Teufelskreis Schlafapnoe

Gefahr für Herzpatienten

29. März 2011, 11:28
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    foto: apa/waltraud grubitzsch

    Herzkranke Menschen sollten in ein kardiologisch geführtes Herzlabor gehen.

Nächtliche Atempausen verringern Überlebenschancen von Herzpatienten - Kardiologen empfehlen Untersuchung im Schlaflabor

Herzpatienten sollten auf ihren Schlaf achten. Das raten Kardiologen des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Ruhr-Universität Bochum), das auch das größte kardiologisch geführte Schlaflabor Deutschlands beherbergt. Denn der mit Atemaussetzern im Schlaf, der so genannten Schlafapnoe, einhergehende Sauerstoffmangel löst die Ausschüttung von Stresshormonen aus, die das kranke Herz angreifen. Gleichzeitig kann die Herzerkrankung auch Ursache für nächtliche Atempausen sein, was die Wahrscheinlichkeit für Schlafapnoe bei Herzpatienten deutlich erhöht.

Atemaussetzer im Schlaf können zu Bluthochdruck und langfristig zur Schädigung des Herz-Kreislaufsystems führen - dieser Zusammenhang ist inzwischen vielen Menschen bewusst. Weniger bekannt jedoch ist: Die Herzerkrankung selbst ist oft auch Auslöser für die gefährlichen nächtlichen Atempausen.

Sauerstoffmangel mit Folgen

Eine besondere Form der nächtlichen Atmungsstörung (zentrale Schlafapnoe) beobachtet man besonders häufig bei Menschen mit schwachem Herz oder nach einem Schlaganfall. Für die betroffenen ohnehin schon kranken Menschen beginnt somit ein Teufelskreis. Denn die Atempausen im Schlaf führen zu einem Sauerstoffmangel, der den Körper des Patienten unter massiven Stress setzt. Die freigesetzten Stresshormone wiederum sind schädlich für das bereits kranke Herz.

„Die Gefahr, die von nächtlichen Atemaussetzern für Herzpatienten ausgeht, ist den Betroffenen oft nicht bewusst", erklärt Dieter Horstkotte, Direktor der Klinik für Kardiologie am HDZ NRW. „Erschwerend kommt hinzu, dass die Schlafapnoe gerade von schwer Herzkranken oft nicht bemerkt wird, da diese Patienten ihre große Müdigkeit auf ihre Krankheit schieben. Wir raten daher jedem Herzkranken dringend, sich in einem Schlaflabor untersuchen zu lassen, um zu wissen, ob durch eine Schlafapnoe eine zusätzliche Gefahr für sein Herz droht".

Großes Risiko

Neuere Untersuchungen zeigen, dass ca. 75 Prozent der Patienten mit einer schweren Herzschwäche unter einer zentralen schlafbezogenen Atmungsstörung leiden. Unbehandelt verringert diese nächtliche Atemstörung die Überlebenschance der Patienten erheblich. In Deutschland leiden ca. 1,8 Mio. Menschen unter einem schwachen Herzen. Jährlich kommen ca. 300.000 neue Patienten dazu.

Um eine Schlafapnoe sicher zu diagnostizieren, sollten sich Patienten im Verdachtsfall in einem Schlaflabor untersuchen lassen. Vorab erhalten die Patienten von ihrem Arzt meist ein Gerät zur Überwachung des Schlafs zu Hause. Das Messgerät misst sechs zentrale Körperfunktionen im Schlaf, darunter den Sauerstoffgehalt im Blut, die Atembewegung und Schnarchgeräusche. Zeigen die Messergebnisse Auffälligkeiten, stellt der Arzt eine Überweisung ins Schlaflabor aus.

Kardiologische Schlaflabore

Im Schlaflabor des HDZ NRW selbst wird der Patient an eine Vielzahl von Messgeräten angeschlossen und geht dann zu Bett. Danach steht er die ganze Nacht unter Beobachtung der Ärzte, die sämtliche für einen gesunden Schlaf entscheidende Körperfunktionen überwachen und entsprechende Daten erheben.

Besonders Patienten, die bereits herzkrank sind, sollten darauf achten, in ein kardiologisch geführtes Herzlabor zu gehen. „Diese Schlaflabore sind speziell auf die Bedürfnisse von Herzpatienten eingestellt und in der Regel einer kardiologischen Klinik angegliedert", erklärt Horstkotte.

Bestätigen die im Schlaflabor erstellten Analysen den Verdacht auf eine zentrale Schlafapnoe, kann dem Patienten mit einer speziellen Maskentherapie, die er in Zukunft nachts anwenden sollte, geholfen werden. Dadurch lässt sich verhindern, dass Atempausen in der Nacht das Herz weiter schädigen.

Erhöhte Wachsamkeit

Die Medizin unterscheidet zwei Formen von schlafbezogenen Atmungsstörungen. Bei der obstruktiven Schlafapnoe (lat. obstructio: Sperrung), unter der ca. vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen leiden, werden die charakteristischen Atemstörungen durch eine Verengung oder Erschlaffung der Atemwege hervorgerufen.

Die weniger bekannte zentrale Schlafapnoe tritt dagegen nur bei Menschen auf, die bereits eine andere Krankheit haben, meistens eine Herzschwäche oder einen bereits erlittenen Schlaganfall. Hier werden die nächtlichen Atempausen durch ein falsches Signal im Gehirn ausgelöst. Das Gehirn „vergisst" für Sekunden oder gar Minuten zu atmen. Eine Unterform der zentralen Schlafapnoe, die bei Herzpatienten besonders häufig auftritt, ist die Cheyne-Stokes-Atmung. Diese nächtliche Atmungsstörung zeichnet sich durch einen ständigen Wechsel von Zunahme und anschließender Abnahme der Atemzugtiefe und das Auftreten von sich wiederholenden Atempausen aus.

„Beide Formen der schlafbezogenen Atmungsstörung können das Herz schwer schädigen. Besonders bei Patienten mit einer Vorerkrankung des Herzens ist daher eine schnelle Diagnose und anschließende Behandlung der gefährlichen Atemaussetzer unbedingt notwendig", ruft Horstkotte Herzpatienten zur erhöhten Wachsamkeit auf. (red)

Selbsthilfegruppe Schlafapnoe
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14.4.2011, 11:32
Herzinfarkt und Schlaganfall als Folge von Schlafapnoe

Wir sind der gleichen Meinung wie die deutschen Ärzte! Leider wird in Österreich zu wenig in Richtung Schlafapnoe untersucht.
Unsere Selbsthilfegruppe hat schon viele Gespräche mit von Schlafapnoe Betroffenen geführt - ein großer Teil hat Herzprobleme!
In Österreich gibt es ca. 400.000 Schlafapnoe-Betroffene, leider weniger als 30.000 davon in Behandlung.
Wir wollen die Betroffenen finden und über Ihre Krankheit aufklären - leider kennt ein Teil der Bevölkerung den Begriff Schlafapnoe noch nicht.
Info unter www.schlafapnoe-shg.at

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