Initiative

Rom schmiedet mit Berlin "Friedensplan"

27. März 2011, 17:55

Wieder hunderte Flüchtlinge auf Lampedusa und Linosa

Rom - Dem angekündigten französisch-britischen Plan für Libyen will nun Rom eine italienisch-deutsche Initiative entgegenstellen: Außenminister Franco Frattini erklärte am Sonntag, die Regierung führe bereits entsprechende Gespräche mit Berlin.

Erster Schritt eines solchen Friedensplans sei ein Waffenstillstand, der von der Uno überwacht werden müsse. Die notwendige Einrichtung eines humanitären Korridors könne dagegen von der Türkei kontrolliert werden, mit der Italien bereits Gespräche führe. Dann müssten Kontakte zu allen libyschen Stämmen aufgenommen werden, um sie in eine Friedensinitiative einzubinden. Der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union will Rom die Aufgabe anvertrauen, ein geeignetes Exil für Muammar al-Gaddafi zu finden, dessen Verbleib in Libyen undenkbar sei.

Polemik um Frattini-Idee

Für Polemiken sorgt unterdessen Frattinis Vorschlag, den tunesischen Flüchtlingen in Italien 1500 bis 2000 Euro aus EU-Mitteln als Anreiz zur Rückkehr anzubieten. Lega-Nord-Chef Umberto Bossi lehnt den von Innenminister Roberto Maroni unterstützten Vorschlag ab: "Die Tunesier gehören sofort auf ein Schiff verladen und zurückgebracht. Und falls sie wieder kommen, schickt man sie erneut zurück."

Frattini und Maroni hatten am Freitag in Tunis einen ersten Erfolg erzielt: Demzufolge ist Tunesien zur Flüchtlingskontrolle bereit, falls Italien Schiffe und technische Ausrüstung für rund 115 Millionen Euro liefert.

In Lampedusa landeten weitere 1200 Flüchtlinge. 550 wurden mit einem Schiff in ein neues Aufnahmelager bei Taranto in Sizilien gebracht, eine Fähre sollte weitere 1000 aufs Festland bringen. In Linosa, 45 Kilometer nordöstlich von Lampedusa, sind erstmals 350 Flüchtlinge aus Misrata gelandet. Es handelt sich um Eriträer und Somalier. Eine Frau, die auf See ein Kind zur Welt gebracht hatte, wurde mit einem Hubschrauber ausgeflogen. (mu/DER STANDARD, Printausgabe, 28.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
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DieBo
00
29.3.2011, 10:10
Der Friedensplan besteht darin auf der Karte die Linie der Aufteilung Libyens einzuzeichnen..

Cello Swiss
00
28.3.2011, 19:02
unglaubwuerdig

Gerade Italien ist voellig unglaubwuerdig. Die Regierung Berlusconi hat sich dem Diktator Gadafi gegenueber konsequent angebiedert und dabei alle Glaubwuerdigkeit verloren. Deutschland hat mit seiner Stimmenthaltung bei der Resolution 1973 im UNO Sicherheitsrat ebenfalls an Glaubwuerdigkeit verloren.

Was wir von einer Achse Rom-Berlin zu erwarten haben, haben uns die 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gezeigt.

Chien de Pique
12
28.3.2011, 15:49

Wenigstens ein paar Staaten bemühen sich um eine Zukunftsperspektive und Alternativen zu roher Gewalt. Es klingt jedenfalls alles sehr vernünftig.

Annapurna
11
28.3.2011, 21:11
Berlusconi, der hat doch wirklich was gelernt. Gramgebeugt von Bunga-Bunga und voller Trauer über den Verlust der guten Freundschaft mit Gaddafi...

...zeigt er uns nun endlich, nachdem wir ihn so lange schnöde verspottet und verkannt haben, wie ein echter Staatsmann handelt.
Auch Merkel, die vor Ihrer Wahl von manchen Damen und Herren noch "das Merkel" genannt wurde, rehabilitiert sich in rasender Geschwindigkeit.
Erstaunlich. Das zeigt, man soll nie jemanden abschreiben.

Londo Mollari
 
41
28.3.2011, 12:38
so ein blödsinn

die brauchen HILFE keine geschaftigen erklärungen, was sie zu tun haben. ausserdem ist es dümmlich zu glauben, irgendwas zu bekommen das man guten gewissens frieden nennen könnte, solange gaddafi noch in libyen ist. sobald er weg ist, gibt es auch frieden. "korridore" oder "stammesräte" braucht es nur, wenn man gaddafi nicht los wird. und davor mögen alle Götter abhüten.

Franz Kohlegger
00
28.3.2011, 22:57
Die libyschen Staemme sind verfeindet - wussten Sie das?

Da sind Sie leider falsch informiert ... oder sind auch einer der Himmelblau-Truppe. Gaddafi hat die vielen Staemme dazu gebracht (Geschenke und Drohungen) miteinander auszukommen.

Sobald Gaddafi weg ist geht der Kampf um die goldene Krone erst gross los. Die Staemme werden nie friedlich miteinander auskommen, wenn sie nicht muessen.

Wie wollen Sie diese Staemme zwingen? Mit der nicht erlaubten Invasion? Hoffen Sie auf ein grosses Blutbad an den Gaddafi Anhaengern, das man als Grund fuer den Einmarsch verwenden koennte?

Es braucht auf jeden Fall eine Konferenz der Staemme.

Chien de Pique
14
28.3.2011, 15:50

"sobald er weg ist, gibt es auch frieden."
Sehr kindlich-naive Vorstellung.

Londo Mollari
 
11
28.3.2011, 16:45

mir ist kindlich-naiv lieber als verbittert-zynisch

Chien de Pique
12
28.3.2011, 18:32
Schon, nur verschulden Sie (bzw,. die entsprechenden Politiker) mit der Einstellung u.U.

halt ein neues Afghanistan oder einen neuen Irak. Jetzt, wo Gaddafi nichts mehr zu gewinnen hat, wäe der richtige Augenblick für Friedens- und Übergangsverhandlungen; man kann ihn jedenfalls unter Garantie auch mit anderen Mitteln als der brutalen Eroberung noch des letzten Landeswinkels loswerden, und man muss es zumindest einmal auf friedliche Weise versucht haben. Soll man Misrata sichern und von mir aus Surt noch erobern, weil es auf dem Weg liebt, aber dann muss Schluss sein, dann muss man sich bitte endlich an den Verhandlungstisch setzen.
Eine Schlacht um Tripolis, samt Häuserkampf, könnte alle Schrecken des Bürgerkriegs bisher in den Schatten stellen, und nach einem Sieg stünde immer noch die Gefahr einer Irakisierung des Landes.

Londo Mollari
 
00
28.3.2011, 22:26

sorry, das ist ein scheinargument. das einzige was die libyer mit den irakern oder afghanen teilen, ist die religion. kultur, geschichte, gesellschaftsstruktur sind anders. ebenso könnte man österreich mit brasilien gleichsetzen. das ist ja das problem, dass wir im westen viel zu wenig über die ebsno komplexe islamische welt wissen.

Annapurna
11
28.3.2011, 21:14
Verehrter Chien de Pique...

...wie bringen sie Gaddafi an den Verhandlungstisch? Die Rebellen noch eher (da sie von der Unterstützung der Staatengemeinschaft abhängen), aber wie wollen sie diesen Schmalspurgoebbels an den Verhandlungstisch kriegen?
Der huckt in seinem Bunker und würde auch noch einen Häuserkampf in Tripolis in Kauf nehmen, glauben Sie mir.
Der hat nichts zu verhandeln.

Max Braunleuchter
12
28.3.2011, 11:28

Hört auf, die Lebensgrundlage der Menschen zu zerstören, dann löst sich auch das Flüchtlingsproblem von selbst. Kein Mensch verlässt freiwillig die Heimat, wenn er dort eine Perspektive sieht sich ein halbwegs menschenwürdiges Leben aufzubauen.

Chien de Pique
00
28.3.2011, 15:48

Wohlhabend und komfortabel wird man "halbwegs menschenwürdig" immer vorziehen.

sljudanka
10
28.3.2011, 11:20
Wenn die jetzt mit Menschlichkeit und Despotie kommen

damit kommen die in Brüssel NIE durch!!

Da müsste die absolute Mehrheit der UNO-Vollversammlung stehenden Fusses verhaftet werden!

Die absolute Mehrheit aller Länder der Welt sind Diktaturen und Despotien, wo Menschenrechte und Demokratie absolut Fremdwort sind!!

Die UNO, und auch der Weltsicherheitsrat werden sich hüten, Gaddafi als Bösewicht vorzuführen!
Viele MitGlieder des Sicherheitsrates unterdrücken selber ihre Bevölkerung, oder sind in illegale Angriffskriege verwickelt!!

So gut wie Gaddafi behandeln die wenigsten UNO-Mitgliedsländer ihre Bevölkerung!!

Vom Wohlstand ujnd sozialer Sicherheit eines Libyers können die miesten Chinesen, AFrikaner oder Ägypter nur träumen....

yes2bertl
12
28.3.2011, 10:00
Friedensplan - endlich.

DieBo
21
28.3.2011, 09:22
Während die einen Bomben werfen tun die anderen auf Friedensengel. Ein abgesprochenes Rollenspiel.

Funkel
54
28.3.2011, 06:02
Achse Berlin-Rom

gegen die Entente Paris-London.

diesmal allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Die Entente will Krieg, die Achse Frieden.

Raptor Jesus
02
28.3.2011, 17:54
Geändet hat sich freilich nix

Berlin wäre ohne Rom besser drann!

diamant
10
28.3.2011, 09:19
Italiens Flugzeuge kreisen aber gleichzeitig ueber Libyen......

Annapurna
00
28.3.2011, 21:15
Tun sie nicht.

Bruno Flex
32
28.3.2011, 05:54
Klingt vernünftig

Sarkozy, Obama und Cameron aber werden mit aller Feuerkraft der NATO Fakten schaffen, die die Umsetzung dieses Plans unmöglich machen.

Annapurna
10
28.3.2011, 21:23
Erstens ist es vermutlich (wenn wir schon am Vermuten sind) ein hundertstel der Feuerkraft der Staatengemeinschaft.

Aber abgesehen davon: An Vermutungen kann einem immer etwas stören. Vermutlich deswegen, weil sie Vermutungen sind.
Ich kann ebenso Vermutungen anstellen, nämlich, dass die Staatengemeinschaft sehr wohl bereit wäre - und von der öffentlichen Meinung geradezu gezwungen - einen Friedensplan anzunehmen, wenn Gaddafi erst einmal einen Waffenstand nicht nur verkündet, sondern auch einhält.
Das ist eine absolute Vorbedingung, ohne das wirds nicht gehen. Dazu hat ihn der UN-Sicherheitsrat aufgefordert, ohne Gegenstimme, und er hat es bis jetzt nicht getan. Da brauch ma kein Italien dazu und kein Deutschland.
Und da ich meine Vermutung für schlüssiger halte als die Ihre, hab ich mir erlaubt, ein bisserl in den Farbtopf zu greifen. :)

Bruno Flex
11
28.3.2011, 11:17
Hallo, Rotstrichler!

Was an meiner Vermutung stört Sie?

Kubilay Aslan
11
28.3.2011, 11:53

Wahrscheinlich die Wahrheit.

Sie müssen bedenken, dass die Kriegsbefürworter sich schon längst in Harmonie mit ihrer sich selbst zugeschriebenen Rolle des Helden, der Retter, den Kämpfern um Gerechtigkeit und Frieden sehen. Wer will da schon von diesem Traum der klaren Linien von Gut(selber) und Böse(andere) abweichen. Kriegspatriotismus hat man es wohl früher genannt.
Jedes rütteln daran läßt diese halt rot sehen.

Ein entsetzter Bürger
13
28.3.2011, 02:12
Viva l'Italia! Piano concreto per la pace

First concrete peace initiative!

It seems like there were no severe previous efforts in searching for a diplomatic solution and not even for armistice. The public was told that a no flight zone should be established - now it is a usual war just without ground troupes.

How to solve a tribal war? A sustainable intervention in Maghreb or Arabian countries from outside would partly have to provide no less than a revision of the borders drawn by colonialists – as a precondition of democracy.

Are we prepared for that or let's presently better lead our concentration to rescue efforts concerning the Fukushima reactors - still a meltdown is possible.

From an Austrian and a German perspective I prefer not to support a war in Libya.

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