Leichen-Foto online

Familie von Mordopfer klagt Facebook

30. März 2011, 13:07

Soziales Netzwerk behauptet, dass das Foto bereits gelöscht wurde

Chrissy Criscitiello (34) hat sich nie Gedanken darüber gemacht, was mit ihren auf Facebook geposteten Fotos passiert, gesteht sie der New York Times. Sie habe private Fotos von sich, ihren Freunden und ihrer Familie ins Internet gestellt. Weiter erklärt Criscitiello, dass sie niemals gedacht hätte, dass die Fotos verkauft oder an jemand anders weitergegeben werden könnten. 

Foto der Toten

Am 30. März 2009 wurde die Schwester von Frau Criscitiello, Caroline Wimmer (26), in ihrem Apartment auf Staten Island ermordet aufgefunden. Sie wurde zuvor zusammengeschlagen und mit einem Stromkabel stranguliert. Rund einen Monat später wurde Criscitiello von einem Reporter des "The Staten Island Advance" darüber informiert, dass ein Foto ihrer toten Schwester auf der Facebook-Seite von Mark Musarella veröffentlicht wurde. 

Bei Musarella handelte es sich um einen Ex-Polizisten. Er war einer der ersten Helfer vor Ort, nachdem Caroline Wimmers Leiche von ihren Eltern entdeckt wurde. Er machte mindestens ein Foto der Toten und postete dieses unter eigenem Namen auf Facebook. Einer seiner Facebook-Kontakte informierte das Krankenhaus, für welches Musarella arbeitete, woraufhin der ehemalige Polizist entlassen wurde - schreibt die New York Times.

Als Frau Criscitiello von dem Foto erfuhr, begab sie sich auf Facebook, zu diesem Zeitpunkt war der Account von Mark Musarella aber bereits gelöscht, erklärte die 34-Jährige.

Schutz für Provider

Das soziale Netzwerk Facebook hat Regeln für diese Art von Bildern, allerdings würde die Plattform auf entsprechende Bilder meist erst dann aufmerksam, wenn diese von anderen Benutzern gemeldet werden. Abgesehen davon treten Nutzer fast sämtliche Rechte an den auf Facebook geposteten Inhalten ab. Ein US-Bundesgesetz, der "Communications Decency Act", schützt Online-Service-Provider davor, was Nutzer auf ihren Seiten machen oder sagen. Auch in diesem Fall wurde Facebook von jeglicher Verantwortlichkeit freigesprochen, Musarella bekannte sich zu seinem ungebührlichen Verhalten und wurde vom Gericht mit 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit bestraft.

Ungenau

Monate nach dem Tod von Wimmer engagierte ihre Familie Anwalt Ravi Batra, um herauszufinden was mit dem Foto geschehen war. Ravi Batra setzte sich daraufhin mit einem Rechtsvertreter Facebooks in Verbindung um in Erfahrung zu bringen, was mit dem Bild geschehen war. "Ich kann ihnen nicht sagen, an wie vielen Orten es gespeichert ist", erklärte der Anwalt des sozialen Netzwerks. Er könne einzig versichern, dass das Bild über einen einfachen Facebook-Account nicht zugänglich sei.

In einem Brief erklärte Facebook, dass die Wimmers Details zum Account von Musarella erfahren könnten, aber nur wenn dieser schriftlich einwillige. 

Gerichtliches Vorgehen

Vergangenen Montag kündigte die Familie ein gerichtliches Vorgehen gegen Facebook an. "Wir verklagen Facebook nicht wegen Geld", meint Criscitiello. "Wir verklagen sie, um die Dinge zu ändern, damit die Familienmitglieder anderer ermordeter Personen so etwas nicht erleben müssen."

Einen Tag später meldete sich Facebooksprecher Barry Schmitt zu Wort, um zu erklären, dass sein Unternehmen entsetzt darüber sei, was mit dem Foto passiert sei. Schmitt versprach weiter, dass keine Kopien des Fotos auf den eigenen Servern gespeichert würden. Weiter erklärte er, dass ein Bild binnen 90 Tagen von den Servern entfernt würde, nachdem es von einem Nutzer gelöscht wurde. (red)

Der WebStandard auf Facebook

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2
Reini Urban
00
Techn. Erklärung

>"Ich kann ihnen nicht sagen, an wie vielen Orten es gespeichert ist", erklärte der Anwalt des sozialen Netzwerks. Er könne einzig versichern, dass das Bild über einen einfachen Facebook-Account nicht zugänglich sei.

Als großer cloud content provider hat Facebook technisch recht. Bei Entfernung eines Fotos wird sicher nicht physikalisch die Datei auf tausenden von Servern entfernt. Das wäre zu aufwendig, lediglich der Zugang dazu wird über ein Flag gesperrt. Die physikalische Löschung erfolgt alle 90 Tage, eine Art "garbage collection".

another_stranger_me
00

warum verklagen sie facebook noch mal?
auf dessen servern liegt das bild ja nicht mehr, oder?

Strahlende Aussichten
00
31.3.2011, 15:23
Das heißt doch FECESbook, oder???

kauf nix
00
31.3.2011, 13:24
der artikel fängt schon mal gut an....

....nie gedanken darüber gemacht ... niemals daran gedacht ... das spricht für einen großteil der FB gemeinde, zu der auch der polizist zählt.

Zitronenbaum
00
31.3.2011, 11:36
?

Hat Facebook keine Policy, dass man nur eigene Fotos hochladen darf? Sprich, Fotos, die man nur selbst gemacht hat, bzw. an denen man die Rechte hat?

Ich bin nicht auf Facebook, daher hab ich keine Ahnung, wie da die Anforderungen sind.

DD1981
00
31.3.2011, 12:29

Der Polizist hat das Foto selber gemacht...

W_O_L_F_G_A_N_G
00

Es gibt auch Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen, die Nutzungsrechte am eigenen Foto einschränken können.

c-18
 
21
30.3.2011, 21:07

Warum ist es bei den meisten Diensten so, das man die Rechte der EIGENEN Inhalte direkt an die Firma abtritt? Diese Regelung ist typische für US-amerikanische Anbieter. In Deutschland würde niemand auf diese Idee kommen ... ist mir einfach unbegreiflich.

Slarti Bartfass
 
00
31.3.2011, 14:22

würde das in Deutschland niemand? Dann sollten Sie mal die Nutzungsbedingungen vn fotocommunity.de lesen ;-)

Follmann
00
31.3.2011, 00:32

hat nix mit typisch us zu tun. urheberrechte können nicht übertragen werden, nutzungsrechte schon, das ist weltweit so, auch in deutschland und österreich

erwin meier
04
31.3.2011, 00:26

das ist auch nicht so. wurde zigfach geklärt, aber journalisten schreiben halt gerne etwas, das aufregt. man überlässt facebook lediglich die nutzungrechte für die zeit wo das foto dort publiziert werden soll.

Jo eh...
03
30.3.2011, 19:51

Ist ungefähr so sinnvoll wie wenn man die Post verklagt weil eine Briefbombe verschickt wurde. Diese Amis sind wirklich Hirnis.

erwin meier
11
31.3.2011, 00:29
"Diese Amis"

die geschichte betrifft einige wenige personen von insgesamt 300 millionen. wer da der hirni ist.

klar kent
12
30.3.2011, 16:35
facebook nützt...

..alle möglichen tricks. z.b. zum konto deaktiveren, werden die daten nicht gelöscht und können wochen später wieder einfach reaktivert werden. oder schon allein zum konto deaktivern, soll man zuerst passwort eingeben, was noch verständlich ist, aber danach nocmals eine sicherheitsabfrage (eingabe von zufallswörtern). und dann noch diesen schwachsinn "diese leute werden dich vermisse" mit auflistung irgendwelcher leute.

beim fotos hochladen, wird man sofort erinnert leute zu taggen. wo führt das hin!! und die leute geben alles freiwillig ein..unglaublich, bleibt nur zu hoffen, dass das ned bös enden wird.

Heavyweather
33
31.3.2011, 02:01

buhuhuhhuuuuuu

So böse wie ein Telefonbuch mit Name, Telefonnummer und Adresse...

klar kent
01
31.3.2011, 02:20

nicht weinen. der vergleich hinkt gewaltig, hinsichtlich dynamik, informationsbreite, tiefe, art und verarbeitung.

Spartaner13
00

zja wenn man was gegen fakebook sagt, bekommt man es mit der sekte zu tun ;-)
Das Netzwerk ist schon so groß, dass man es kaum kontrollieren kann.

(°)(°)
01
30.3.2011, 16:07
A so a Gretzn.

Fliegt bei der Polizei, aus dem Krankenhaus, what next?

Nerdrage
152
30.3.2011, 15:05

"Einer seiner Facebook-Kontakte informierte das Krankenhaus, für welches Musarella arbeitete, woraufhin der ehemalige Polizist entlassen wurde - schreibt die New York Times."

facebook (+ user) = GeStaPo 2.0

DifhOli G
 
05
30.3.2011, 15:44
Falsche Rechnung

Denn das würde ja wohl auch heissen, wenn jemand im öffentlichen Raum (entspräche Facebook) jemanden schlägt und Sie (user) Hilfe herbeirufen (Rettung, Polizei ...), wären Sie bei der Gestapo...

Nerdrage
00
30.3.2011, 18:05

ja, ich bin auch der meinung, dass das posten von photos genauso schwer wiegt wie physische gewalt... not.

was da passiert ist, ist ungefähr so wie wenn ich jemanden anzeige, weil er in einen gulli pinkelt.

lasfieras
03
30.3.2011, 22:55

sie kommt ihnen also normal vor, dass polizisten fotos ermordeten personen, die sie selbst auf dem tatort auffinden, auf einer internet-plattform veröffentlichen?

das ist für sie belanglos wie öffentlich pinkeln?

734637
00
30.3.2011, 14:57
Eine Funktion auf die ich schon lange warte:

Bild an Suchmaschinen senden und schauen auf welchen Servern es überall zu finden ist!

Hotblack_Desiato
03
30.3.2011, 21:40
http://www.tineye.com/

kann genau die von ihnen gewünschte sache

die bilddatenbank ist noch etwas eingeschränkt. soll heißen, so gut wie die bildersuche ists noch net.

aber schon beängstigend, da das system selbst reinkopierte logos, größenänderungen und andere veränderungen kann das system korrigieren.

ODB Wu
00
30.3.2011, 18:34
spätestens dann

auf alle möglichen Servern...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.