Kräftige Lebenszeichen einer neuen Generation

27. März 2011, 20:00
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    foto: thimfilm

    Mehrfach ausgezeichnete Alternativ-Familienaufstellung: Andreas Kiendl (li.), Sami Loris, Emily Cox und Philipp Hochmair in Marie Kreutzers Diagonale-Gewinner "Die Vaterlosen".

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    Prämierte Regisseurin: Marie Kreutzer.

Viele Preise gingen an Newcomer - doch immer wieder wurde beanstandet, dass es um die Förderung innovativer Projekte des Kinonachwuchses schlecht bestellt ist

Graz - Es ist ein wenig so, wie wenn man nach einem schönen Traum erwacht: Zwar feierte der österreichische Film in den letzten Jahren beispiellose Erfolge, mittlerweile zeichnet sich jedoch ab, dass die strukturellen Voraussetzungen einer nachhaltigen Filmförderung an wichtigen Stellen schwächeln. Bei der Filmabteilung des Kulturministeriums (BMUKK), zuständig für "innovative", kleiner dimensionierte Arbeiten, ist das Budget am Stand von 1992, nun wurde auch ein Einreichtermin vor dem Sommer gestrichen.

Budgetengpässe sind auch am Österreichischen Filminstitut (ÖFI) laufend zu konstatieren; hinzu kommt Kritik des Rechnungshofs. Bei einem entsprechenden Panel auf der Diagonale konnte man vor allem eines erleben: Der Unmut in der Branche wächst. Franz Novotny, einer der Produzenten von Marie Kreutzers Familiendrama Die Vaterlosen, dem großen Gewinner des Festivals, sprengte gleich zu Beginn der Veranstaltung das Podium und bemerkte gegenüber seinem Kollegen Danny Krausz: "Mitbewerber können nicht über Mitbewerber entscheiden."

Die Kritik des Rechnungshofs an den Unvereinbarkeiten im ÖFI-Beirat sei nicht mit einem Satz von der Hand zu weisen. Dramaturgin Ursula Wolschlager, dort Ersatzmitglied, lieferte Einblick in innere Entscheidungsabläufe: Bei der letzten Sitzung, berichtete sie, sei die Mehrheit der interessanteren Projekte schon aufgrund fehlender Mittel abgelehnt worden. Hinzu kommt die Praxis, Filme durchzuwinken, nur um Produktionsfirmen zu erhalten, wie Regisseurin und Produzentin Nina Kusturica anmerkte.

Angesichts solcher Umstände darf man sich fragen, ob es nicht mehr Anstrengungen bedarf, als auf die Marke von manch kommerziellem Projekt zu vertrauen. Die Jahresschau der Spielfilme wirkte bei der Diagonale besonders mau, Premieren blieben rar. Der umtriebige Peter Kern bleibt sich in Mörderschwestern zumindest selbst treu. Die auf den Kriminalfall von 1989 im Krankenhaus Lainz rekurrierende Satire beißt sich an der Idee eines "Mörderamas" fest, das den Zuschauer einbeziehen will, kommt sich dabei jedoch selbst in die Quere.

Dass es an jungen Talenten nicht mangelt, bewies Richard Wilhelmer mit seinem bemerkenswerten Film Adams Ende, ausschließlich mit regionalen Fördergeldern finanziert. Wilhelmer beginnt seinen Film als lichtes Beziehungsdrama, zwei Paare verbringen einen Urlaub am See, das eine ist ganz frisch zusammengekommen, beim anderen sind Verschleißerscheinungen zu erkennen. Anfangs scheint Adam (Robert Stadlober) als der unstabile Faktor in dieser Konstellation, doch die Pole verlagern sich, Blicke wecken Eifersüchte, plötzlich wirkt sein Freund Conrad (David Winter) sehr unsouverän.

Zurück in Berlin verlässt Wilhelmer den an Eric Rohmer erinnernden Tonfall der Verführung und verlegt die Gefühle und Irritationen der Figuren mehr nach außen: Handlungen und Reaktionen überraschen immer wieder. Statt Milieurealismus bedient sich Adams Ende in seiner Beschreibung von Gefühlslagen expressionistischer Hervorhebungen, die den Film immer mehr in Richtung Psychodrama treiben.

Männerrollen, Vaterpflichten

Arman T. Riahis Kinodebüt, der Dokumentarfilm Schwarzkopf, wurde am Ende mit dem Publikumspreis prämiert. Ebenfalls begeistert aufgenommen: Umut Dags Papa, der den vom Sender ServusTV erstmals ausgelobten Kurzspielfilmpreis erhielt. Der Titelheld ist ein junger Mann, der sich plötzlich um seine beiden kleinen Söhne kümmern muss - und das ist im machistischen Selbstverständnis des Rappers eigentlich nicht vorgesehen. Dag, Student an der Filmakademie, gelingt in vierzig Minuten eine dichte Studie, eine ungewöhnliche Entwicklungsgeschichte und vor allem in den konkreten Situationen zwischen Vater und Kindern eine ganz eigene Intensität.

Apropos (traditionelle) Männer- und Frauenrollen: In einer Diskussion am Samstagnachmittag ging es um strukturelle Benachteiligungen weiblicher Filmschaffender (etwa: je höher die Fördersummen, desto niedriger der Frauenanteil) und um zu ergreifende Gegenmaßnahmen, Stichwort: Quote. Die Preisverleihung am Abend geriet dann unverhofft zu einer Demonstration des Gegenteils: So wurden die Kamerafrauen Elfi Mikesch (Mondo Lux) und Leena Koppe (Die Vaterlosen) ausgezeichnet und die Cutterin Evi Romen für ihre Arbeit an Wolfgang Murnbergers Mein bester Feind. Billy Roisz bekam für ihre neue Arbeit Chiles en Nogada den Preis für innovatives Kino, Marie Kreutzer nahm den Regiepreis für den besten Spielfilm entgegen und Ivette Löcker jenen für den besten Dokumentarfilm.

Sowohl Roisz als auch Löcker, die in Nachtschichten sehr behutsam verschiedene urbane Existenzen im nächtlichen Berlin porträtiert, wiesen dabei ausdrücklich auf die Bedeutung der Filmabteilung des BMUKK für die Realisierung ihrer Filme hin. (Dominik Kamalzadeh Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 3. 2011)

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die_geisterkuh
00
31.3.2011, 18:48

ein nahezu unglaubliches erstlingswerk... absoluter wahnsinn

moejoe187
00
28.3.2011, 16:42
Die Vaterlosen

hat ein sehr schönes Color-Grading in den Rückblenden!

Hockey ist kein Wintersport!
00
28.3.2011, 14:03

wo er recht hat, hat er recht der franz.

tonreg
00
28.3.2011, 11:14

"Die Vaterlosen": absolut verdient den 1. Preis, ein großartiger Film....

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