Eurofighter: Kein Prozess gegen Wolf, Steininger und die Rumpolds

29. März 2011, 14:42

Staatsanwaltschaft stellt Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und Geschenkannahme ein

Wien - Die Staatsanwaltschaft Wien hat das Strafverfahren gegen den im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Beschaffungsvorgang vom Dienst suspendierten, mittlerweile pensionierten General Erich Wolf eingestellt. Gegen den "Airchief" war wegen Amtsmissbrauchs, Geschenkannahme durch Beamte und falscher Zeugenaussage im parlamentarischen Eurofighter-Untersuchungsausschuss ermittelt wurden. Ebenso keine strafrechtlichen Folgen hat der Eurofighter-Deal für Wolfs Ehefrau, den EADS-Lobbyisten Erhard Steininger und das Ehepaar Gernot und Erika Rumpold, die als mögliche Bestimmungs- bzw. Beitragstäter ins Visier der Justiz geraten waren.

Wie Thomas Vecsey, der Sprecher der Anklagebehörde, am Dienstagnachmittag erklärte, habe sich ein schuldhaftes und rechtswidriges Verhalten der Verdächtigen mit der für ein Strafverfahren notwendigen Sicherheit nicht nachweisen lassen.

Party, Golfturniere

"Airchief" Erich Wolf hatte im Oktober 2003 anlässlich des Eurofighter-Vertragsabschlusses unter dem Motto "Gipfelsieg" zu einer Party in Langenlebarn geladen, deren Kosten von rund 4.500 Euro von der Eurofighter GmbH bezahlt wurden. Auch andere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie etwa Golfturniere ließ sich Wolf vom Eurofighter-Hersteller sponsern, worauf sich die Staatsanwaltschaft Wien einschaltete.

Diese habe aber nach eingehender Untersuchung keinen kausalen Zusammenhang zwischen den fremdfinanzierten Veranstaltungen und dem Beschaffungsvorgang zum Ankauf der Eurofighter-Kampfflugzeuge nachweisen können, so Behördensprecher Thomas Vecsey.

Ebenso fanden sich nach Ansicht der Justiz keine Beweise für ein amtsmissbräuchliches bzw. bestechliches Verhalten Wolfs im Zusammenhang mit den 87.600 Euro, die der EADS-Lobbyist Erhard Steininger im Dezember 2002 der Firma "Creativ Promotion" überwies. Diese stand im Besitz der Ehefrau Wolfs.

Der Verdacht, das Geld könnte nur deshalb geflossen sein, um die "bessere Hälfte" der Frau dazu zu bewegen, sich für den Eurofighter-Hersteller ins Zeug zu legen, erhärtete sich laut Vecsey nicht: "Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass Erich Wolf davon wusste". Überdies sei Wolf nur bis Sommer 2002 an den Vertragsverhandlungen beteiligt gewesen.

Konkurs abwenden

Steiniger und Wolfs Ehefrau hatten zu dem Geldfluss erklärt, es habe sich um eine aushilfsweise Überweisung gehandelt, um den Konkurs der finanzschwachen Firma abzuwenden. Die beiden verwiesen auf ihre angeblich alte Jugendfreundschaft, die Steinigers Hilfsbereitschaft doch nicht verdächtig mache. Steininger betonte außerdem, er habe seine Freundin seinerzeit sogar als Trauzeuge zum Hochzeitsaltar geführt. 

Millionenschwerer Werbevertrag

Im strafrechtlichen Sinn aus dem Schneider sind auch Gernot und Erika Rumpold, die mit ihrer Agentur "100% Communications" einen netto 6,6 Millionen Euro schweren Werbevertrag mit EADS an Land gezogen hatten. Beweise für den Verdacht, dieses Geld könnte teilweise dazu verwendet worden zu sein, Entscheidungsträger zu amtsmissbräuchlichem Verhalten zu bewegen oder zu "schmieren", fanden sich laut Staatsanwaltschaft nicht.

"Zum Faktenkomplex 'Rumpold-Werbeauftrag' wurden keine strafrechtlich relevanten Handlungen festgestellt, zumal der gesamte ausbezahlte Betrag auch durch Rechnungen nachvollziehbar dargelegt werden konnte. Selbst wenn die Rechnungen hoch waren (für eine einzige Pressekonferenz veranschlagten die Rumpolds 96.000 Euro, Anm.), standen dem doch konkrete Leistungen gegenüber", meinte Behördensprecher Vecsey.

Ob marktübliche Preise, nicht Aufgabe der Justiz

Zahlreiche Belege über Werbeeinschaltungen, Gewinnspiele und Ähnliches hätten bezüglich der Ausgaben keine Lücken offen gelassen. Ob seitens der "100% Communications" marktübliche Preise in Rechnung gestellt wurden, sei nicht Aufgabe der Strafjustiz, zumal es offensichtlich niemanden gebe, der sich geschädigt fühle, so Vecsey.

Die Anzeige wegen angeblich falscher Beweisaussage Erich Wolfs vor dem Eurofighter-Untersuchungsausschuss legte die Staatsanwaltschaft deshalb zurück, weil Wolf bei seiner Befragung Unterlagen über fünf Jahre vorher stattgefundene Vorgänge nicht zur Verfügung hatte. Folglich fehle es an der subjektiven Tatseite, erläuterte Vecsey. Man habe im Zweifel davon auszugehen, dass es Wolf nicht darauf ankam, wissentlich vorsätzlich die Unwahrheit zu sagen. (APA)

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Finn McCool
01
Freude, Freude!

Unsere Justiz hat es geschafft: Es gibt in Österreich keine Korruption, die wird durch die bestehenden Gesetze und die Spruchpraxis verunmöglicht! Denn das was man in zivilisierten Ländern gemeinhin unter Korruption versteht, ist in Österreich keine.

Solange man für die empfangenen Schmiergelder immer brav eine Rechnung ausstellt, ist alles supersauber. Dabei ist es völlig egal, ob der Rechnungsbetrag völlig jenseitig und in keiner Relation zur "Leistung" steht, oder ob der Rechnungsleger für die angeblich erbrachte Leistung überhaupt qualifiziert ist.

Ein Tipp für Nachahmer: besonders beliebt ist die Rechnungsposition "Beratung", das ist schwer fass- und widerlegbar und die Rechnungshöhe völlig beliebig.

Befreier von Butter und Eier
01
31.3.2011, 10:13
Es tut echt weh

Österreich ist wahrlich eine unglaubliche Sumpflandschaft geworden. Stellenweise verkrampft es mich schon sehr, wie es bei uns zugeht.

xir
01
31.3.2011, 09:31
unglaublich, wie löchrig unsere gesetzgebung sein muss,

dass solche korrupten personen freigesprochen werden können!

Faun
01
31.3.2011, 09:20

Austria for §278!

xiphias
 
01
30.3.2011, 17:58
Naja ...

Ich hätt mir das eigentlich anders erwartet: Bestraffung eines Bauernopfers (d.h. Wolf) mit der vollen Härte des Gesetzes. Bei den Rumpolds gibts keine Anklage und das Rapidsponsoring wird "net amoi ignoriert".
Bauernopfer deshalb, weil das Ausrichten einer Party um 4500 € und andere "kleinere" (im Verhältnis) Beträge für mich nicht nach persönlicher Bereicherung sondern eher nach Dummheit aussehen. Rumpolds u. ä. sind da schon andere Kaliber.

Hubert Ungeist
 
00
Auch bei Wolf kommt nichts raus

siehe anderen Artikel

Sir Panda
 
01
30.3.2011, 16:46
jaja, die Rumpolds...

der U-Ausschuss vor etwa 4 Jahren hat ja auch nichts gebracht. Wieso sollten sie jetzt irgendwen drankriegen?!

kleiner Ausflug in die Vergangenheit:

..."Dafür sorgte EADS-Werberin Erika Rumpold für Aufsehen. Sie ließ sich von einem Hubschrauber am Dach des Parlaments absetzten, nachdem ihr Richter Pilz mit Beugehaft gedroht hat, falls sie sich noch einmal mit der Limousine die Parlamentsrampe hinaufchauffieren lässt. Im Ausschuss schwieg sie weiter. Ganz im Gegensatz zu ihrem Mann Gernot Rumpold. Der beschwerte sich über "dumme Fragen" seitens der FPÖ- und SPÖ Fraktion. Natürlich koste ein Pressefrühstück in einem Partykeller 250.000 Euro – mindestens!"..... (Gunther Müller/derStandard.at, 22.03.2007)

Sir Panda
 
00
30.3.2011, 16:57
noch was

...
"Konkret hat sich Rumpold mit seiner Agentur media connections, wie DER STANDARD bereits im März berichtete, um einen Kommunikationsauftrag des Sozialministeriums in der kolportierten Höhe von vier Millionen Euro beworben. Ursula Haubner (BZÖ) will den Auftrag im Herbst 2005 vergeben. Nicht zum Zug kam Rumpold bei der von Gorbach für den Herbst geplanten Roadshow. Auch aufgrund der "schiefen Optik", wird im Ministerium erzählt." (cr, tó/DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2005)

und im Zusammenhang dazu:
http://josefbarth.com/familienbande

mulligan1
02
30.3.2011, 16:29
hallo STA - schon mal davon gehört ?

Laut §155 im Strafgesetzbuch (StGB) liegt Sachwucher vor, wenn eine Person oder ein Unternehmen "gewerbsmäßig die Zwangslage, den Leichtsinn oder die Unerfahrenheit eines anderes dadurch ausbeutet, dass er sich ... einen Vermögensteil versprechen lässt, der in auffallendem Missverhältnis zum Wert der eigentlichen Leistung steht." Im Fall eines Schuldspruchs drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Hubert Ungeist
 
00
Nun

in welcher Zwangslage befand sich EADS?

Die EADS soll leichtsinnige gehandelt haben? Glaubens das echt?

DIe EADS soll unerfahren bei solchen Geschäften sein?

Trifft also alles nicht zu.

Faun
00
31.3.2011, 09:23

Ooch, das hamma jetzt leider übersehen; Sacre bleu, verjährt ist´s auch bald, na da ham diese Schlingel aber Glück gehabt...

Faun
00

sry *g´habt

die elster
 
00
30.3.2011, 15:14
ist ja ...

... auch kein wunder. wäre auch blöd gewesen, wenn man einen dieser "geringeren köpfe" abschlägt, und der fängt plötzlich zu singen an.

will_nix
00
30.3.2011, 14:33
Nicht aufregen

Es wurden ja auch die Ermittlungen wegen der Gripen Präsentation im SPÖ Parlamentsklub und das 5 Mio Sponsoring von EADS an Rapid eingestellt.
Oder hatte das nichts damit zu tun?

Eva Ulrich
00
31.3.2011, 07:32

Und was hatte die SPÖ beim damaligen Eurofighter-Kauf zu bestimmen?

Hubert Ungeist
 
00
Sie war der Koalitionspartner

und für Stillhalten könnten man ja uch Geld bekommen haben.

die elster
 
01
mit wem hat ...

... die spö 2002 auf bundesebene koaliert?

nur zur erinnerung, der verteidigungsminister hieß scheibner, und der ist sicher vieles, nur kein sozi.

Hubert Ungeist
 
00
Deswegen sprach ich ja von Stillhalten

UND jede Gesetzesvorlage bedar der Einstimmigkeit im Ministerrat - Da gibts kein habe ich nicht gewusst.

Finn McCool
00

Die SPö war aber 2002 nicht in der Regierung und stellte daher auch keine Minister.

Hubert Ungeist
 
00
Sorry mein Fehler..

Die SP hat die Entscheidung für neue Abfangjäger mitgetragen in einer Koalition. Gekauft und ausgeschrieben wurden sie dann unter VP/FP Koalition. Und zum schlechten verhandelt dann unter einer SP/VP Koalition

die elster
 
00
30.3.2011, 15:23
dann sagen Sie ...

... doch bitte, was Sie den betreffenden konkret vorwerfen.

will_nix
00
30.3.2011, 15:25
und was bitte

wirft man den anderen "konkret" vor?

die elster
 
01
30.3.2011, 15:58
also, soweit ich ...

... das sehe, geht es bei wolf/steininger im wesentlichen um bestechung, amtsmissbrauch, geschenkannahme durch beamte, bei den rumpolds um bestechung.

ball zurück.

Hubert Ungeist
 
00
Bei Wolf

wars die Ehefrau.

Bei Rumpolds - die hatten keinen EInfluss auf das Geschäft - wo soll da die Bestechung sein?

die elster
 
01
bei wolf war es ...

... die firma seiner ehefrau, bei der er selbst prokurist und kommanditist war, sowie eine von eads bezahlte "siegesfeier".

und bei rumpolds besteht aufgrund der absurd hohen honorare der verdacht, als geldbriefkasten gedient zu haben. immerhin wurde der (mündliche) vertrag von eads genau in dem moment gelöst, in dem sie die 2002er-wahlwerbung für die fpö übernommen haben.

aber eh wurscht. bei uns gibt es keine mafiajäger.

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