Frühe Behandlung wichtig

Morbus Parkinson: Das Zittern ohne das Zittern

30. März 2011, 14:54

Riechtest und Ultraschall-Untersuchung können über Risiko Aufschluss geben

Wien - 15.000 bis 17.000 Menschen sind in Österreich von Morbus Parkinson betroffen. Nicht alle der Patienten haben das "Zittern im Ruhezustand" als klassisches Symptom. Frühzeitige Behandlung kann die Lebensqualität langfristig verbessern, doch ein Mittel zur Prävention gibt es derzeit nicht. Dies erklärten am Mittwoch Experten bei einem Hintergrundgespräch in Wien aus Anlass des bevorstehenden Welt-Parkinson-Tages am 11. April.

Das Problem liegt darin, dass sich die Krankheit, die später in den klassischen Dopamin-Mangel im Zentralnervensystem mit Zittern, Bewegungsarmut, Steifigkeit des Körpers, mangelnder Mimik, aber auch mit überbordenden unkontrollierbaren Bewegungen mündet, langsam und mit oft unspezifischen Frühsymptomen entwickelt. Eduard Auff, Chef der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien am AKH: "Ein Drittel bis die Hälfte der Patienten zittern nicht."

Werner Poewe, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Innsbruck: "Die Parkinson-Krankheit betrifft nicht nur das Bewegungssystem im Gehirn. Es gibt Traumschlaf-Steuerungsstörungen, Verstopfung, Geruchsstörungen und andere Symptome, die viel früher auftreten, als dann die Krankheit wirklich auftritt."

Tests aus frühen Warnhinweisen

Aus diesen potenziellen Frühzeichen versuchen die Wissenschafter weltweit, Tests zu entwickeln, welche eventuell Hochrisiko-Personen identifizieren könnten. Dann erst könnte man daran gehen, Präventionsstrategien zu testen bzw. zu entwickeln. Poewe: "Es gibt ein Merkmal, das wir mit dem Ultraschall im Mittelhirn sehen. Es ist eine Hyper-Echogenität (weiße Flecken in der untersuchten Hirnregion, Anm.). In einer Studie, an der wir beteiligt waren, wurden mehr als 1.800 Personen untersucht. Nach drei Jahren zeigte sich, dass die Personen mit diesem Merkmal das 17-fache Parkinson-Risiko hatten."

Eine andere Möglichkeit stellt offenbar ein Riechtest dar. Parkinson-Patienten - und auch Menschen, die offenbar noch ganz am Beginn der Erkrankung stehen - verwechseln Gerüche. Der Wiener Neurologe Dieter Volc (Confraternität), der auch für die Parkinson Selbsthilfe Österreich aktiv ist, hat mit neun Kollegen aus der niedergelassenen Praxis einen Geruchstest untersucht. Der Experte: "Menschen ohne Morbus Parkinson identifizieren Ananas-Geruch zu 80 Prozent richtig. Bei den Patienten mit Morbus Parkinson sind es weniger als 40 Prozent."

Aus einem Muster von zwölf Duftstoffen lässt sich mit einer Genauigkeit von 70 Prozent erkennen, dass ein Parkinson-Kranker wirklich die Krankheit hat. Gesunde erkennt der Test mit einer Rate von 84 Prozent. Fällt auf der anderen Seite die Ultraschall-Untersuchung negativ aus, ist zu 99,7 Prozent klar, dass der Untersuchte keinen Morbus Parkinson entwickeln wird.

Freilich, derzeit gibt es noch keine Medikamente oder andere Maßnahmen, mit denen man die Entwicklung des chronischen neurologischen Leidens wirklich hemmen könnte. Doch sind die Tests einmal etabliert, wäre das vielleicht in Zukunft möglich. Die Behandlung mit L-Dopa, Dopaminagonisten, Dopamin-Abbau-Hemmern etc. bringt gute bis exzellente Erfolge, auch wenn die Probleme der Patienten mit der Zeit zunehmen. Hier sollte die Therapie jedenfalls frühzeitig beginnen. (APA)

Weitere Informationen

Informationsveranstaltung der Parkinson Selbsthilfe Österreich am 3. April ab 9.30 Uhr in der Kleinen Orangerie im Schloss Schönbrunn

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Den Anfang des Satzes vergessen

Markus -
11
31.3.2011, 11:25

Und warum soll die Therapie frühzeitig beginnen? Es ist eine rein symptomatische Therapie mit Nebenwirkungen bzw sogar Beschleunigung des Krankheitsverlaufs.
Vor einigen Jahren wurde ein Riechtest zur Früherkennung (!) der Demenz vorgestellt, damals taten Neurologen auch so, als würde man etwas verpassen, wenn man die Krankheitsdauer nicht durch Vorverlegung der Diagnose verlängerte!

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