Oberösterreich

Ein "warmes" Schwein im Feuerwehrmagazin

Bianca Blei, 31. März 2011 06:57
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    cartoon by stefan strasser/brennpunkt ausgabe 1/2011

    Der Stein des Anstoßes: Ein Cartoon aus der Reihe "Kameradenschweine". Der Blick durch die Wärmebildkamera verrät, dass der Kamerad in der Mitte wärmer als die anderen beiden ist.

Ein Cartoon mit vier Schweinen und einer Wärmebildkamera sorgt für Aufregung: Wie viel Spaß verträgt das Thema Homosexualität bei der Feuerwehr?

Drei Schweine in Feuerwehruniformen stehen in einer Reihe. Ein viertes Schwein hält eine Wärmebildkamera auf die Gruppe und erkennt klar: Der Kamerad in der Mitte strahlt mehr Wärme ab, als die anderen beiden. Daraufhin kommt die Erkenntnis: "Aha! Jetzt wissen wir, warum du nie eine Freundin hast, Kunibert!" Diese gezeichnete Szene ist Teil der Cartoon-Reihe "Die Kameradenschweine" und erschien im Magazin "Brennpunkt" (1/2011), dem offiziellen Heft des Oberösterreichischen Landesfeuerwehrverbands (siehe Bild).

Der Cartoon spielt klar mit dem Klischee, dass homosexuelle Männer "Warme" seien und sich diese Tatsache sogar durch eine Wärmebildkamera erkennen ließe. "So what, wo ist der Witz?", fragt Christian Högl, Obmann der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien. Prinzipiell würde Högl versuchen, nicht bei allen Witzen und Bemerkungen "Homophobie zu wittern", doch bezeichnet er den erwähnten Cartoon als "mehrfach problematisch".

Von rosa Uniformen und Parfumflakons

So würde es Högl bedenklich finden, dass bereits "der Verdacht, dass ein Kamerad Männer statt Frauen lieben könnte, reichen soll, um Heiterkeit auszulösen". Er würde es sogar lustiger finden, wenn der Zeichner mit den "angeblich unmännlichen Verhaltensweisen homosexueller Männer" spielen würde: Kunibert eine rosarote Uniform verpasst oder ihn mit einem Parfumflakons zum Löscheinsatz geschickt hätte. "Auch extrem homophob und genauso geschmacklos, aber der Cartoon enthielte wenigstens eine Pointe", sagt Högl.

Stefan Strasser, der Zeichner von "Kameradenschweine", sagt, dass die besagte Zeichnung eine Auftragsarbeit für das unabhängige Magazin "Feuerwehrobjektiv" vor einigen Jahren gewesen sei. Das vorgegebene Thema: Wärmebildkameras. "Das war wohl das witzigste, was mir damals dazu einfiel", sagt Strasser. Eine Diskriminierung Homosexueller habe er dabei aber sicher nicht im Sinn gehabt. "Ich finde Cartoons spielen fast immer mit Stereotypen und Vorurteilen und dürfen ruhig auch mal provozieren", so der Zeichner. Der Ansicht ist auch Hermann Kollinger, Chefredakteur von "Brennpunkt": "Meiner Meinung nach ist es nicht Aufgabe einer Zeitung, etwas anzuzünden. Der Cartoon sollte zum Schmunzeln bringen, aber sicher niemanden diskriminieren." Außerdem würde die Zeichnung nur "den normalen Umgangston" treffen.

Diskussion als Auftrag

Die Diskussion um die Zeichnung sieht der stellvertretende Landesfeuerwehrkommandant in Oberösterreich, Wolfgang Kronsteiner, als Auftrag. "Wir müssen herausfinden, welcher Grad an Sensibilisierung unsererseits notwendig ist, wenn es um solche Themen geht." Dabei verweist Kronsteiner auf seinen Zivilberuf bei der Arbeiterkammer, in dem er auch eng mit der Diskriminierungsstelle zusammenarbeite. "Ich würde den Cartoon eher so interpretieren, dass jede Frau und jeder Mann bei der Feuerwehr aufgenommen und akzeptiert wird, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung", sagt Kronsteiner. Auch Stefan Strasser fände es "super, wenn man sich eines Tages vor dem Outen bei der Feuerwehr nicht mehr fürchten müsste."

Dem hält HOSI-Obmann Christian Högl entgegen, dass es in männerdominierten Umgebungen wie auch bei der Feuerwehr, "leider nur wenige gibt, die sich in diesem Setting trauen, zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen" - und fügt hinzu: "Der Cartoon leistet dazu sicher keinen positiven Beitrag." (Bianca Blei, derStandard.at, 30.3.2011)

Begriffserklärung:

Christian Högl (Obmann der HOSI Wien) über den Ursprung des Wortes "Warmer" für homosexuelle Männer (per E-Mail):

Der Ursprung des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich ist eine Deutung, wonach Schwule gerne an warmen Orten, sprich in Bädern und Saunen, nach Kontakten suchten. Einen anderen Ursprung lassen die inzwischen veralteten Begriffe Bochana und Ghazta ("Gebackener" und "Verheizter") in der Wiener Mundart vermuten. Die deuten - so wie das englische "Faggot" (= Schwuchtel, ursprünglich "Reisigbündel, Holzbündel") auf ein Schicksal hin, das Schwule im Mittelalter ereilt hat: Sie wurden am Scheiterhaufen verbrannt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 327
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trollkind
14.04.2011 11:03
omg!

es gibt wohl nichts humorloseres als einen "offiziellen" egal ob schwul (darf man das als hetero überhaupt sagen?), grünen, etc ... sobald die situation privat wird haben diese leute dann doch oft selbstironie und humor ... nur in der öffentlichkeit, da wird das gut versteckt und es wird sich über jede unwichtigkeit aufgeregt.

trollkind

Damentrainer Schambeck
01.04.2011 10:56
Huch!

Gegenflieger
01.04.2011 00:58

Warum regen sich alle darüber so auf?
Der Witz ist sowieso lahm.)

Pjotr Ratschkovskij
31.03.2011 23:03
Also ich glaube...

da einer von den Village People auch ein Feuerwehrmann war, daß alle vier Schweinchen schwul sind!
Kunibert hat nur Schweinegrippe und die Wärmebildkamera zeigt sein erhöhtes Fieber.

raff1
31.03.2011 22:43
"So what, wo ist der Witz?", fragt Christian Högl,...

Der Begriff "Warme" wird auf die Körpertemperatur bezogen. Da ist der Witz.

Generell gibt es Witze über Dicke, Dünne, Heteros, Homos, Schwarze, Weisse,...

Klar sollten hochangesehene Zeitschriften mit Weltformat wie "Die Kameradenschweine" keine Witze über Minderheiten (???) machen.
Die Frage, wo denn hier der Witz sei, ist aber der eigentliche Witz.

ShadowFlame
31.03.2011 21:45

Ist doch ganz klar, was dieser Cartoon ausdrücken möchte: Homosexualität ist allgegenwärtig, selbst in den klassischen Männerdomänen. Wahrlich ein Genie, dieser Stefan Strasser. ^^

KOG1
31.03.2011 21:12
wieviel Einfluss auf die Medien haben die homosexuellen Interessensvertreter denn?

es gibt Polizistenwitze, Mütterwitze, Ärztewitze, Burgenländerwitze, Blondienenwitze, Studentenwitze, etc... warum nicht auch Schwulenwitze?

Jetzt wird ein niveauarmer Cartoon in einer Winzigzeitung gedruckt--und schon stehen die Reaktionen im Standart.
???
Gehts noch??
????

Tonkun
31.03.2011 23:23

es gibt mütterwitze?wöche?

no G. D. M,
01.04.2011 00:10
Pappa Joe
01.04.2011 00:01

Drei ältere Damen streiten beim Kaffeekränzchen, welcher Sohn seiner Mutter wohl die größte Zuneigung entgegenbringt.

"Also wie ich letztens meinen Sohn bat mir die Uhrzeit zu sagen hat er mir doch sofort eine goldene Rolex gekauft", meint die erste.

"Also mein Sohn", meint die zweite, "hat mir, als ich während der letzten Kältewelle ein wenig fror, prompt einen echten Nerzmantel geschenkt!"

Die dritte meint stolz: "Das ist gar nichts! Mein Sohn geht einmal wöchentlich zum Psychiater, zahlt dort jedes mal 150 € und spricht nur über mich!"

Timagoras
 
31.03.2011 22:48
"es gibt Polizistenwitze, Mütterwitze, Ärztewitze, Burgenländerwitze, Blondienenwitze, Studentenwitze, etc... warum nicht auch Schwulenwitze?"

.
absolut richtig.

aber das auf "Einfluss auf die Medien der homosexuellen Interessensvertreter" zu reduzieren, ist wohl ein bisserl ......... ja was wohl? ;o)

gleich gleichgültig Gesinnter
 
31.03.2011 19:39
Sherlock85
03.04.2011 21:48

Muahaha, das kannte ich ja noch gar nicht!

Zu leiwand :)))

Rumo von Zamonien
31.03.2011 18:38

Ach du meine Güte...

rasenmähermann
31.03.2011 18:18

Aber dann auch bitte keine Rettungs- und Ärztecartoons in fachzeitschriften Lesen. Wer sich da erst aller beleidigt fühlen kann...

hier könnte ihre schleichwerbung stehen
31.03.2011 18:04

über "kameradenschweine" zu lachen ist aber noch erlaubt, oder?

RebelAngel
31.03.2011 17:48
langweilig

nur 265 Postings...Kunibert müsste einfach nur ein wenig anders heißen und schon wäre der Comic auch international der Burner ;-)

Kra Wuzikabuzi
31.03.2011 17:39
eines tages werden wir so pc sein

dass wir schweigend zuhause unter einem schwarzen laken liegen, weil alles andere könnte anecken.

Gummibam aus Surinam
31.03.2011 23:04

Stark pigmentiertes Laken, bitteschön! Soviel Zeit muß sein!

Chien de Pique
31.03.2011 18:39

Schwarzes Laken ist heikel.

Kubi80
 
31.03.2011 18:11

wenn schon, lieber krawuzi, dann liegen wir unter dem farbigen laken.
ich will dir jetzt aber nix unterstellen...
http://www.youtube.com/watch?v=tAdyJe13Hmc

MondXicht
31.03.2011 17:36

Mir kommen die Tränen :.(
Eine Welt in der sich die Humoristen nicht den gesteckten Tabus von politisch Superkorrekten Berufsempörern bedingungslos unterwerfen wollen, wer würde da leben wollen?

Johann Dau
31.03.2011 20:28
MondXicht
31.03.2011 21:07
Miklaus Röchlinger
31.03.2011 17:27

"Außerdem würde die Zeichnung nur "den normalen Umgangston" treffen."

Wie wärs, wenn die Feuerwehren jetzt in die Offensive gingen und eine Kampagne starten, dass Schwule und Lesben in der Feuerwehr willkommen sind und dass Diskriminierung dort nicht geduldet wird? DAS wäre glaubwürdig - aber sicher keine allgemeinen Abwiegelungsfloskeln.

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