Energiekosten

Hoher Ölpreis lässt Energiekosten explodieren

Günther Strobl, 29. März 2011, 18:10

Berlakovich: Jährlich bis zu 4000 Euro mehr pro Haushalt

Wien - Als Umweltminister ist man in Europa derzeit gefragt und gefordert wie schon lange nicht. Meistens im Schatten "gewichtigerer" Ressorts stehend wie Finanzen oder Wirtschaft, wird plötzlich vom Bundeskanzler abwärts um Expertise gebeten, wie das mit den erneuerbaren Energien so ist. Die Ursache liegt in einem Wort mit neun Buchstaben: Fukushima.

Gut zwei Wochen ist es her, dass Erdbeben und Tsunami im Kernkraftwerk 250 Kilometer nordöstlich der japanischen Hauptstadt Tokio einen mutmaßlichen Super-GAU verursacht haben. Einmal mehr hat sich gezeigt, wie gefährlich Kernenergie ist, wenn etwas geschieht, was nicht geschehen sollte.

Seit das passiert ist, erhalten erneuerbare Energien verstärkt Rückenwind. Das deshalb, weil ein Stopp des Ausbaus von Kernenergie, wie das als Folge von Fukushima nun in einigen Ländern diskutiert wird, beziehungsweise das Abschalten alter AKWs, wie in Deutschland geschehen, eine Lücke reißt. Und diese Lücke will geschlossen werden, am besten durch "sauberen" Strom aus Wind, Sonne oder Biomasse.

"Bei uns hat die Energiewende vor 20 Jahren eingesetzt, als die ersten Biomassekraftwerke errichtet wurden", strich Umweltminister Nikolaus Berlakovich beim Montagsgespräch des Standard die Vorreiterrolle Österreichs heraus. Das sei damals ganz ohne Förderung geschehen, aus purer Not, weil für Holz kein Preis zu erzielen war. Nun müssten aber neue, globale Lösungen her.

4000 Euro Zusatzkosten

Der Energiehunger in der Welt steige, das zeigten Prognosen, in den kommenden 20 Jahren um 40 Prozent. Treiber seien die schnell wachsenden Volkswirtschaften in den Schwellenländern, die gegenüber der ersten Welt aufholen wollten. Der Preis von Rohöl, das auch im österreichischen Energiemix mit einem Anteil am Gesamtenergieverbrauch von rund 40 Prozent (siehe Grafik) eine fixe Größe ist, werde sich bei etwa 200 Dollar je Fass (159 Liter) einpendeln. "Das heißt, ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt hat 3500 bis 4000 Euro Zusatzkosten pro Jahr", sagte Berlakovich. "Die Antwort darauf heißt Energieautarkie."

Was Güssing im Kleinen gelungen ist, nämlich mehr Energie herzustellen, als in der Stadt samt Umland verbraucht wird, sollte bis 2050 auch im Österreich-Maßstab möglich sein. Das sei nicht Wunschdenken, das hätten Berechnungen von Wissenschaftern ergeben. Wobei - als Insellösung will Berlakovich seinen Traum von Energieautarkie auch nicht realisiert wissen. Unterm Strich und per Saldo sollte es aber so sein, dass die benötigte Energie in Österreich selbst produziert wird.

"Zu langsam, viel zu zögerlich", kritisierte die Grüne Klubobfrau Eva Glawischnig den Zeitplan des Umweltministers. Der Umstieg von einem fossilen auf ein von erneuerbaren Energien angetriebenes Wirtschaftssystem müsse rascher erfolgen. "Wir haben keine Zeit zu verlieren", sagte Glawischnig in der von Standard-Kolumnist Gerfried Sperl moderierten Diskussion. "Wir investieren unreflektiert Milliarden in Autobahnen, statt das Geld in erneuerbare Energien umzulenken."

Für Helga Kromp-Kolb, Klimaforscherin an der Universität für Bodenkultur in Wien, ist es einerlei, wie lange es Rohöl noch geben wird. "Wenn wir wollen, dass der Temperaturanstieg bei zwei Grad begrenzt bleibt, dürfen wir in Zukunft schlicht kein Öl mehr verbrennen." Es gehe darum, eine Bremse einzubauen. "Unser gesamtes Wirtschaftssystem ist auf Wachstum aufgebaut. Das verkraftet unser Ökosystem nicht mehr."

Problem Verkehr

Susanna Zapreva, Geschäftsführerin von Wien Energie, ist überzeugt, dass es ohne einschneidende Maßnahmen die Energiewende nicht geben wird. Sie erinnerte daran, dass Strom nur einen Anteil von knapp 20 Prozent am Gesamtenergiemix hat und dass insbesondere im Verkehr und im Bereich Raumwärme Energiesparmaßnahmen greifen müssten. Einiges sei bereits geschehen. "Wenn man sich Fenster und Dämmmaterialien von vor zehn Jahren und heute anschaut, da liegen Welten dazwischen", sagte Zapreva.

Der Energieverschwendung im Verkehr will der Umweltminister mit Elektromobilität zu Leibe rücken. "Ich bin der erste Minister, der mit einem Elektroauto fährt. Andere kommen mit BMW und Audi. Da gibt es harte Widerstände zu überwinden." (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2011)

Kommentar posten
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Berber
00
30.3.2011, 15:34
Das wird nicht funktionieren

Ein freiwilliger Umstieg, nur weil es so schön ist, wird es nie geben. Hier muß schon die Politik die Preise von Atomstrom, Öl usw. so besteuern, dass jeder gerne alternative Energien nützt, bzw. Energie spart, weil es sonst einfach zu teuer wäre. Gleichzeitig müßte es Strafzölle für Waren aus 'Niedrigpreis-Energieländern' geben, damit unsere Wirtschaft konkurenzfähig bleibt und diese Länder auch einen Anreiz haben ökologischer zu werden. Freiwillig wird das nie funktionieren.

Briefmarkenkleber
00
30.3.2011, 14:09
Grünes Parteiblatt

Shareholder
00
30.3.2011, 14:02
Rechenübung

Also Erdöl steigt auf 200 USD - oder auch nicht wie auch immer. Diese Verdoppelung ggü. heute kostet 4000 Euro, bedeutet, dass ich heute Energiekosten von 4000 Euro haben müsste. Sorry Hr. Berlakovic, vielleicht trifft es Sie, weil Sie in einer 500m2 Villa in einem netten Aussenbezirk von Wien Ihre Heimat haben, den durchschnittlichen Österreichen aber leider nicht. Wäre schön, wenn man die schwachsinnigen Zahlenspiele, die hier betrieben werden auch einmal hinterfragt.

Chris Quast
00
30.3.2011, 23:48

gilt als maximumverschlechterung.

nicht für euch wienakinda. die durchschnittlichen ösi leben nicht in wien, stell dir vor.

diese 4000 sind für haushalte mit wo mindestens 1 pendeln muß, und die auch noch ne ölheizung haben und alte bausubstanz.

franz der freie
 
00
30.3.2011, 13:55
unser niki ist ein politischer zwerg, der von aufgeblähten meldungen lebt.

er selbst dürfte leicht in panik zu versetzen sein, siehe sein paris-botschafter debakel. an der neuen botschafterin dürfte er sich die zähne ausbeissen, wen sie ihn überhaupt registriert. ja unser wackerer burgenländer ist halt ein echter ritter von der kokosnuss, seinen niki-fanclub ficht das nicht an. als minister sehe ich ihn etwas fehleingesetzt. vorstellen könnte ich ihn mir als zweiten ar-hilfsvorsitzenden im güssing- autarkenergie-beratungsgremium - mbh

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
02
30.3.2011, 13:42
Die "Frau Obmann" der GrünInnen kritisiert...

...dass ihr der Umstieg auf erneuerbare Energie zu langsam geht. Dabei sind ihre Grünlinge die ersten, die sich aufregen, wenn irgendwo ein Windradl oder ein Wasserkraftwerk gebaut werden soll!

Prof. h.c. Doleg Stinida
21
30.3.2011, 13:57

Ausser kritisieren können sie eben nichts. Ich warte immer noch auf den ersten konstruktiven Vorschlag der Grünen in Sachen Energie(gewinnung). Ausser den Auhirschen von Hainburg haben sie jedenfalls noch nichts beigetragen.

anton b
04
30.3.2011, 13:39

Dieser Typ klopft jedes Thema darauf ab, ob es das Potential hat, ihm einen Image-Boost zu verschaffen. Im ersteren Fall macht er dann daraus ein Medienspektakel, im anderen bleiben die Sachen im Ministerium liegen. Über Monate.

samba cat
01
30.3.2011, 13:35
Der Preis von Rohöl... werde sich bei etwa 200 Dollar je Fass (159 Liter) einpendeln

oooh, herr berlakovic, kann ich mir ihre glaskugel mal ausborgen? wegen der lottozahlen von heute warat's.

Liebling der Nation
02
30.3.2011, 13:32
Schön

und der Strom von seinem Elektroauto kommt aus Atomkraftwerken?

PS:
Wir haben einen Umweltminister, der täglich vom Burgenland nach Wien pendelt.

Toxo Logic
 
00
30.3.2011, 13:48

Der Herr Umweltminister, wie auch seine Kollegen, verbraucht mit seinen sinnlosen Flugreisen durch die ganze Welt mehr Energie als eine mittlere Wohnanlage.
Er repräsentiert damit das echte Florianiprinzip. Sparen und sich einschränken sollen andere, ich schei.. in jede Ecke.

bloody-nine
 
00
30.3.2011, 13:37
ich gehe davon aus dass berlakovich

mit öffentlichen verkehrsmitteln zwischen wien und veliki boristof pendelt?

jeffk
00
30.3.2011, 13:57

na mit dem elektroauto wird sich das aufgrund der reichweite nicht wirklich ausgehen

Toxo Logic
 
11
30.3.2011, 13:24

Güssing als Beispiel ist ein echter Ökowitz, da sieht man wie daneben die Umweltpolitik steht.
Güssing hat 3500 Einwohner und ist energieautark.
Umgerechnet auf Wien brauchen wir 450 Güssings mit einer Flächenausdehnung von ganz Burgenland und Umgebung. Mit dem ganzen Verkehr und Flächenverbrauch der dadurch entsteht geht sich nix mehr aus mit Umweltschonung und Energieautark. Wir hätten Los Angeles mit seinen ganzen Problemen.
Ganz abgesehen davon berücksichtigt schon heute keiner den Energieverbrauch der Pendler aus dem energieautarken Südburgenland, die es nach Wien und Graz zieht.

sljudanka
00
30.3.2011, 14:05
Dieses ganze Güssing-Theater war mir sowieso schon immer suspekt

ist eine kleine Provinzstadt, die einen grossen Umraum zur Energieerzeugung nutzt.

ABER - ein Stahlwerk mittlerer Grösse verbraucht soviel Gas/Öl/Kohle wie die Haushalte einer Bezirkshauptstadt.
Insofern ist die rechnung eine Grüne (Milchbuberl/Mädchen).

Weil man kann nicht die Industrieproduktion, Grossverbraucher (die in der Statistik als "Kleinverbraucher" geführt werden - also Kranken-häuser, Schulen, etc.) und den Verkehr ausblenden.

Die Kapitalos und Banken können auch nur dort effektiv mitschneiden, wo zentralisiert was produziert wird.
KLeinanlagen sind bei denen nicht sehr beliebt, also wird die Energieerzeugung weiterhin grossen Kraftwerken vorbehalten bleiben.
Da kann der Einzelne überhaupt nix dran ändern....

jeffk
01
30.3.2011, 12:51

wo ist denn bitte die grafik?
aber egal, 4000€ zusatzkosten bei einem anteil von 40% und verdoppelung des rohölpreis?
soll das heissen dass der durchschnittliche österreichische haushalt energiekosten in der höhe von 20000€ hat?

und der minister hat ein elektroauto? hätte ich auch gerne, bekomme aber sicher nicht wie er eines gratis gestellt, von dem her muss man sagen "herr minister, wo ist ihre leistung?"

franz der freie
 
01
30.3.2011, 12:42
der gute herr minister dürfte etwas abgehoben sein und über verbräuche und preise nicht bescheid wissen.

ich bezahle für bewohnte 180 m2 ca 2000 € pro jahr an gesamter energie. inclusive klimaanlage für 40m2 davon. heisst das der preis verdreifacht sich ? oder verbraucht der herr minister 10 000 € ?

der Bastard, der dich nachhause bringt
00
30.3.2011, 13:12

Da kommen vermutlich öfter Politiker auf Besuch bei ihm daheim - bei der ganzen heißen Luft, die da produziert wird, kann ich mir schon vorstellen, daß die Klimaanlage exorbitante Kosten verursacht! ;)

Frorey Fire
00
30.3.2011, 13:08

Benzin/Diesel nicht vergessen, das gehört auch zu den Energiekosten. Ist aber vielleicht durchschnittlich noch ein Tausender, also immer noch nicht ganz an den genannten Zahlen...

Lichtfreak
00
30.3.2011, 13:12
Und alles was aus Öl ist

inkl. Transporte.

anti follower nick 13
00
30.3.2011, 12:39

insellösung will er nicht. eh klar, dann gäbs ja kein mega unternehmen mit vorständen, etc...

und e-auto tät ich auch schon längst gerne fahren, allein bei den aktuellen preisen ist das unmöglich

Zum Beispiel1
21
30.3.2011, 12:35
Ein Schlaucherl,

dieser Agrar-Minister. Will uns mit seiner Prognose von 200 Dollar-Öl so schrecken, dass wir ihm noch dankbar dafür sind, wie er mit unseren Steuergeldern die Auftraggeber der Agrar-Lobby (Bauern und Raiffeisen) und der Wind-Lobby (amerikanische, dänische und deutsche Großunternehmen) anfüttert.

dünneseis
12
30.3.2011, 12:29
dem typen ist keine aussage zu blöd (oder zu falsch) , um in die medien zu kommen, und die spilen brav mit: das post von richard ratphlat zeigt das gut

wenn ein haushalt pro jahr 4000 euro mehr für energie aufwenden muss, gehören die bewohner zur övp elite: mindestens 300 m2 wohnfläche oder ein erkleckliches haus mit schlecher wärmedämmung

prusiner
00
30.3.2011, 12:31
.. oder eine ungedämmte ..

Mietwohnung mit undichten Fenstern, uralter Heizung mit massiven Wärmeverlusten oder wenn´s blöd kommt auch noch direktelektrischer Heizung;

dünneseis
00
30.3.2011, 13:02
kenne so jemanden, stromkosten für heizung derzeit 1800 euro / jahr für 70m2

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