Deutscher Schwung schafft es nicht über die Grenze

28. März 2011, 18:28

Die Atompolitik bescherte den Grünen in Deutschland einen Wahlerfolg, in Österreich können die Ökos hingegen kaum punkten - Ein Erklärungsansatz lautet: Hierzulande sind alle Parteien seit langem Atomgegner

Wien - 24,2 Prozent in Baden-Württemberg, zweitstärkste Partei und wahrscheinlich der erste grüne Ministerpräsident - die Atomkatastrophe in Japan und die nachfolgende Diskussion über einen Atomausstieg in Europa hat den Grünen in Deutschland starke Zugewinne gebracht. Die heimischen Parteifreunde freuen sich zwar mit, können selbst von einem derartigen Schwung aber nur träumen.

"In unseren österreichweiten Umfragen sehen wir die Grünen zwar stabil bei zwölf Prozent, aber auch das Unglück in Japan hat keinen Ausschlag nach oben gebracht", arbeitet Werner Beutelmeyer vom Linzer Market-Institut den Unterschied heraus.

Bundessprecherin Eva Glawischnig zweifelt diese Zahl allerdings an: "Die zwölf Prozent stimmen meiner Meinung nach nicht", sagt sie im Gespräch mit dem Standard, "wir liegen in den meisten Umfragen zwischen 13 und 16 Prozent." Ihre Erklärung für den Erfolg der Deutschen: Die Atomausstiegsdiskussion sei dort "eine innenpolitisch höchst emotional aufgeladene Debatte".

Dass es die deutschen Ökos derzeit leichter haben, glaubt auch der Politologe Peter Filzmaier. Die schwarz-gelbe Regierung in Berlin sei "ein guter Reibebaum", und mit der Atomkraftdebatte habe es ein "konkretes Umweltthema" gegeben. Filzmaier: "Das funktioniert bei uns nicht, weil schon länger alle Parteien auf Antiatomkraft eingeschwenkt sind." Zur Mobilisierung brauche es aber ein konkretes Thema, bei dem auch ein Gegner festgemacht werden kann. "Wo ist der Gegner in Österreich bei Mochovce?", fragt Filzmaier und gibt sich die Antwort gleich selbst: "Es vertritt niemand die Gegenposition."

Was die heimischen Grünen von den deutschen Freunden lernen könnten: "Die Grünen in Deutschland sind in den Altersgruppen weiter hinaufgekommen", erklärt der Politikwissenschafter. In Österreich seien sie bei den über 60-Jährigen noch immer im niedrigen einstelligen Bereich - "genauso wie bei den Menschen 50 plus".

Market hat im Frühjahr erhoben, in welchen Bevölkerungssegmenten die Grünen besonders viele bekennende Unterstützer haben. "Auffallend ist, dass bei Wahlberechtigten, die zumindest Matura oder gar ein Studium haben, beinahe jeder Vierte angibt, die Grünen zu wählen, in diesem Segment sind sie die stärkste Partei", sagt Beutelmeyer. Die Wählerschaft ist urban, gebildet, weiblich und jung - ganz schwach sind die Grünen bei Arbeitern, Senioren und in bildungsfernen Schichten.

"Uns sind dieses Defizit und die Chancen, die sich daraus ergeben, durchaus bewusst", sagt Glawischnig. Zielgruppenaktionen würden gerade vorbereitet, aber: "Eine eigene Seniorenkampagne wird es nicht geben. Denn wir machen keine Klientelpolitik im engeren Sinne. Wir haben unsere großen inhaltlichen Projekte und versuchen damit bei allen Generationen zu werben."

Interne Reformarbeiten

Glawischnig verweist auch auf die seit längerem laufenden Umbauarbeiten im grünen Parteiapparat. Es gehe darum, "die Kampagnenfähigkeit von Bund und Ländern und die Schlagkraft zu erhöhen". Münden soll diese Arbeit schlussendlich in einen Bundeskongress. Glawischnig: "Im Oktober soll der innerparteiliche Reformprozess abgeschlossen sein." Ob dort auch eine Regelung beschlossen werden soll, die für die Parteispitze reservierte Wahllistenplätze für Quereinsteiger vorsieht, will die Grünen-Bundessprecherin nicht kommentieren: "Das ist noch offen." (Peter Mayr, Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2011)

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Der Kluge
16
26.4.2011, 02:36

Was mir bei den Grünen einfällt

1. weltfremde Energiepolitik
2. Gender-Ideologie
3. Geld für sinnlose Studienrichtungen
4. gegen traditionelle Familie/gegen Kinder
5. Asyl-demos
6. gegen heimische Unternehmen
7. Österreich zuletzt

Die Chinesen lachen sich tot, über solche Parteien. SPÖ, ÖVP, FPÖ sind nicht viel besser. Österreich geht zugrunde. Wirtschaftlich, demographisch, politisch, militärisch,...

Was Soll`s.
01
25.4.2011, 16:53
Schade das es der blaue Schwung

nicht über die Grenze nach Deutschland schafft.

Und dann dort bleibt.

nbergmann
01
25.4.2011, 09:34
die österr lassen sich mit ausländerthemen...

von den wirklich wichtigen themen (energiewende, bildung...) ablenken. es ist den halbgebildeten hier einfacher, sich über andere aufzuregen, als den eigenen kopf für interessante, komplexere themen zu benutzen. außer ein wenig in wien, ist nix konstruktives los: leere köpfe, gierige taschen, vergiftete stimmung...

Pauli Feuerstein
01
30.4.2011, 17:46
ad geringe komplexität ...

... jetzt wissen sie auch warum wien seit 45 rot ist ;-)

meresi
01
ERKLÄRUNGSANSATZ

...hier einer von mir: Bildungsgefälle plus beratungsresistenter Österreicher...zieht sich wie ein roter Faden vom Hilfsarbeiter hinauf bis zur Spitze dieser Bananenrepublik.

fc_uk
00
Claudia Roth

Frau Glawischnig sollte sich halt Claudia Roth zum Vorbild nehmen. Hier ein Interview von Nicht-Migrantin Claudia Roth zum Thema Türkei: http://www.youtube.com/watch?v=dFhhOPA0qHY

das ist fix
01

Deutschland hat AKWs, Österreich nicht.
Da ist doch klar, dass sich die Anti-AKW-Stimmung nicht politisch nutzen laesst.

Vorstadtmama
 
111
An alle, die behaupten, die Deutschen Grünen stünden so weit "über den Dingen" wie unsere...

Die grünen Wahlsieger dort sind bodenständig: Winfried Kretschmann ist Familienvater (das mit Ehefrau und Kind), Katholik, Mitglied im Schützenverein und im Kirchenchor. Also genau die Sorte Mensch, die von den Grünen in Österreich beschimpft und lächerlich gemacht wird.

nbergmann
10
25.4.2011, 09:39
die fpö lebt vom

...ausgrenzen und lächerlich machen "anderer". die unkenntnis in der politischen landschaft ist erschreckend!

atomkraft neindanke
12
sorry

das stimmt so nicht,

kenne auch in Ö viele katholische Grüne, die in der Kirche aktiv sind.

kenne auch in Ö viele verheiratete Grüne, wie ZB Frau Glawischnig, die zwei Kinder und einen Ehemann hat.

Apocalypse
00
25.4.2011, 11:44

und im Schützenverein is sie trotzdem nicht!

Dlaw Nechie
24
die grünen

sind ein teil des polititschen (baukasten)system. sie bewirken im wesentlichen keine änderung. sie sind ein austauschbaustein, der sich nahtlos einfügen lässt. siehe wien.

daher sind sie als alternative nur bedingt geeignet.

atomkraft neindanke
01
wahr ist-

die Grünen haben einfach nur nicht genug Stimmen um sich in der Koalition gegen eine seit 80 Jahren regierenden SPÖ Wien zu behaupten!
hätten Sie 27%, dann sehe Wien heute schon anders aus, trotz SPÖ!

Vorstadtmama
 
02
...aus Wählersicht stimmt das...

Wer aus Protest Grün wählt, tut in Österreich den etablierten Parteien damit nicht weh. Also sammeln sich die Unzufriedenen anderswo....

atomkraft neindanke
32

dort sammeln sich vor allem die Dummen

denn die FPÖ und das FPK hat schon gezeigt, wie sie es, wenn einmal an der Macht, mit der Korruption halten.

die FPÖler werden von unserer Justiz-Ministerin nur verschont: denn wenn die Blauen endlich auffliegen, dann kommen auch die Schwarzen Machenschaften alle samt und sonder ans Licht.

Straches Ziel ist es mit schwarz der nächste Bundeskanzler zu werden, und wie man eben genau nicht hört: er greift Strasser, Grasser und Ranner nicht an, denn sie sollen ihm seine Mehrheit bringen.

Na dann gute Nacht Österreich-

die Mischung von blau und schwarz ergibt eben braun-dort wollen die Deutschen eben nicht mehr hin!

Standard deviation
13

Die SPÖ ist - abgesehen von wenigen Jahren - seit
1970 an der Macht. Aus diesem Grund ist sie auch
in Sachen Skandale und Korruptionsfälle noch
immer mit Abstand Spitzenreiter. Dass die FPÖ als Protestpartei punktet, liegt einzig und allein am Verhältniswahlrecht und der daraus resultierenden ewigen großen Koalition und dem fehlendem demo-kratischen Wechsel.

die neue Art Mensch
00
Vielleicht ist die Frage blöd

und ich auch, weil ich nicht weiß, was für ander wahlsystheme (die die große koalition stoppen würden) geben könnte.

Kann mir das bitte wer erklären???

. g.bac
00

in amerika ist der demokratische wechsel sicher nicht grösser, weil dort muss man nur 2 parteien schmieren, während man bei uns 3-4mal in die tasche greifen muss.

sagte ich schmieren, "fördern" ist ja der politisch korrekte ausdruck, oder "lobbyieren". bitte um sorry.

Pol e Mike
17
30.3.2011, 09:15
Die GrünInnen sollten bei Strache lernen....

....der hält einfach den Mund, und lässt GroKo für sich arbeiten.
Wie man als grüne Partei NICHT aus der jetzen Krise gewinneln kann, ist echt schleierhaft.....die Glawischnigg sollte sich mal überlegen, ob sie die richtige ist......ist sie nicht-notabene!

galiontariaho
04
31.3.2011, 11:47
der unterschied zur fpö ist..

beim grünen wahlvolk reicht es nicht einfach nichts zu tun. klar fp-wähler wollen sich nicht mit langweiligen dingen wie problemlösungen beschäftigen, die brauchen ausschließlich das problem, aber anzunehmen ist, dass das für den potentiellen grünwähler nicht der fall ist...

und inhaltlich haben die grünen seit ein paar jahren weniger zu bieten als unter vdb...

Oedipus
01
30.4.2011, 14:46

Ich kenne kein Problem das von den Grünen gelöst wurde. Ich kenne aber Probleme die durch die Grünen verursacht werden bzw. verursacht werden könnten.

Weiters sollte herausgehoben werden, dass der Grüne vorallem dann zufrieden ist, wenn er mit möglichst geringen Aufwand möglichst viel abstauben kann.

Eine Zukunftspartei? Wohl nur für die gerade genannten. Und die Freude endet spätestens dann, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt.

Pauli Feuerstein
00
30.4.2011, 17:50
stimmt

vollkommen! :)

joesixpack
00
31.3.2011, 14:03
Beim letzten Punkten stimmen wir vollinhaltlich überein

und da ich Ihnen kein halbes grünes Stricherl geben kann, gibt's von mir ein ganzes - schon damit Sie sehen, dass ich betreffend diverse frühere Meinungsverschiedenheiten durchaus nicht nachtragend bin!

sleepyc
01
30.3.2011, 14:13
warum so negativ?

sie verkennen das strategische genie der eva g.!

denn die schöne eva sieht die aktuelle situation ganz anders:
jetzt - als grünpartei gewinnen?
das kann doch jede(r)!
aber die schöne eva ist eine ganz ausgefuchste!
sie timed den durchschlagenden paukenschlag ganz anders:
sie wartet, bis die krise vorbei ist.
sie wartet, bis die wogen sich geglättet haben, die radioaktiven hysterikerInnen wieder schweigen.
sie wartet, bis stille eingekehrt ist, damit man ihre leisen töne deutlich vernimmt. und steigert die spannung durch weitere inhaltsleere.
sie wartet, bis die grünbewegung in ö wieder ganz an der basis angekommen ist - also ganz unten.

Und dann!
Und dann!
Und dann!
gibt sie den vorsitz ab, weil so macht es ja auch keinen spaß!

joesixpack
04
30.3.2011, 09:02
Es sprach der große Joschka Fischer:

„Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.“
Joschka Fischer

„Deutschland muss von außen eingehegt, und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.”
Rezension zu Joschka Fischers Buch "Risiko Deutschland" von Mariam Lau

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