Die staatliche Bank fordert von Kärnten, Berlin-Gesellschaft und restlichen Ex-Aktionären 50 Millionen Euro zurück
Wien - Schlechte Nachrichten für die Ex-Aktionäre der Kärntner Hypo Alpe
Adria. Die Bank fordert per Schreiben der Finanzprokuratur eine im April 2008 an
die Altaktionäre bezahlte Sonderdividende von 50 Mio. Euro plus 13 Mio. Zinsen
zurück. Sie war an die Ex-Eigner Kärntner Landesholding, Bank Burgenland (über
sie hielt die Grawe ihre Beteiligung), Berlin & Co Capital S.a.r.l. und
Hypo-Mitarbeiterprivatstiftung geflossen. Unrechtmäßig, wie die Anwälte der Bank
nun sagen.
Das Land soll daher 22,5 Mio. (plus sechs Mio. Zinsen) zahlen, die Bank
Burgenland 20,7 Mio. (plus 5,6 Mio.), die Berlin S.a.r.l. 4,5 Mio. (plus 1,2
Mio.) und die Mitarbeiterstiftung, in deren Vorstand bis September 2007 Wolfgang
Kulterer saß, 2,5 Mio. Euro. "Sollte bis zum 7. April kein vollständiger
Zahlungseingang erfolgt sein, wird die Bank gerichtliche Schritte einleiten",
lässt der Präsident der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, wissen.
Verkürzt dargestellt argumentiert man, dass die Hypo Group 2007 einen Verlust
von 270 Mio. Euro einfuhr. Die Dividende konnte sie nur nach Auflösung einer
Gewinnrücklage von 363 Mio. Euro ausschütten - und weil ihre Tochter Consultants
Holding Teile der Gruppe um 62 Mio. Euro verkauft hatte. Dieser Erlös kam -
vereinfacht ausgedrückt - durch Bilanzierungsmaßnahmen den Altaktionären Land
und Co in Form der Sonderdividende zugute. Die neue Aktionärin BayernLB war mit
der Ausschüttung einverstanden, was der Aufsichtsratschef der Landesholding,
Josef Martinz, am 21. Mai 2007 stolz berichtete.
Consultants
Damit wird der Blick der Öffentlichkeit erneut auf den Verkauf der
Consultants gelenkt, den die Hypo unter Siegfried Grigg vor (auf den Tag genau)
vier Jahren als "erfolgreich abgeschlossen" vermeldete. "50 Projekte in Kroatien
und Serbien" seien an die Auctor d.o.o. Croatia verkauft worden, Preis und
Auctor-Eigner wurden nicht verraten. Die Berater schon: die Wiener ASP
Consulting von Alon Shklarek (er soll zehn Mio. Euro Honorar bekommen haben) und
die Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner. Shklarek ist geschäftlich auch
Christian Köck verbunden, der bei der risikofreien Hypo-Kapitalerhöhung dabei
war. Die Kanzlei Lansky vertrat einst Vladimir Zagorec - und berät die
verstaatlichte Hypo auch heute noch, bei Problemen in Südsteuropa.
Die 1997 gegründete Consultants-Gruppe diente als Kreditdeponie: Die
Notenbank konstatierte schon 2001, dass die Hypo ihr Risikogeschäft an die
Consultants auslagert, um sich die Eigenkapital-Unterlegung zu ersparen. Beim
Verkauf 2007 sollte zunächst das gesamte Portfolio verkauft werden, Auctor nahm
dann aber nur ein Drittel. (Der Rest wanderte in der Hypo Group weiter, die
Consultants Liechtenstein etwa gibt es immer noch.)
Der Bieterprozess wurde verkürzt, die Bedingung, dass der Erwerber die
Kreditlinien umschulden müsse, wurde storniert. Den Kaufpreis hat Auctor gemäß
Standard-Recherchen per Krediten, unter anderem der Zagrebacka Banka (UniCredit)
aufgestellt, besichert durch Liegenschaften der Consultants. Auf denen waren
zwar beim Deal-Closing im Juni 2007 Hypotheken für die Hypo eingetragen worden -
aber danach (dank plötzlich höherer Bewertungen) gaben die Kärntner Teile frei.
"Einzig durch Freigabe dieser Sicherheiten zu Lasten der Hypo war es der
Käuferin, die über kein eigenes Vermögen ... verfügte, möglich, den Kaufpreis
überhaupt zu finanzieren", so die Finanzprokuratur. Die Kredite "wurden in
kurzer Folge notleidend und uneinbringlich, ... in der Hypo-Bilanz 2007
(unter Vorstandschef Berlin, Anm.) aber nicht abgeschrieben". Stattdessen
beschlossen die Aktionäre am 20. April 2008 die Sonderdividende, zahlbar binnen
zehn Tagen.
Medienkonzern involviert
Darüber, wer hinter Auctor steht, rätselt die Staatsbank heute noch. Während
Auctor auf seiner Homepage wissen ließ, "Auctor ist der einzige Eigentümer
geworden", sagte Landeshauptmann Jörg Haider am 27. März 2007 so: Laut Hypo "sei
als Käufer eine kroatische Gruppe unter Beteiligung des größten kroatischen
Medienkonzerns aufgetreten. Die Hypo erhoffe sich dadurch auch künftig eine
positive mediale Aufbereitung." (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 28.3.2011)