Salzburger Festspiele ohne Eröffnungsredner

1. April 2011, 13:48

Globalisierungskritiker Jean Ziegler, am Donnerstag offiziell ausgeladen, nimmt Stellung

Mit dem Schweizer Autor und  Soziologen sprach Georges Desrues.

Standard: Warum wurden Sie als Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele ausgeladen?

Ziegler: Meine Vermutung ist, dass Sponsoren Druck auf die Landeshauptfrau gemacht und ihr gesagt haben: Was? Ihr wollt unseren Feind, den Ziegler, einladen?

Standard: Mit einem Preis, den Ihnen Gaddafi verliehen haben soll, hat das also nichts zu tun?

Ziegler: Das ist eine Verleumdungskampagne, die das American Jewish Committee seit meinem Bericht über den Hunger in Palästina aus dem Jahr 2004 führt. Ich habe diesen Preis nie akzeptiert. Das hätte Burgstaller leicht überprüfen können, etwa indem sie unseren gemeinsamen Freund Wolfgang Petritsch befragt.

Standard: Burgstaller unterstellt Ihnen gar nicht, den Preis angenommen zu haben, sondern sie argumentiert, dass die Diskussion darüber die Festspiele überschattet hätte und dass es in Ihrem Interesse sei, wenn sie dort nicht sprechen.

Ziegler: Blödsinn! Natürlich kann sie nicht sagen, dass Verleumdung dahintersteht. Österreich ist ein demokratisches Land, das Festspielpublikum hätte sich sein Bild schon gemacht. Burgstaller kennt meine Haltung. Doch sie wurde von Sponsoren wie Nestlé, Credit Suisse und UBS unter Druck gesetzt. Wir sprechen von der Schweizer Oligarchie: Die besteht aus äußerst verklemmten Menschen, die mich oft verklagt haben, aber mich nicht unterkriegen können. Diese Zürcher Geldsäcke wollten nicht gezwungen werden, mir bei den Festspielen zuzuhören.

Standard: Hat Burgstaller Sie persönlich ausgeladen?

Jean Ziegler: Ja. Sie hat mir geschrieben, dass ihr es leidtäte und diese lausigen Vorwände aufgelistet. Es fehlt ihr an Mut - deshalb hat sie dem Druck nachgegeben.

Standard: War es Burgstallers Idee, Sie einzuladen?

Jean Ziegler: Sie hat mich geradezu gedrängt. Sie hat auch den Titel "Der Aufstand des Gewissens" vorgeschlagen. Und nun tut sie so, als hätte sie gerade erst entdeckt, dass ich ein Querdenker bin.

Standard: Und wieso wollten Sie überhaupt zu den Festspielen?

Jean Ziegler: Sie sind ein fantastisches Podium. Ich wollte über die kannibalische Weltordnung sprechen und über die bewusstseinserweckende Rolle der Kunst. Es braucht ein kollektives Gewissen, um das Massaker des Hungers zu stoppen. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.4.2011)

Reaktionen
Protest von Jelinek, Turrini und Scharang

Zum Weiterlesen die ausführliche Agenturmeldung mit Postings: 
Salzburger Festspiele laden Festredner aus
Jean Ziegler sei wegen angeblicher Nähe zu Gaddafi als Eröffnungsgast "nicht sinnvoll" - Druck von Sponsoren vermutet - Grüne planen Gegenveranstaltung

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Die Festspielhomepage sagt ja schon alles. Überall sieht man das Nestle-Logo. Wenn man dann noch weiß wie hart Ziegler auch mit Nestle ins Gericht geht, wird sehr schnell alles klar.
Jetzt entdecken plötzlich alle den "bösen" Gaddafi als Schreckgespenst der Weltgeschichte wieder. Vorher war halb Kärnten zu Besuch (z.B. auch der Minister Gorbach) und jetzt ist er gaaanz Pöse und alle die ihn kennen sind pfui (wenns grad passt)!
Darum:
Aus gegebem Anlass: "Die neuen Herrscher der Welt" von Jean Ziegler http://amzn.to/fY5fbZ

sarkozy war der erste präsident der gaddafi empfangen hat, milliardengeschäfte wurden ausgemacht. jetzt zerstören französische mirages französische mirages und "rebellen" unter der führung des ehemaligen innenministers (!) der diktatur werden unterstützt. widerlich.

Christian Apl1
Christian Apl
013
31.3.2011, 22:41
Ziegler kommt doch

es gibt doch Gründe um auf Österreich stolz zu sein: http://oe1.orf.at/artikel/273459

Ziegler ist relevant.

Die Salzburger Festspiele sind es nicht.

Letztere mutieren zu den Salzgurkner Nestlespielen.

so funktionieren diktaturen. erschreckend.

Der Preis ist wenigstens was wert

30 September 2003
Oberhaupt der koptischen Kirche erhält Gaddafi-Menschenrechtspreis
Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche in Alexandria (Ägypten) Papst Shenuda III Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des Heiligen Markus (ursprünglich Nazir Gayed und 1923 in Ägypten geboren) hat den mit 192.000 US-Dollar dotierten Gaddafi-Menschenrechtspreis erhalten. Er wurde für seine nationales und humanitäres Engagement für die Verständigung der Religionen ausgezeichnet. Shenuda III. traf sich in Tripolis mit Revolutionsführer Muammar el Gaddafi. Der koptischen Kirche gehören 5,8 Millionen Menschen in Ägypten an.

Da ist der Standard Herrn Ziegler ziemlich auf den Leim gegangen ... und die meisten Poster folgen.

wieso auf den leim ? bitte um argumente.

Fr. LH Burgstaller war einmal eine Nachwuchshoffnung in der SPÖ.

Sie scheint jetzt gänzlich vom Establishment aufgesaugt worden zu sein.
Eigentich ein ganz gewöhnliches Schicksal für einen gewöhnlichen österr. Politiker.

Schad um sie.

Wer so weit kommt IST bereits beim Establishment ...

... und hat dementsprechend mit gewissen Verdächtigungen und Anschuldigungen zu kämpfen.

Mutti Burgstaller

http://tvthek.orf.at/programs/... burg-heute
O-Ton: Gegenüber diesen "Gadaffi"-Vorwürfen will "ich ihn persönlich schützen"!
So eine Pharisäerin!
Der Kerl ist um einiges älter als Sie & wohl auch um einiges Schlauer: Den Schutz dieser Provinzpolitikerin braucht der zu 100% nicht! So ein Quatsch!
Ich würde sagen: Wir haben es mit einer Facette von Korruption zu tun, von voreiligem Gehorsam, von Mangel an Zivilcourage!
Es wird einem Übel, Burgstaller zuzuhören, wie Sie die Dinge verdreht und sich selbst "nach oben täuscht"!
So eine Tussi! Ist ja unglaublich!

und letztes Jahr haben die SPÖ-Zöllner ihm auch noch einen Preis gegeben... und heute muss er vor sich selber geschützt werden - durch die SPÖ!

jemanden wie hr. ziegler auszuladen ist ein armutszeugnis - die sollten froh sein, dass er überhaupt gekommen wäre!

manchmal wundere ich mich nur über die kleinbürgerlichkeit in diesem land!

Ziegler ist durchaus engagiert, aber ein äußerst einseitiger Denker. Ich persönlich finde seine Werke über Personen, mit denen ich mich besser auskenne, extrem tendenziös, wie z.B. über Thomas Sankara.
Meiner Ansicht nach wird Ziegler weit überschätzt.

Soros? Tatsächlich?

Was Sie "tendenziös" nennen, ist wohl einfach Zieglers klare Haltung. Er laviert nicht herum, sondern spricht die Dinge sehr direkt an. Das gefällt jenen, die er kritisiert, natürlich nicht - was aber deren Problem ist, nicht seines.

Wenn Sie in verschiedenen der Länder gelebt hätten, über die und deren Politik Ziegler geschrieben hat, dann würden Sie vermutlich auch besser verstehen, was ich meine. Wenn bei irgendeiner Bewegung das Schlagwort Revolutionär auftaucht, kann sie sich sicher sein, von Ziegler einhellig positiv beurteilt zu werden, wie z.B. die vergangene Regierung von Madagascar, von der Ziegler schwärmte, auch wenn sie das Volk extrem ausbeutete. Ziegler ist - vielleicht bewusst - extrem naiv. Aus seinen Beschreibungen revolutionärer Persönlichkeiten lassen sich kaum Rückschlüsse auf die Realität in den betreffenden Ländern ziehen.

J. Z. ist total von Jean-Paul Sartre geprägt. Deshalb.

"Feind Jean Ziegler" im Vorwort zu seinem Buch "Die Schweiz wäscht weißer - Die Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens":

"Im Schweizer Imperium geht - wie im Reich Karls V. - die Sonne nicht unter. Seine Macht beruht darauf, dass es Fluchtkapital hehlt, aber auch und vor allem darauf, dass es Drogengeld wäscht. Dieses Geld korrumpiert die Menschen und ruiniert ihre Institutionen. Dieses Buch beschreibt, wie das organisierte Verbrechen eine jahrhundertealte Demokratie infiltriert." Alles klar?

und da gibt es Oppositionspolitiker in Österreich, die aus der EU raus und dem schweizer Beispiel folgen wollen, weil die viel besser dastehen, z.B. bei den Bankenrettungspaketen nicht dabei sind. Und angeblich bekommt diese Opp. bei der nächsten Wahl die Mehrheit.

jaja, der ziegler,

wären die sbg. festspiele eine kabarettveranstaltung, dann hätte er gut dazu gepasst..

und du bist der kasperl

ist doch eine.

Festspiele sind schon seit einiger Zeit reine Sponsoren-Spiele, bei denen sich das Hochkapital selber feiert!

da wird die rabl eine charity machen

fressen für die armen und alles ist wieder gut

Tja, da könnt ja jeder kommen und uns was erzählen - was wir grad nicht hören wollen!

Mögliche Ersatzkandidaten: Armin Assinger, Reinhard Fendrich, Niki Lauda.
Aber wahrscheinlich wird's die Weichselbraun machen...

"Do you can dance?"

Wie überaus peinlich.

20.11.2008

Der mit 7.500 Euro dotierte Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung geht heuer an den Schweizer Jean Ziegler, gab Landeshauptfrau Gabi Burgstaller am Donnerstag bei einem Pressegespräch bekannt.

Schande über diese zwei Salzburgerinnen

einzige Netschuldigung wäre Alzheimer!

"Netschuldigung" ist allerdings ein grossartiger verschreiber! dafür sollten Sie auch einen preis erhalten! ehrlich.

Danke, Frau Burgstaller!

Sie haben damit wahrscheinlich Herrn Ziegler zu einem höheren Bekanntheitsgrad verholfen, als wenn dieser nur seine Eröffnungsrede gehalten hätte.

Trotzdem finde ich die Absage als einen Ausdruck der Kleinkariertheit österreichischer Politik, die sich offensichtlich von Sponsor-Konzernen in die Knie zwingen lässt.

Und von den Schweizer Sponsoren die glauben, mit Geld kann man alles erreichen, kann man sich auch ein gutes Bild machen. Ist ja kein Zufall dass Herr Ziegler so konsequent gegen diese Konzerne auftritt. Wo die überall ihre Finger drinnen haben!

Und wieso glauben Sie, dass sich mit Geld nicht alles erreiche lässt? Die Vorgänge hier sprechen gegen Sie.

Diese Konzerne können mit Geld nicht erreichen...

...dass kritische BürgerInnen in letzter Konsequenz so weit gehen können dass sie den Kauf der Produkte dieser Konzerne boykottieren.

Auch wenn dazu nur eine Minderheit bereit ist. Global gesehen macht es doch etwas aus.

Das sehe ich auch so, aber das ist auch das Problem. Erst wenn die kritischen Bürger eine kritische Masse erreicht haben, wirkt es und das ist leider viel zu selten der Fall.

Wenn Kunst keine kritischen Denker mehr verträgt, dann sollte man bei den Festspielen auch nicht mehr von Kunst reden!

Die Salzburger Festspiele bieten durchaus Kunst. Aber sie haben keine Kultur. Wie man sieht.

Ein kurzer Blick auf Wikipedia hätte gereicht, um zu wissen, daß Zieglers Verbindungen zu Gaddafi bzw dem Gaddafi Menschenrechtspreis etwas tiefer gehen.
Bereiten sich Interviewer beim Standard überhaupt vor?

Klischee?

Ich halte G. für einen verrückten Mörder, aber wie viele davon hat es in der Geschichte schon gegeben. Trotzdem scheint es mir, dass seine Politik in Afrika durchaus differenzierter betrachtet werden sollte. Wer es lesen kann: http://www.lemonde.fr/libye/art... id=1481986

Es geht nicht um Gaddafi, sondern darum, daß da wieder mal vom Standard ein klassisches Softball Interview geführt wurde...

Bin nicht von der Branche. Was ist ein Softball Interview?

Verzeihen Sie, wenn ich amerikanische Ausdrücke verwende.
kommt von Softball (Ball wird langsam aufgeschupft), d.h. einfache Fragen, wo der Interviewte nicht in Bedrängnis kommt, vs. Hardball (=Baseball, Ball wird mit hoher Geschwindigkeit geworfen), d.h. , hartnäckiges, kritisches Fragen mit Nachhaken

Danke. Hab was dazu gelernt.

ja und? Heinz Fischer hat einmal Verbindungen zu Nordkorea gehabt und eröffnet jedes Jahr duzende Kulturevents...

Dasselbe gilt fürs halbe Salzburg-Publikum.

... tja, Herr Kurtz (oder darf ich sie Kurtz nennen?)

über solche top-quellen wie sie verfügen halt nur wenige ...

Arme Würstchen sind eben auf wikipedia als Info-Quelle angewiesen. Sie wissen's nicht besser ...

Gedankenkette

Keine Subventionen, keine überkandidelten Festspiele, keine bis wenig zahlungskräftige Gäste, vorbeugender Protest der Wirtschaft, volles Einknicken mit Argumenten, die vor seiner Einladung auch schon bekannt waren.

Vermutet wird: Jean Ziegler wird am anderen Ort mit seinem Auftritt mehr Interesse hervorrufen als bei der Festspieleröffnung.

Diesen Antisemiten und Diktatorenfreund braucht eh keiner!

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