Helmut Rauch: "Man sollte vor allem tunlichst vermeiden, dass es der Körper einbaut" - Plutonium tonnenweise gehandelt
Das im Zuge der Reaktorkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima eins freigesetzte Plutonium ist vor allem als Schwermetall für den Menschen gefährlich. Davon zeigte sich Helmut Rauch, der frühere langjährige Leiter des Atominstituts in Wien, überzeugt. "Die Strahlung spielt bei der Giftigkeit eine eher untergeordnete Rolle. Man sollte vor allem tunlichst vermeiden, dass es der Körper einbaut", sagte der Experte.
Doch genau das sei schwierig. Plutonium gibt es praktisch überall, es werde tonnenweise gehandelt, bei jedem Betrieb eines AKW fällt es wieder an - meist die Isotopen-Kombination Plutonium 239, 240 und 241. In der französischen Aufbereitungsanlage La Hague wird es zur neuerlichen Verwendung behandelt. "Es gibt auch die Möglichkeit, dass es statt Uran 235 wieder eingesetzt und verbrannt wird. So macht man es am besten, wenn man es loswerden will - wie es auch die Japaner in Block 3 von Fukushima eins tun", erläuterte Rauch.
Abfallprodukt oder neuer Brennstoff
Plutonium entsteht überall, wo es Kernspaltung gibt, quasi als Abfallprodukt oder als neuer Brennstoff. "Ein normales Kernkraftwerk liefert ungefähr 60 Prozent des verwendeten Brennstoffes in neuer Form wieder", erläuterte der Experte. Und das ist eben Plutonium, entstanden aus dem Umbau von Uran 235. Dieses nimmt Neutronen auf und geht zu Plutonium über.
Die im Umfeld von Fukushima gefundenen Spuren hielt Rauch für nicht allzu gefährlich: "Ich habe schon lange gesagt, dass diese Krise wohl sehr lange dauern wird, aber sehr lokal begrenzt bleibt, was die massive Schädigung betrifft." Er gehe davon aus, dass das meiste der bedenklichen Stoffe - neben Plutonium vor allem Cäsium 137 - im Reaktordruckbehälter geblieben sei, und ein weiterer großer Teil innerhalb des Containments.
Ein weiterer Teil sei ins Kühlwasser gelangt, was aber ganz normal sei, und dieses sei teilweise ins Reaktorgebäude geflossen, wie Rauch schilderte. "Und dieses wird nicht hundertprozentig dicht sein. Es ist nicht auszuschließen, dass auch etwas ins Grundwasser gelangt ist", meinte der Experte.
Aber bei den Messungen sei zu beachten, ob die Werte gerade einmal nachweisbar sind oder gefährlich, so Rauch. Im Boden dürften sich dem Experten zufolge nur Spuren befinden, die keine große Rolle spielen. Plutonium-Partikel wurden auch in relativ großem Umfang bei den oberirdischen Atomtests freigesetzt. "Wir haben das vor Jahrzehnten im Atominstitut gemessen, nur damals hat das keinen interessiert." (APA)