Alois Stöger

"Man sollte nichts kritiklos hinnehmen"

30. März 2011, 10:32

Gesundheitsminister Alois Stöger stellt sich den Fragen Jugendlicher in der Demokratiewerkstatt

Wien - Hippelig sitzen die elf- und zwölfjährigen Schüler der Hauptschule Knöllgasse um die runden Tische im Palais Epstein. Aufgeregt wird recherchiert, und geheimnisvoll tuschelnd werden Fragen überlegt. Eine Gruppe bastelt bereits an dem Layout für eine Zeitung, andere zittern auf ihren großen Liveauftritt hin, für den es einen besonderen Anlass gibt.

Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass die Teilnehmer der Demokratiewerkstatt, einer Einrichtung des Parlaments, Besuch aus dem Hohen Haus bekommen.

"Ich finde das hier alles sehr aufregend", gesteht Filip (11), der gleich Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) vor laufender Kamera interviewen wird.

"Wer macht die Klappe?", fragt die Betreuerin hinter dem Stativ. Die grellen Scheinwerfer beleuchten das blaue Sofa, auf dem ein gut gelaunter Minister Platz genommen hat. "Und los!", lautet die Regieanweisung.

"Herr Stöger, wie viele Gesetze haben Sie vorgeschlagen, seit Sie Minister sind?", will der junge Reporter wissen und hält seinem Gegenüber professionell das Mikrofon unter die Nase. "Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich 26 Gesetze verändert - einige liegen bei mir am Schreibtisch, die sind noch nicht beschlossen", erklärt Stöger. "Und welches Gesetz würden Sie gerne sofort einführen?", fragt Filip weiter.

Stöger holt aus. Er erklärt, dass es zehn verschiedene Spitalsgesetze gibt, aus denen er ein einheitliches Bundesgesetz machen möchte, und warum sich die Verhandlungen schwierig gestalten.

"Außerdem sollte es zu einer Vereinheitlichung der neun Jugendschutzgesetze kommen", sagt Stöger. Beim Stichwort "Jugend" hat der Minister die Aufmerksamkeit seines Interviewers zurück.

"Was können wir tun, um die Politik besser zu verstehen?", will Ina wissen, die nun Filips Platz eingenommen hat. "Was ihr hier macht, nämlich nachzufragen, ist schon eine wichtige politische Tätigkeit. Man sollte nichts kritiklos hinnehmen", lobt Stöger die Jugendlichen. Vergleichbar sei das auch mit Prozessen in der Schule, etwa der Klassensprecherwahl. "Dabei muss man die Meinungen der Schüler und Lehrer auf einen gemeinsamen Nenner bringen und erkennt, wie schwierig es ist, Politik zu machen".

"Welche Auswirkungen hat der Atomunfall in Fukushima auf Österreich?", wendet sich Vlatko an den prominenten Gast. "Gesundheitliche Auswirkungen gibt es keine, da wir zu weit weg sind. Aber der Unfall hat Folgen für die politische Diskussion. Es entsteht Druck auf Österreichs Nachbarländer, auf ihre Atomkraftwerke zu verzichten", führt Stöger aus.

"Also ich fand das heute super", sagt Tjotje. Aufgeregt sei er im Gegensatz zu seinen Mitschülern kein bisschen: "Das ist eh ganz normal, denn der Minister ist ja auch nur ein Mensch."

Ein Mensch, der sichtlich begeistert ist von dem Enthusiasmus der Jugendlichen. "Es ist wirklich toll, was hier passiert", schwärmt Stöger. "Die Schüler haben mich zur Gewaltentrennung befragt, und ich muss gestehen: In diesem Alter hätte ich mit dem Begriff nichts anfangen können." (Bettina Reicher, DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2011)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.