüngste Fondsbericht nicht auf. Begründet wird das mit der unterschiedlich ausgeprägten Datenübermittlung durch die Zentren. Andreas Obruca: "Die lückenlose Nachverfolgung der Patientinnen ist schwierig. Wir sind auf das Feedback angewiesen, von rund 20 Prozent der Patientinnen bekommen wir leider keines." Einfacher hätten es öffentliche Zentren, wo die Frauen zu Behandlung und zur Geburt hingehen, sagt Renate Fally-Kausek vom Gesundheitsministerium. Die Probleme bei der Datenerfassung sollen mit einer Neuregelung behoben werden. Seit 2010 werden Frauen, die beim IVF-Fonds Unterstützung beantragen, vertraglich verpflichtet, über den Ausgang der Schwangerschaft zu informieren.

Bei idealen Voraussetzungen liege die Geburtenrate bei 50 Prozent, sagt Obruca. Voraussetzung sei, dass alle Grundvoraussetzungen wie Alter der Mutter, Grund der Unfruchtbarkeit, Qualität der Samenzellen und Embryonen zusammenspielen.

Ausweg Ausland

Einige der österreichischen IVF-Spezialisten betreiben auch Zentren im benachbarten Ausland. Grund für die Grenzgänge sind gesetzliche Beschränkungen in Österreich. Eizellspenden, hierzulande zurzeit nicht erlaubt, werden in Tschechien durchgeführt, ebenso die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (Untersuchung der Embryonen vor dem Einpflanzen auf genetische Defekte). Der Großteil der Kundinnen kommt aus Österreich.

Zentren in Rumänien, Polen oder den Niederlanden sind aber auch offen für alleinstehende Frauen oder lesbische Paare. Österreichische Zentren wiederum profitieren von Patientinnen aus der Schweiz, Deutschland und Italien, wo die Zahl der Embryonen, die im Labor kultiviert werden dürfen, ebenso beschränkt ist wie deren Kultivierungsdauer. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 04.04.2011)

Österreichische IVF-Gesellschaft

Wissen

Ei und Spermium

IVF ist die Abkürzung für In-vitro-Fertilisation und verläuft in vier Phasen:

1. Hormonelle Stimulation der Eierstöcke, damit mehrere Eizellen heranwachsen.

2. Entnahme der reifen Eizellen durch die Scheide.

3. Fertilisation: Ei- und Samenzellen werden in der Reagenzschale zusammengebracht.

4. Embryotransfer: Zwei bis fünf Tage nach der Befruchtung werden maximal zwei (ausgewählte) Embryonen in die Gebärmutter über einen Katheter eingeführt.

ICSI ist die intracytoplasmatische Spermieninjektion: Im Unterschied zur IVF wird mikrochirurgisch eine einzelne Samenzelle in eine Eizelle injiziert.

Spermien gewinnt man natürlich oder durch mikrochirurgische Eingriffe in Hoden oder Nebenhoden (Methoden Tesa/Mesa). (jub)

Kommentar posten
19 Postings
Barbarin
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...soll es einfach bleiben lassen und akzeptieren!

mella2
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Kinderwunschklinik

Bei uns hat es lange Zeit mit dem Kinderwunsch nicht geklappt. Deshalb haben wir den weg in die <a href="http://www.imi.co.at/wie-wir-h... nschklinik IMI</a> gemacht und die Ärzte dort haben uns umfangreich aufgeklärt. Eine künstliche Befruchtung ist immer der letzte Ausweg, es gibt viele Gründe warum das Schwangerwerden nicht funktioniert und viele Methoden, diese Ursachen zu beseitigen. Die Ärzte im IMI konnten uns helfen und ich erwarte unser Baby in einem knappen Monat.

grüner laserpointer
00
15.4.2011, 11:36
zsa zsa gabor

wenn die 94 jährige zsazsagabor mitihrem 67jährigen prinzgemal eispenderin und leihmutter sucht und nochmal "mutter" werden will (odr ist die meldung ein fake?) - dann bringt das die IVF-Industrie (das ist es nämlich) in verruf.

Balkonbirke
31
Die Medizin macht es der natürlichen Selektion mitunter wahnsinnig schwer!..

Das klingt wahnsinnig hart, aber objektiv gesehen:
es wird einen Grund geben, wieso eine Frau keine Kinder auf natürlichem Weg bekommen kann, oder wieso ein Mann keine zeugen kann.
Wieso muss es die Medizin erzwingen?

Ich freu mich schon auf die Kritik :P

jaws
01
Subjektives Bauchgefühl ist ungleich Objektivität

Klar, es hat einen ganz gefinkelten evolutionären Hintergrund, wenn z.B. Männer aufgrund einer schweren Mumps-Erkrankung in der Kindheit zeugungsunfähig werden. Und man kann (durch eine früheren Infekt) verklebten Eileitern gar nicht genug danken für ihre vorausschauenden Leistungen im Dienst der natürlichen Selektion, die nur so körperlich fitte Geistesriesen wie Dich durchlässt. ;)

Wenn es nach der ach so intelligenten Natur ginge, wärst Du möglicherweise jung an einer Blinddarmentzündung, einem eitrigen Zahn oder einer Kinderkrankheit verreckt. Blick zurück: Hat die Natur nicht schon versucht Dich auszusortieren? Insofern solltest Du Dich im Dienste der Selektion vielleicht auch einfach nicht fortpflanzen.

guggi102
12
12.4.2011, 18:54

Ich hoffe, sie haben sich noch keinerlei medizinischer Therapie, sei sie operativ oder medikamentös unterzogen, denn die Natur hätte sicher einen guten Grund dafür gehabt, Sie jung an einer Banalität versterben zu lassen.

Balkonbirke
00
15.4.2011, 12:35

Wollen Sie damit sagen, dass mich die Natur auf Grund meiner Äußerung selektieren soll?

Votaris
 
01

Also bitte, nur weils an einer Stelle im Fortpflanzungssystem hakt, heißt das nicht, dass man nicht auch ein gesundes Kind bekommt. Vorallem wenns erworben ist.

Bonair
01

Einzelfälle haben nix mit natürlicher Selektion zu tun. Es ist wohl nicht zu erwarten, dass bei künstlicher Befruchtung o.ä. ein Kind herauskommt, das langfristig zum Untergang der Menschheit führt.

A Voice
01
Ja, zB Unfälle

oder Eileiterschwangerschaften.
Abgesehen davon, daß die Natur keine lenkende Kraft ist und kein Ziel vor Augen (vor welchen denn?) hat. Aber diesen Fehler machen viele.

Don Vino Calzone
13
Wieso muss es die Medizin erzwingen

Weil halt manche Menschen eine sehnlichen Kinderwunsch haben- warum soll man es ihnen nicht ermöglichen?
Wenn man Ihrer Argumentationsschiene folgt, dann dürfte man auch kein zehnjähriges Kind mit Leukämie behandeln- das macht es der natürlichen Selektion dann nämlich auch schwer. Ich weiß, ich weiß, sehr hartes Beispiel, aber in unserem Zeitalter noch die natürliche Selektion zu strapazieren, finde ich etwas entbehrlich.
Ich hoffe, die Kritik hat Sie jetzt gefreut :-)

Aussteiger1
00
Gilt das ganze auch nach einer Vasektomie?

Wie lange dauert die Hormonbehandlung?

Tante Nanu
00
21.4.2011, 16:16

nach einer vasektomie zahlt der fonds nicht. wie lange die hormonbehandlung dauert, ist von frau zu frau unterschiedlich (bis zur punktion ca. 10 tage).

Der Anton aus Tirol
00

leider werden paare, bei denen der mann keine spermien hat (krankheit/chemo), nicht von ivf-fond unterstützt.

noch dazu darf in österreich keine ivf mit fremd sperma gemacht werden. somit sind diese paare gezwungen, in eine klinik ins benachbarte ausland auszuweichen, wo sie finanziell komplett abgezockt werden.

hagane
11

die sollen auch abgezockt werden.
der wunsch vom eigenen kind in ehren, aber es gibt genug kinder die keine eltern haben und auf eine adoption warten.

jaws
01

In Österreich? Spinnst?? Führ Dir mal die Fakten zu Gemüte.

A Voice
02
Nein

es gibt nicht genug Kinder.
Aus dem Ausland zu adoptieren ist zunehmend (zu Recht, hier gibt es viel Missbrauchspotential) schwieriger.

Außerdem maßt du dir gerade an zu beurteilen, daß der eine Weg besser sei als der andere. Kühn.

Der Anton aus Tirol
02

dann informieren sie sich mal, wie schwer es ist ein kind in österreich zu adoptieren.

hagane
11

ja, es ist schwer ein kind zu adoptieren.
ja, es ist schwer sich künstlich befruchten zu lassen.
was schwerer ist oder nicht kannst weder du noch ich beurteilen und kommt auf dein einzelfall an.
desweiteren: der einfachere weg muss nicht der bessere sein.
so what?

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