Tokyo Electric Power (Tepco) bittet endlich um Krisenhilfe
Besser spät als nie. Der Betreiber der havarierten Meiler im Atomkraftwerkskomplex Fukushima Daiichi, Tokyo Electric Power (Tepco), hat Frankreichs Atomindustrie um Krisenhilfe gebeten. Das weiß man nicht etwa vom geheimniskrämerischen Stromkonzern selbst, sondern von Frankreichs Energieminister Eric Bresson.
Noch ist zwar nicht bekannt, welche Hilfe Tepco genau wünscht. Dennoch wird den Atomexperten in aller Welt ein Stein vom Herzen fallen, dass Tepco endlich zur Vernunft kommt. Denn bisher haben Tepco und Japans Regierung versucht, die havarierten Meiler aus eigener Kraft vor dem Super-GAU zu retten - mit geringem Erfolg und teilweise mit haarsträubenden Methoden.
Nicht nur hat Tepco so lange das wahre Ausmaß der Krise verschleiert, dass selbst Ministerpräsident Naoto Kan Tepco-Vertreter anschrie: "Was zur Hölle geht hier vor?" Der Konzern ging die Arbeiten recht hemdsärmlig an. Retter wurden nicht etwa in Hightech-Schutzanzügen in die Turbinenräume geschickt. Drei Arbeiter, die vorige Woche durch radioaktives Wasser verstrahlt wurden, hatten nicht einmal wasserdichte Gummistiefel an.
Dabei ist Fukushima schon lange kein japanisches Problem mehr, sondern ein weltweites. In den Meilern lagert viel mehr radioaktives Material als in Tschernobyl. Die USA haben den Japanern vor knapp zwei Wochen ihre Hilfe fast aufgezwungen. Tepco wird zur Vernunft genötigt. (Martin Kölling, DER STANDARD; Printausgabe, 29.3.2011)