Das Sommerschloss des einstigen spanischen Diktators Francisco Franco wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eigentümer bleibt Familie Franco
Wo verbringt ein, von den anstrengenden Regierungsgeschäften, urlaubsreifer Diktator die heiße Sommermonate? Am besten in den kühlen Gemäuern eines Palastes aus Stein. Francos Sommerresidenz in Galicien, in der Nähe von La Coruña, war optimal für diese Zwecke geeignet. 35 Jahre nach dem Ende der Franco-Diktatur wurde das Anwesen "El Paz de Meiers" nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, das eher an eine romantische Trutzburg aus dem Mittelalter erinnert, wurde dem Diktator Francisco Franco, der von 1939 bis 1975 in Spanien an der Macht war, von seinen Anhängern geschenkt. Fortan lebte er in den Sommern mit seiner Familie hier, nutzte das romantische Anwesen aber auch für seine Regierungsgeschäfte.
"El Paz de Meirás" wurde 1893 erbaut und war Eigentum von Emilia Pardon Bazán, ehe es unter dem tatsächlichen Wert an Franco-Anhänger verkauft wurde, die es dem verehrten Führer schließlich schenkten. Auch die Umliegenden Gebiete, rund sechs Hektar Land, mussten von ihren Besitzern unter Wert verkauft werden.
Die Familie Franco ist nach wie vor im Besitz des Schlosses, obwohl Opfer der Diktatur die Enteignung gefordert hatten. Als die Francos das Schloss für ihre Privatvergnügungen, wie etwa die Hochzeit einer Enkelin nutzten, protestierten die Spanier vor den Pforten und forderten, dass die Familie das Anwesen an den Staat abtreten solle.
Auf jeden Fall ist die Familie dazu verpflichtet das, 2008 nach einigen Streitereien zwischen den Francos und dem Staat Spanien, zum Kulturdenkmal erklärte Gebäude instand zu halten, zu hegen und zu pflegen.
Im März 2011 wurde das Schloss auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In Übereinstimmung mit der Familie Franco hat man sich darauf geeinigt, die Pforten viermal im Monat für Besucher zu öffnen, die bei einem geführten Rundgang von eineinhalb Stunden Dauer Jagdtrophäen und eine Büste des Militärherrschers begutachten können. Die Führungen sind kostenlos, einige private Bereiche sind für das Publikum nicht zugänglich. Führungen gibt es auf Galizisch und auf Spanisch. (ham/derStandard.at/30.03.2011)