Neues Attwenger-Album

"Punk war als Haltung schon super"

30. März 2011, 17:32
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    foto: gerald von foris

    Hans-Peter Falkner (li.) und Markus Binder sind das Duo Attwenger: "Skeptizismus als hohle Haltung wäre deppert."

Das Duo Attwenger veröffentlicht mit "Flux" sein bisher vielfältigstes Album. Hans-Peter Falkner und Markus Binder über Renitenz, Kellerverliese und die Macht des Einfachen

Gefragt hat Karl Fluch.

Standard: Das Cover Ihres neuen Albums ist ausnehmend hässlich. Wie ist das denn passiert?

Binder: Ja, da hätte es noch ein paar Arbeitsgänge gebraucht, das stimmt. Da kann ich nicht widersprechen.

Falkner: Mir gefallt's.

Standard: Ungeachtet der gelbblauen Verpackung ist es Ihr abwechslungsreichstes Album. Sogar ein Rock-'n'-Roll-Song ist drauf.

Falkner: Das ist eine Zustandsfrage. Jetzt machen wir das so. Kann sich aber auch wieder ändern.

Standard: Welchem Zustand ist das geschuldet?

Falkner: Na, Shakin My Brain ist so ein Rock-'n'-Roll-phasiges Ding, und das hat sich dann verändert. Es sind aber schon so Stücke drinnen, die Kracher sind, in denen es - vereinfacht gesagt - ums Einidreschen geht. Das war Absicht.

Standard: Wie passt das zum Albumtitel "Flux"?

Binder: Wir sagen nicht, das Album heißt Flux, und die Songs müssen dann so und so klingen. Es geht darum, einen lässigen Titel zu finden, einen, der - fluxt. Der muss nicht herleitbar sein. Flux klingt nach etwas, das schnell passiert. Dabei hat es fünf Jahre gedauert, bis das Album fertig war.

Standard: "Flux" ist formal breiter als Ihre bisherigen Alben. Ist Ihnen das Korsett Ziehharmonika und Schlagzeug zu eng geworden?

Binder: Nein, dieses "reduced to the max" ist ja das Interessante. Jetzt spielen wir damit halt plötzlich eine Rock-'n'-Roll-Nummer, und es wirkt, als sei das selbstverständlich. Das ist der Trick von Attwenger. So gesehen gibt es noch einiges, was man ausprobieren könnte.

Falkner: Wir haben uns eh immer geöffnet, mit dem Fred Frith oder dem Harri Stojka gespielt. Jetzt halt auch mit dem Wolfi Schlögl. Das passiert, wenn sich's ergibt. Man tut Leute dazu und wieder weg. Dass uns damit noch nicht fad ist, merkt man am besten beim Live-Spielen.

Standard: Attwenger reibt sich traditionell an den Verhältnissen. Kann die Kunst mit dem Leben noch mithalten?

Falkner: Ja, aber es ist ratsam, Stücke wie Kaklakariada zu machen, das in neun Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat. Wenn das auf Flux drauf wäre, würd's nicht auffallen. Hätten wir damals die politische Schattierung erwähnt, wäre es heute überholt. Wennst es schaffst, dass man das so hinbiegt, dann ist es zeitlos.

Standard: Dieses Reiben zeitigt mitunter lustige Ergebnisse. Im Lied "Probekeller" sperren Sie einen Musikmanager in ein Kellerverlies. Sehr österreichisch.

Binder: Ja, Verlies und Österreich gehört mittlerweile zusammen: da passiert was, im Keller. Aber ihm geschieht eh nichts. Wir tun ihm nichts, und er wird am Ende mit hohem Lösegeld freigekauft. Das zahlt die Versicherung. Und hat mit einem Musikmanager weniger Mitleid als mit Kindern, oder?

Falkner: Diese Geschichte ist quasi erlebte Poesie, weil das stimmt ja alles. Da sind mehrere Geschichten ineinander verwoben: Da gibt's auch die, wo ein Typ Geld vergräbt. Wir haben in Jakarta einmal George Clinton getroffen, und sein Manager hat uns dann die Geschichte erzählt, dass Clinton einmal so viel Geld gehabt hat, dass er es hinterm Haus vergraben hat. Aber er hat kein Plastiksackerl genommen. Die Würmer haben's gfressen. Pech.

Standard: Die neuen Texte klingen sehr lustvoll, ist das eine Form von Altersmilde?

Falkner: Spiellust, das sagen alle, und das stimmt, das stell ich auch fest. Ich horch mir das Album ja auch an und versuch das als Nicht-Attwenger zu hören. Man merkt, die haben eine Lust dabei, das macht die Musik geschmeidig.

Standard: Ist Altersmilde da keine Zutat?

Binder: Ich hoffe nicht. Das klingt ja nach Demenz. Und so sind die Texte nicht. Mir kommt vor, es geht um direktere, zwischenmenschliche Fragen, die in den Texten behandeln sind. Aber die sind deshalb nicht milder im Ton. Die Sache ist: Wennst älter wirst, kommt man mit einem anderen Impetus daher, nicht mehr mit der jugendlichen Wildheit. Es wird vielleicht reflektierter, aber nicht unscharf. Eher präziser. Früher war ich halt gegen alles, heute bin ich da vorsichtiger, weil so absolute Ansprüche halt oft auch nicht stimmen.

Standard: Attwenger zeichnet aber schon eine gewisse Renitenz aus.

Binder: Schätze schon, aber nicht um der Renitenz willen, sondern es soll eine berechtigte Renitenz sein. Bei dem neuen Album dreht sich vieles um alltägliche Dinge, wo es auch zu Renitenzen kommen kann.

Standard: Diese Haltung kommt aus Ihrer Sozialisierung im Linzer Punk, später kam HipHop dazu. Wie wichtig sind Punk und HipHop heute für Sie?

Binder: Man muss die Dinge in ihrer Zeit sehen. Punk kann heute nicht mehr sein, was er 1976 war. Wäre auch doof, wenn das alles heute noch so gültig wäre. Heute ist es ein Begriff aus der Musikgeschichte. Alles hat sich verändert. Was mich am HipHop interessiert hat, ist dieses Talking-Drum-Ding. Dieses Sprechen im Rhythmus, das Rhythmische an der Sprache, das durch das Betonen einen Flow kriegt. So werden die Dinge, über die man spricht, sexier, also interessanter. Sexy ist interessant. Da bezieht sich aber HipHop schon auf Tradtionen, die es bereits gab - im Blues und so. So singen und reden macht die Welt verständlicher und erträglicher.

Falkner: Punk war als Haltung schon super, das vermiss ich heute. Alles ist bequem geworden: wird scho irgendwie. Haltung ist da nicht mehr so gefragt. Unsere hört man aber noch. Wir überprüfen uns da auch, schau'n, dass das für uns passt. Auch wenn du jetzt sagt, das Cover ist sauschiarch.

Binder: Man darf halt den Skeptizismus von Punk nicht als hohle Haltung aufrechterhalten, das wäre deppert. Man muss seine Skepsis schon auf Substanz überprüfen. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2011)

 

Markus Binder und Hans-Peter Falkner haben 1991 als Attwenger ihr erstes Album veröffentlicht. Wegen ihrer bis heute bestehenden Besetzung mit Schlagzeug und Ziehharmonika wurden die beiden Linzer der Neuen Volksmusik zugerechnet. Dazu beleiht ihre Musik Punk, HipHop und traditionelle Volksmusik, die Falkner mit seinen Eltern spielte.

"Flux" ist ihr siebtes Album und im Vertrieb von Lotus Records. Attwenger live: 8. 4., Flex, 9. 4., Wuk.

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Posting 1 bis 25 von 50
1 2
Standardabweichung
00
11.5.2011, 10:31

"Das Cover Ihres neuen Albums ist ausnehmend hässlich. Wie ist das denn passiert?"

Mit solchen Fragen eröffnet man heutzutage ein Interview? Gibt's noch Manieren? Mir gfallt's ausserdem.

Graue Eminenz
00
10.4.2011, 19:07
Attwenger live...

so schaut das live aus: Speedlandler, Hip-Hop, Quetschen-Punk, Rock'n'Roll, Drum'n'Accordeon.
http://eminenz.wordpress.com/2011/04/1... an-bedasu/

chrispy_Chicken
00
Attwenger im Interview

gibts hier: http://www.subtext.at/2011/04/a... nee-gehen/

rickoman
30
Rockabilly

Es gibt auf der Welt wenig blödere Musik als Rockabilly.
Und wenn man Attwenger heißt und Rockabilly spielt finden das dann alle super.
Es lebe der Hype....

a_kep
 
00
31.3.2011, 18:29
Attwenger-CD gewinnen

Bis morgen mittag habt ihr noch die Chance das neu Album von Attwenger zu gewinnen..

näheres unter http://www.subtext.at/2011/03/a... winnspiel/

Marsopa
00
31.3.2011, 14:33
Flux

habs noch nicht gehört, aber aphorismix wahrgenommen.
"da kann ich nur gratulieren"

I love Klimawandel
00
31.3.2011, 13:41

gibt's irgendwo hörproben? auf der attwenger-seite findet sich leider nichts...

mens sana in corpore sano
00
31.3.2011, 14:16
ich war gerade im iTunes store

dort kann man das hören.

ich sag nur: den "vorbestellen"-button habe ich nicht gedrückt...

I love Klimawandel
03
31.3.2011, 13:43
c70
00
31.3.2011, 14:12
grün für die freundlichkeit :-)

I love Klimawandel
00
31.3.2011, 14:17

tja, die gute alte autoaggression... :)

Vanity Fair
00
31.3.2011, 12:48
Shakin my Brain

Das neue Lied von Attwenger ist wöööööd!

meineMeinung
00
31.3.2011, 11:46
Fritz Wunderlich
00
31.3.2011, 10:32

und dazu das passende nokia

Memory ist ein reines Glücksspiel
014
31.3.2011, 07:28

In Oberösterreich sozialisiert und dennoch weltoffen und revolutionär. Dabei mit einem zwinkernden Auge auf die Sitten und Gebräuche ihrer Heimat musikalisch einzugehen und diese als Träger ihrer in alle Richtungen offenen Musik zu verwenden ist ein geniales Rezept.
Danke Attwenger.

Holotrop
11
31.3.2011, 02:33
Ihr seid tolle Männer. Zieh den Hut.

cupertino
00
31.3.2011, 11:09
nix gelernt

maunsbueda haast des!

Pandoras_Box
 
62
31.3.2011, 01:28

Als Haltung war Punk vielleicht super. Aber als Musik....

Kendall Von Tharn
03
31.3.2011, 11:18

punk als haltung ist spießertum bzw. biedermeier. einheitliche kleidung, musik, denkweise etc, nichts als langweilig.

Die Ratte Beate
00
31.3.2011, 10:47
this is not a

lovesong!

Die Ratte Beate
00
31.3.2011, 10:47
never trust a

hippie!

rak
02
31.3.2011, 08:27

punk (musik) war auch super und attwenger sind super!

Ludovico Settembrini
00
31.3.2011, 06:27

oh ja!

Best of Fabulous Furry Freak Brothers
00
31.3.2011, 00:10
Mog i net

Könnte man nicht Postingmeinungen mit
Kritikermeinungen und den Ganzen Expertenmeinungen zu einen Song von
die Attwenger zusammenschliessen?

snufkin
101
30.3.2011, 22:25

Ein Artikel von Fluch. Eine Frage bevor ich mich ans lesen mache: Sind seine Interviews so schlecht wie seine Artikel, oder ist das genießbar?

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