Mozilla beendet externes Einbetten der eigenen Rendering Engine

Andreas Proschofsky, 1. April 2011, 12:51
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Dritt-Projekte wie der Mac-Browser Camino direkt betroffen - Entsprechender Code wird entfernt

Einst recht offen für externe Entwicklungen, hat man sich bei Mozilla in den letzten Jahren immer stärker auf den eigenen Browser Firefox fokussiert - und zieht daraus nun auch die Konsequenzen. Wie Mozilla-Entwickler Benjamin Smedberg in einem Google-Groups-Eintrag mitteilt, will man schon bald die Möglichkeit zur Einbettung der Rendering Engine Gecko entfernen.

Auswirkungen

Von einem solchen Schritt sind diverse externe Projekte direkt betroffen, allen voran der Mozilla-basierte Webbrowser Camino, der sich unter Mac OS X einer gewissen Beliebtheit erfreut. Entsprechend diskutiert man bei dem dahinter stehenden Projekt auch schon intensiv die weiteren Optionen. Neben einer eigenen Weiterführung der Gecko-Engine steht auch der Wechsel auf Webkit zur Diskussion - das ja sowohl von Apple als auch von Google favorisiert wird.

Argumente

Bei Mozilla betont man, dass der Embedding-Support ein relativ komplexes Problem darstellt, und man entsprechend dies auch nie in der Qualität abliefern konnte, wie man es gerne gehabt hätte. Mit der Konzentration auf Firefox sei dies viel Extra-Arbeit, von der man selbst wenig habe. Die entsprechenden Code-Bestandteile sollen also schon bald gänzlich aus dem Code entfernt werden, darunter sowohl der gtkmozembed-Support als auch die ActiveX-Control, die unter Windows genutzt wurde. (apo, derStandard.at, 01.04.11)

Der WebStandard auf Facebook

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Posting 1 bis 25 von 38
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Klink
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Ein Wechsel auf Webkit, wird das Todesurteil für Firefox bedeuten.

think-nordic
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falsch verstanden!
Firefox „sperrt“ seine Engine für Dritt-Browser-Anbieter.

Oder meinen Sie, wenn all die irrelevanten Browser wie Camino auf Webkit wechseln, wäre das der Tod von Firefox? Wohl kaum.

All Rites Reversed
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Naja, "sperrt" wäre jetzt übertrieben, sie wollen es ja nicht aktiv unterbinden (warum auch) - es wird halt einfach bei der weiteren Entwicklung von Gecko nicht mehr auf die Möglichkeit der Einbettung in andere Anwendungen als jene von Mozilla Rücksicht genommen.

Naeich
 
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Tja, schlechtes Design ...

die Gecko Codebase ist von Anfang an ein Alptraum gewesen -- und leider hat es niemand geschafft dieses Alptraum so aufzuraeumen, dass zumindes Gecko als embeddable Module ordentlich aufgeraeumt wird. Dieser Sauhaufen ist ja auch der Grund warum seit Jahre bei einem ordentlichen Multiprozessing nichts weitergeht, waehrend das bei Chrome seit langem geloest ist.

Jetzt loest man dass, indem man offiziell zugibt, dass der Sauhaufen nur mehr als untrennbarer Teil von Firefox wartbar ist.

Das Resultat wird sein, dass halt alle Webkit verwenden, das ist um Groessenordnungen besser aufgeraeumt und mitlerweile genausogut wie Gecko.

Schade und doch eine ziemliche Zumutung den hunderten Projekten gegenueber die beim Embedding auf Gecko gesetzt ha

Bumbu
 
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indem man offiziell zugibt, dass der Sauhaufen nur mehr als untrennbarer Teil von Firefox wartbar ist.

Wie ich weiter unten ausgeführt habe, wird das wahrscheinlich dazu führen, daß Gecko-Anwendungen ngleich Firefox bald verschwinden und daß Gecko mittelfristig selbst abstürzt.

In einem Punkt muß ich Dir aber widersprechen: WebKit rendert zwar schneller aber auch mausiger. So gut wie Gecko halte ich für extrem optimistisch ausgedrückt.

Außerdem werden dauernd Bugs gefixt und dafür kommen neue rein. Beispiel: <I>foo­</I>bar trennt nicht. In älteren Versionen mußte man das mit <I>foo­​</I>bar hinkriegen, in neueren <I>foo</I>­bar.

Bei Gecko gibt es solchen Ärger deutlich seltener. Außerdem hat Gecko eine ausglichene Performance. Webkit ist zwar i.a. schneller, aber irgendein Detail dauert hundertmal so lang wie anderswo.

Bumbu
 
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Heute habe ich einen schlechten Posting-Tag ;-)

Probieren wird das Beispiel nochmals, und diesmal schreibe ich die Ampersands als character entity)

Beispiel: <I>foo­&shy;</I>bar trennt nicht. In älteren Versionen mußte man das mit <I>foo&shy;&#x200B;</I>bar hinkriegen, in neueren <I>foo</I>­&shy;bar.

Beispiel für grauenhafte Performance in exotischen Umständen: Dreihundert #text-Nodes umzuschreiben geht in einem Augenblick. In einem -webkit-column-width mehrspaltigen Layout braucht es eine Minute.

Beispiel für Überraschungs-Bug: Auf ein verLINKtes Stlesheet kannst Du per JavaScript nicht zugreifen, wenn Du das Dokument file: offline liest: das cssRules-Objekt ist immer leer.

Gecko ist da einfach ausgereifter.

Bumbu
 
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Mist, das Beispiel ist schiefgegangen.

nZee
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Gibt es Firefox nicht sowieso auch für Mac? Was macht(e) Camino besser? Hat es auch Zugriff zu dem riesigen Pool an genialen Add-ons von Firefox?

Und weiß jemand wann Firefox x64 endlich rauskommt?

DarwinsHammer
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Palemoon gibts bald als x64 aber mit den Plugins wirds dann trist aussehen.

opryde
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camino war/ist flotter und schlanker gewesen als firefox. ausserdem läuft er auf älteren systemen von allen aktuellen browsern am angenehmsten.

opryde
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auch eine möglichkeit webkit das feld zu überlassen.

Bumbu
 
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Ich mache mir Sorgen über die Zukunft der Gecko-Plattform!

Ein Blick zurück: 2001 war Gecko ein heißes Eisen, die erste standardkompatible CSS-Engine und außerdem zukunftsträchtig, mit XUL konnte das Ding kaum noch stehen vor lauter Kraft. Es kam wie es kommen mußte: Massiv geklont, Epiphany, Galeon, K-Meleon, Camino, wasweißich.

Und jetzt: Ein ser populärer Webbrowser, aber das war es auch schon. Andere Mozilla-Produkte kümmern, und niemand will etwas mit Gecko zu tun haben, seit es WebKit gibt (IMHO inferior). Firefox ist fapp die einzige Gecko-Anwendung von Bedeutung.

Warum? Der Code wird immer barocker (sind noch die ganzen IE6-Hacks drin?), das Interface komplizierter, die Entwicklung schnarchlangsam.

(To be continued in its on followup)

Bumbu
 
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Sorgen/ Teil 2

Zwei Major Versions pro Jahr oder so hieß es vor zwei Jahren, und in dieser Zeit haben sie es gerade von 3.5 auf 3.6 geschafft — ach ja, vor zwei Wochen dann 4.0, bei dem die Hälfte aller Extensions versagt und wo, wie mir scheint, das User Interface zum Absichern der portugiesischen Staatsfinanzen im Dorotheum geparkt werden mußte.

Also: Ankündigungen über Release-Cyclen, die nicht zu halten sind; realiter immer längere Abstände zwischen den Versionen; und jetzt auch noch das Meisterstück, nämlich die Unbrauchbar­machung von Gecko für alles außer Firefox. Quo vadis? Ad orcum.

FF 0.8 : Feb 2004
FF 1.0 : Nov 2004
FF 1.5 : Nov 2005
FF 2.0 : Oct 2006
FF 3.0 : Jun 2008 (AHA!)
FF 3.5 : Jun 2009
FF 3.6 : Jan 2010
FF 4.0 : Mar 2011

Bumbu
 
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Sorgen / Teil 3

Man sieht also: Die Releasecyclen werden länger, nicht kürzer; und das beginnt mit Version drei, wo ja bekanntlich ein 6-Monats-Rhythmus versprochen worden war.

Wenn die Ankündigungen so phantastisch werden, daß sie keiner mehr glaubt, dann ist der Kollaps da. Firefox 5 erscheint wahrscheinlich exklusiv auf Hurd im Doppelpack mit dem Duke. 2050.

Und wenn ich zu pessimistisch bin, dann eben 2015, aber die Plattform ist trotzdem tot. Chrome gibt dem Benutzer immer das Gefühl, etwas Neues zu bekommen (einmal im Monat 30 Mbyte, lecker! Wer weiß, wie fett das erst mit einem UI wäre!).

Und da es keine andere Gecko-Anwendung als eben Firefox gibt (schon mal Sunbird gesehen?), geht die ganze Rendering Engine zum Teufel. Einfach schade darum!

Michael Bakunin
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Deine Sorgen versteh ich nicht.
Gecko ist ja genau zu dem Zweck eintwickelt worden, um in Firefox verwendet zu werden. Wieso ist das dann so schlimm, wenn esw nur mehr dort verwendet wird. Immerhin ist Firefox inzwischen der am zweitweitesten verbeitete Browser.
Und was ein kürzeres Releasedatum mit der Qualität zu tun haben soll, musst mir auch mal erklären. Dass Google jedes halbe Jahr 30 MB als Update anbietet, spricht noch nicht für Qualität.
Wen ich mit einem Programm zufrieden bin, brauch ich keine Updates, dann läuft es ohnehin.
Und was soll der Satz bedeuten: "Schon mal Sunbird gesehen?"

vandermonde
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Version 1 Sucks, But Ship It Anyway

http://www.codinghorror.com/blog/2009... nyway.html

Bumbu
 
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Immerhin ist Firefox inzwischen der am zweitweitesten verbeitete Browser.

Das hilft aber langfristig nicht viel. Firefox kann in zwei Jahren auf 5% gestutzt sein, dann entwickelt ihn keiner mehr weiter, und das Interesse an Gecko ist Geschichte. Obwohl es die beste Layout-Engine ist.

GTK+ wird auch nicht nur in Gimp verwendet, und das ist gut so.

Und darauf lief auch die Frage nach Sunbird hinaus (hätte auch nach Thunderbird, Songbird, Spicebird oder wie die ganzen anderen Vögel heißen fragen können): Wieviele Installationen davon hast Du bereits gesehen? Das sind alles Anwendungen für Freaks, und damit kann Gecko nicht längerfristig überleben

(Thunderbird steht vielleicht eine Spur besser da, aber er bei bei Privaten von Webmail und bei Firmen von Outlook unter schweren Druck gesetzt).

Michael Bakunin
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was hat die verbreitung eines browsers damit zu tun, ob seine engine weiterentwickelt wird?
da gecko und firefox ja praktisch zum selben projekt gehören, werden sie beide gemeinsam weiterentwicklet werden. wenn die broser einmal verschwinden sollte, wird wohl auch seine engine verschwinden, außer es verwendet sie jemand anderer für seinen neuen browser weiter. ist ja ohnehin open-source. jeder kann den code jederzeit verwenden und selber weiterentwickeln.
was soll das heißen "kann gecko nicht längerfristig überleben"? eine open source lösung lebt imer so lange, so lange es jemand weiterentwickelt.

Bumbu
 
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was hat die verbreitung eines browsers damit zu tun, ob seine engine weiterentwickelt wird?

Du beantwortest die Frage im nächsten Absatz ja selbst: Wenn FF baden geht, dann wird Gecko entweder weiter betreut oder nicht. Die Chancen für ersteres steigen mit der Anzahl an Projekten, die Gecko verwenden — wenn im Extremfall die Engine nur in einer einzigen Applikation Einsatz findet, dann stirbt sie wahrscheinlich zusammen mit dieser.

Ist die Engine aber bei vielen Projekten dabei, dann steigen die Chancen, daß sich irgendjemand ein Herz nimmt und das Kind weiter betreut. Auch wenn die Klagen über die Code-Qualität von Gecko praktisch so alt wie die Engine selbst sind.

Michael Bakunin
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ja aber wenn es firefox einmal nicht mehr geben sollte, dann hat gecko ohnehin keinen großen wert mehr. denn ob die oberflächer von irgendwelchen musikprogrammen von gecko oder anderes erzeugt wird, ist relativ egal.
aber keine sorge, firefox zeigt derzeit keinerlei tendenzen zu sterben. ;-)

Bumbu
 
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Gecko ist ja genau zu dem Zweck eintwickelt worden, um in Firefox verwendet zu werden.

Das kann schon deshalb nicht wahr sein, weil Firefox viel jünger als Gecko ist. Gecko sollte eine Plattform sein, aus der man Browser und andere Applikationen bauen konnte. Das war der Grund, weshalb alles bei Gecko viel komplizierter gemacht wurde als nötig, und warum Firefox (via XUL) sein UI selbst mit Gecko rendert (Spötter sagen, der Browser ist zur Hälfte in JavaScript geschrieben).

Mit den kurzen Release-Daten gebe ich Dir grundsätzlich recht; aber der Widerspruch zwischen einer angekündigten (ziemlich unsinnigen) Verkürzung der Release-Cyclen und der tatsächlichen Verlängerung deutet auf ein organisatorisches Problem.

opryde
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wenn ich mich richtig erinnere ist gecko bisher nicht open source gewesen? wo wäre dann noch der witz daran?

Michael Bakunin
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Natürlich ist Gecko open source.
Warum "gewesen"?
Gecko bleibt natürlich open source.

opryde
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ich frag mich halt nur, was der wert einer oss-engine ist, wenn man sie extern nicht mehr verwenden soll. war das nicht das grundprinzip? schaffe und teile?

Michael Bakunin
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es bleibt aber jedem selber überlassen, was er "schafft".
und es bleibt auch jedem selber überlassen, die gecko-engine weiterhin extern zu nutzen. nur muss er eben in zukunft die schnittstelle selber programmieren. mozilla macht es eben nicht mehr.

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