"Werden mit diesem Problem längere Zeit, wahrscheinlich Monate, zu tun haben"
Während nach Angaben der japanischen Regierung im Reaktor 2 des nach der Beben- und Tsunami-Katastrophe havarierten Atomkraftwerks Fukushima eins Kernschmelze eingesetzt hat, geht der Wiener Atomexperten Helmut Rauch "schon längere Zeit davon aus, dass in mehreren Blöcken eine teilweise Kernschmelze stattgefunden hat". Ansonsten wären diese hohen Strahlenwerte nicht erklärbar, betonte der langjährige ehemalige Leiter des Atominstituts in Wien am Montag.
Trotz des teilweisen Schmelzens von Kernbrennstoff müsse angenommen werden, dass die Schmelze nach wie vor im Reaktor-Druckbehälter oder im Containment eingeschlossen sei. Es sehe so aus, als ob es im Druckbehälter ist, "alles andere wäre eine Überraschung", so Rauch.
Wärmeproduktion gehe nur langsam zurück
"Wir werden mit diesem Problem längere Zeit, wahrscheinlich Monate, zu tun haben", betonte der Experte. Denn die Wärmeproduktion der Brennstäbe gehe nur langsam zurück, mittlerweile weniger als ein Prozent pro Tag. "Dadurch dauert das so lange, daran kann man nichts ändern. Das Kühlungsproblem wird man nur mittelfristig in den Griff bekommen", sagte Rauch.
Mit dem kolportierten Begriff "vorübergehende Kernschmelze" kann Rauch nicht viel anfangen. Es könnte darauf hindeuten, dass die Schmelze durch die Kühlung des Druckbehälters wieder erstarrt, was den Vorteil hätte, dass dann weniger Radioaktivität abgegeben werde.
Werte möglicherweise falsch abgelesen
Die Verwirrung um die Messwerte der Radioaktivität führt Rauch auf falsches Ablesen durch einen Arbeiter zurück: "Mit so etwas muss man immer rechnen, die Arbeiter stehen ja enorm unter Druck." Man müsse aber davon ausgehen, dass jetzt die Fachleute das Sagen haben und Arbeiter nur so lange in Bereiche hingeschickt werden, wie das strahlenschutzmäßig erlaubt sei. Bei höherer Strahlung müsse man die Mannschaft häufiger wechseln.
Dass bisher keine Roboter im Atomkraftwerk Fukushima eingesetzt wurden, wundert den Experten. Allerdings würden sich Roboter in diesem Bereich "sehr schwer tun, weil alles so verbaut ist". (APA)