Salzburger Studie

Stresshormone helfen gegen Höhenangst

28. März 2011, 21:00
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    foto: standard/matthias cremer

    Problem für Menschen mit Höhenangst: die Fahrt im Aufzug

Cortisol erleichtert das Abspeichern von angstfreien Erinnerungen - Versuche im Forschungslabor der Universität Salzburg durchgeführt

Salzburg - Stresshormone können gegen Höhenangst helfen. Betroffene, denen im Zuge einer Konfrontationstherapie auch Cortisol verabreicht wird, bekommen diese Angst besser in den Griff als solche, die nur eine Verhaltenstherapie erhalten. Dies berichtet ein internationales Wissenschafterteam in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Die Forscher sind der Ansicht, dass Hormone und andere Medikamente eine gute Ergänzung zur Verhaltenstherapie zahlreicher Angststörungen sein können. Mitautor der Studie ist Professor Frank H. Wilhelm von der Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und Gesundheitspsychologie an der Universität Salzburg. In seinem Forschungslabor wurden die Versuche durchgeführt. Es sei die erste Studie, welche die klinische Effizienz von Stresshormonen bei Angstzuständen aufzeige, erläuterte der Professor.

Modifizierte Lernmechanismen

Mit Cortisol werden die Lernmechanismen im Gehirn modifiziert, so dass der Mensch die emotionalen Reaktionen auf früher Gelerntes weniger stark abruft. Zudem erleichtert das Stresshormon das Abspeichern von neuen, angstfreien, mit Entspannung, Kompetenz und Selbstsicherheit erfahrenen Erinnerungen während der Therapie. Schon Tierversuche hätten gezeigt, dass Cortisol dieses emotionale Umlernen begünstige, erklärte Wilhelm.

Menschen mit Höhenangst reagieren auf die Fahrt in einem gläsernen Aufzug mit Gefühlen extremer Angst und Beklemmung. Sie haben ein sogenanntes Angstgedächtnis gebildet, das aktiviert wird, sobald der angstauslösende Reiz auftritt. Bei einer Konfrontationstherapie wird versucht, dieses Angstgedächtnis zu überlagern. Die Betroffenen werden dazu in sicherer Umgebung immer wieder mit diesem angstauslösenden Reiz konfrontiert, bis eine neue Reaktion auf die vermeintliche Bedrohung möglich ist. Stresshormone wie das Cortisol beeinflussen diese Lern- und Gedächtnisprozesse.

Weniger Angst unter Probanden

Die Forscher untersuchten 40 Menschen mit einer nachgewiesenen Höhenangst. Alle Probanden fuhren vor der Therapie in einem offenen Aufzug ein Gebäude hinauf - allerdings nur virtuell. In Wirklichkeit standen sie auf einer Holzplattform, die Fahrt im Aufzug wurde ihnen über einen Kopfmonitor vorgetäuscht. Innerhalb von drei therapeutischen Sitzungen konfrontierten sie die Probanden dann virtuell mit einer Reihe von angstauslösenden Situationen, wie etwa dem Überschreiten einer hohen und schmalen Brücke. Die Hälfte der Probanden bekam nun jeweils kurz vor der Konfrontationstherapie Cortisol verabreicht.

Einige Tage nach der Therapie wiederholten die Forscher die Liftfahrt. Es zeigte sich, dass die Cortisol-Probanden deutlich weniger Angst verspürten als die Kontrollprobanden. Das Nachlassen der Höhenangst zeigte sich auch in den Ergebnissen einer Befragung mit einem standardisierten Fragebogen. Es stieg auch die Hautleitfähigkeit der Probanden - ein weiteres Maß für die Angst - in den angstauslösenden Situationen weniger stark an als bei den Kontrollpersonen. Der Erfolg der medikamentös-unterstützten Verhaltenstherapie hielt an: Einen Monat nach dem ersten Experiment reagierten die Probanden immer noch gelassener auf eine neuerliche Aufzugsfahrt. (APA)

x aeins
00

Erinnert bissl an die Versuche Freuds, Morphinisten mit Cocain zu heilen.
Cortison gegen Höhenangst? Wie oft und in welcher Dosierung? Also ich weiss nicht recht, ob das eine wirklich gute Idee ist.

Wolkengedanken
01

Cortisol nicht Cortison.
Aber mich überzeugt diese "Therapie" auch nicht sehr. Vor allem das Ableiten des Erfolgs aus einem standardisierten Fragebogen kommt mir sehr zweifelhaft vor. Höhenangst erzeugt Panik und Panik kann man üblicherweise nicht wirklich nachvollziehen wenn man sie gerade nicht hat. Also kommt mir vor, dass die Erkentnisse, die man aus solchen Fragebögen erzielen kann nicht besonders aussagekräftig sind.

NickKnarrkarton
00
31.3.2011, 23:22

Wieder etwas aus dem NoNa-Institut von Dr. Ehschonwissen.
Das, womit Psychologen die armen Klienten psychologisieren, bezeichnen sie als Angst. Oder die Angst vor der Angst, wenn es therapeutisch besonders breit getreten wird. Wobei es sich allerdings nicht um Angst, sondern um eine völlig normale Streßreaktion handelt bzw. die Angst vor der Streßreaktion.
Daß Cortisol der Bewältigung von Streß dient wissen wir jetzt bitte schon wie lange ? Daß die Psychologen aus Streß Angst konstruiert haben war praktisch nur eine marketingtechnisches Umlabelling.

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