OeNB-Chef Nowotny

Kein Selbstbehalt bei Einlagensicherung

27. März 2011, 16:13
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    foto: milenko badzic/orf

    Weissagungen des Nationalbank-Chefs: Österreich werde den Euro-Rettungsschirm nicht brauchen, die Finanzkrise sei überstanden und die Teuerung deutlich zu hoch.

Finanz- und Wirtschaftskrise sei überwunden, Krise der öffentlichen Finanzen noch nicht

Wien - Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny ist für eine Beibehaltung der bestehenden Einlagensicherung für Sparguthaben bei Banken. Ein Selbstbehalt für Sparer sei "nicht der richtige Weg", sagte Nowotny am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" und widersprach damit einem Zeitungsbericht, wonach sich der Nationalbank-Chef für einen solchen Selbstbehalt ausgesprochen haben soll. Er habe vor Tiroler Bankern lediglich referiert, dass es innerhalb des Sektors eine Diskussion über einen solchen Selbstbehalt gebe, erklärte Nowotny. Man müsse Anlegern aber klar machen, dass hoch verzinste Anlageformen immer auch mit hohen Risiken verbunden seien.

Lage der Großbanken: problemlos

Die Situation der österreichischen Großbanken und auch der meisten mittleren und kleinen Banken sei völlig problemlos, sagte Nowotny. Auch der Abschreibungsbedarf in Osteuropa sei geringer geworden, nicht zuletzt durch den Einsatz der Politik. Probleme gebe es lediglich bei zwei Banken - der Hypo Alpe Adria Bank und der Kommunalkredit.

Die Kommunalkredit "ist auf einem guten Weg", bei der Hypo sei es notwendig, "eine massive Restrukturierung" durchzuführen. Aber da sei noch der Prozess im Gange, "die volle Information über sämtliche Aspekte" aller Geschäfte zu bekommen.

Österreich brauche keinen Rettungsschirm

Die Schätzung des Vorsitzenden der Euro-Finanzminister, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, wonach Portugal Unterstützungen in Höhe von 75 Mrd. Euro brauchen könnte, ist für Nowotny "keine ganz unrealistische Summe". Das sei "der künftige Finanzierungsbedarf, der sich rein statistisch ergeben kann". Österreich werde den Euro-Rettungsschirm sicher nicht brauchen, dennoch sei die Budgetkonsolidierung "absolut wichtig", um die Stabilität sicherzustellen.

Das Budgetdefizit werde heuer wahrscheinlich über 3 Prozent des BIP ausmachen. Das Ziel, das Defizit 2012 auf unter 3 Prozent zu senken, werde möglicherweise aber erst 2013 erreicht. Die Budgetkonsolidierung sei aber nicht nur eine Frage der Bundesregierung, sondern dafür seien auch die Länder und Gemeinden verantwortlich. Hier habe es in letzter Zeit Fortschritte gegeben, "man soll das nicht unterschätzen".

Finanzkrise "im Griff"

Die Finanz- und Bankenkrise "haben wir im Wesentlichen im Griff", so der Nationalbank-Chef, auch die Krise der Realwirtschaft sei überwunden. Aber die Krise im Bereich der öffentlichen Finanzen sei noch nicht überwunden und es bestehe die Gefahr einer Rückkoppelung auf die Banken.

Dazu könnte es zum Beispiel kommen, wenn Ratingagenturen öffentliche Anleihen schlechter bewerten würden. Solche Anleihen seien Teil der Vermögenswerte von Banken und würden dann an Wert verlieren.

Inflation "deutlich" zu hoch

Die aktuelle Teuerungsrate - im Februar waren es 3 Prozent - "ist aus unserer Sicht deutlich zu viel", sagte Nowotny. Schuld daran seien die gestiegenen Energiepreise, aber "das ist etwas, was wir als Notenbank nicht unmittelbar beeinflussen können". Man müsse befürchten, heuer bei einer Teuerungsrate zwischen 2,5 und 2,7 Prozent zu liegen zu kommen, Ziel seien aber 2 Prozent. Zur Krisenbewältigung habe die Europäische Zentralbank die Zinsen gesenkt und massiv die Liquidität ausgeweitet. Sowohl bei den Zinsen, als auch bei der Liquidität gehe man jetzt aber als Notenbank "in Richtung Normalisierung".

Die Reformen bei der Nationalbank selbst sind nach den Worten des OeNB-Chefs weit gediehen, voraussichtlich nächste Woche werde das neue Dienstrecht beschlossen, das dann ab 1. Juli gelten werde. Damit sei dann das Reformprogramm abgeschlossen, "das, was wir machen konnten, ist dann gemacht". In alte Pensionsverträge könne man aber nicht eingreifen, da gebe es enge rechtliche Grenzen.

Definitiv keine Trichet-Nachfolge

Für seine persönliche Zukunft schloss Nowotny aus, dass er dem scheidenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet nachfolgen könnte. "Privatleben und Familie sind auch wichtig." Aber seine aktuelle Funktion sei "die interessanteste und schönste Tätigkeit, die ich in meinem Leben gemacht habe", die Aussicht, auch nach dem Auslaufen seines Mandats als Notenbank-Gouverneur im Jahr 2013 weiterzumachen, sei daher "sicher sehr attraktiv". (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
ingteu
00
28.3.2011, 20:54
... und die sollen unser Geld schützen

sind bei der ÖNB noch mehr von der Sorte ?

Lars Jonka
21
28.3.2011, 12:46
Gier hat ein natürliches Regulativ und das ist die Angst vor Verlust.

Dieses Gleichgewicht wird durch eine "Staatsgarantie" korrumpiert.
Der Staat hat sich vollständig rauszuhalten. Dann entsenden z.B. wir BankAustria-kunden eine Anwalt dorthin, der die Bilanzen einsieht. Und wenn sie nicht vollständig offenlegen, dann werden Konten und Depots geschlosse, Geld abgezogen und wir suchen uns eine Bank , die unsere Bedingungen erfüllt. SO funktioniert ein sauberer Marktmechanismus.
Wenn die Bank offenlegt, aber bekennen muß, daß sie mächtig aus dem Fenster hängt in Ru, Bu, Ukr, Gr, Por, mit Derivaten u.Ä. dann werden wir Kunden sie zwingen, ihre Risiken zu reduzieren oder gehen, denn Verlust droht. Der Kunde entscheidet.
Das sollte Nowotny begreifen. Das waren die Ursachen des Finanzkollaps: Angstfreie Gier.

Alastair McKenzie
 
00
28.3.2011, 17:01
Das ist drollig!

Dass Sparbuchsparer die Finanzkrise ausgelöst haben, lese ich zum ersten Mal, aber diese Aussage hat zumindest Unterhaltungswert. In Österreich würde eine Abschaffung der Einlagensicherung an den Marktanteilen wohl gar nichts ändern, denn der Erste Bank gibt schon heute niemand Vernünftiger sein Geld, weil sie keine Zinsen zahlt; nach Abschaffung der Einlagensicherung würde schon gar niemand sein Geld dieser Bank geben, weil sie dieses viel zu riskant weiterverleiht, eben an die genannten Länder. Raiffeisen ist da net besser. Also an den Marktanteilen würde sich nix ändern, nur der Markt an sich würde kleiner werden: Für 1% Zinsen und weniger gehe ich kein Risiko eines Totalverlusts ein, da bevorzuge ich Sparschwein & Kopfpolster.

das ist fix
00
19.4.2011, 15:45

drollig ist leider eine verharmlosung, es ist eine frechheit was da verlangt wurde
bitte lesen: http://www.tt.com/csp/cms/s... behalt.csp

Lars Jonka
01
28.3.2011, 17:38
Scho mitdenken !

"To big fail" waren nicht die Sparbuchsparer, sondern die Unternehmen. DIE sind exorbitante Risiken eingegangen, weil sie wußten: to big to fail.
Das ist politischer Mißbrauch von Steuergeldern.
Gewinne können gemacht werden.
Verluste müssen getragen werden.
Und zwar selber.

soso94
10
28.3.2011, 10:18
Ein Selbstbehalt für Sparer sei "nicht der richtige Weg"

Bravo, nur keinen Selbstbehalt.
Ich habe mit meiner Gattin Euro 200.000.- am Sparbuch, und verlange, dass der Steuerzahler weiterhin dafür bürgt!

Ingrid Goeschl1
00
28.3.2011, 13:59

Wer bitte legt 200.000 EUR auf einem einzelnen Sparbuch an?

Ihr Posting ist polemisch.

kauwvn
11
28.3.2011, 08:43
es ist unverständlich, warum

dieser kaffeesudleser immer wieder diese aufmerksamkeit in den medien bekommt. ein dummer mensch macht einen fehler zweimal, ich weiß aber nicht wie man den novotny bezeichnen kann!

MUNGO1
01
28.3.2011, 11:01
.... als Wahrsager vielleicht?

Bereits vor Monaten meinte er;

"die Krise sei längst vorbei und es wird weiter aufwärts gehen!"
In Wirklichkeit hat die echte und allumfassende Krise noch nicht einmal begonnen!
Der Selbstbehalt geistert sicher weiter in den Köpfen der Politiker herum, eines Tages wird er dann Wirklichkeit, ebenso eine Währungsreform-ohne diese sind die eingegangenen Schulden nicht mehr zu bewältigen!Alles wird der Reihe nach kommen, davon ist auszugehen!Man sollte sein Geld in sicheren Werten anlegen und den Banken die Möglichkeit damit zu spekulieren nehmen.GOLD in physischer Form erscheint mir ein guter und sicherer Hafen zu sein, weil anonym, ohne Mwst und keiner wie auch immer gearteten Steuer ausgesetzt.In den USA scheint der Goldstandard wieder....

Jepedaia Springfield
01
28.3.2011, 07:38
Österreich brauche keinen Rettungsschirm

Noch nicht aber wenn wir weiterhin unser Geld in die Eurorettung stecken könnten wir bald darunter schlüpfen müssen.

Selbständiger
13
28.3.2011, 07:30
Peinliche Vorstellung eines Propagandahampelmanns der Politiker.

Argumentiert einerseits, dass der Markt richtigerweise hohe Zinsen fur Kredite verschuldeter Länder verlangt, damit diese nicht weiterhin mit billigem, leicht erhältlichem Geld weiterhin über die Verhältnisse Geld ausgeben, widerspricht sich ein paar Sätze später aber selbst. Nämlich, indem er den Eurorettungsschirm, der genau das tut (billiges Geld zur Verfügung stellen) verteidigt und damit weiterhin die Verschwendung fördert.

Wie gut für ihn auch, dass seine amoralischen Altpensionsverträge und die seiner MitarbeiterInnen angeblich gesetzlich so einbetoniert sind, dass daran nichts zu ändern ist. Interressanterweise, können für alle nicht im geschützten Bereich tätigen, Gesetze innerhalb eines Monats sogar rückwirkend erlassen werden.

Lars Jonka
16
27.3.2011, 22:28
Dieser Artikel ist so voller keynsischem Notenbankernonsense, daß einem schlecht wird.

1. Wie kann das Ziel 2% Inflation sein ? Geldwertstabilität, 0% Inflation, DAS sollte das Ziel sein. Damit ist der Euro angetreten. Inflation ist eine perfide Steuer (http://marcfaberchannel.blogspot.com/2011/03/m... -on.html), eine versteckte Enteignung.
2. Schuld an der Teuerung seien die "gestiegene Energiepreise, die eine Notenbank nicht wirklich beeinflussen könne"? Diese Teuerung kommt von der Gelddruckerei, der FED und anderer Notenbanken, die er als "Liquidität" bezeichnet. Da Rohstoffe in Dollars gehandelt werden, müssen alle drucken, um die entwerteten Dollars zu kaufen, um an die Rohstoffe zu kommen.
Er empfiehlt sich hier sehrwohl als EZB-chef.

Alpendollar
70
28.3.2011, 00:43
Woher das Geld kommt haben Sie nicht begriffen!

Die Notenbank kann Geld ausgeben bzw. die Banken leihen es sich von der Notenbank. Die Notenbank muß das ausgegebene Geld sich ebenfalls ausleihen (Staatsanleihen...). Bei Quarks und Co gibt es gute SEndungen im Internet über Finanzkrise und Geld...

Fredl Wurbala
02
28.3.2011, 09:59
Die Notenbank muß das ausgegebene Geld sich ebenfalls ausleihen (Staatsanleihen...).

Die Notenbank "druckt" Geld.

Der Staat bürgt dafür in Form von Staatsanleihen, und muss für diese Zinsen abliefern.

Daher auch der Wachstumszwang - da die Schulden nur steigen können (Zins & ZinsesZins)

Die Staaten zahlen auch keine Schulden zurück, sondern rollen sie weiter.

Da unser Geld nur aus Schuld geschöpft wird - Kredite - muss die Geldmenge ständigt ausgeweitet werden, um die Zinsen für die Kredite zu erzeugen.

Ist nun wiederum die private Verschuldung nicht ausreichend, um das zu erreichen, muss sich der Staat zusätzlich verschulden, um das zu kompensieren.

Das funktioniert ganz gut, solange die Realwirtschaft wächst, um diese neu geschaffenen Werte zu decken.

Allerdings hat sich die Finanzwirtschaft schon längst von der Re

Lars Jonka
04
28.3.2011, 01:39
Da irren sie sich gewaltig

Das Geld, mit dem die z.B. FED US-Staatsschulden monetarisiert ist keineswegs ausgeliehen, sondern glatt in die Tastatur gehämmert, d.h. aus nichts geschaffen, sprich gedruckt. Die Geldmenge explodiert. Der Dollar wird entwertet.

baikal_2000
00
27.3.2011, 22:18
ING und Staatshilfe

die Bestbieter mussten nicht vom Steuerzahler gerettet werden... tja... so stellen sich manche von Euch das Anlage-Paradies vor...
bitte immer vorher nachdenken bzw. nachforschen... alleine die ING hat vom Staat Niederlande 10.000.000.000,-- (10 Milliarden Euro) als Staats-Hilfe in der Finanzkrise erhalten

Alastair McKenzie
 
00
28.3.2011, 17:07
Und was ist mit den anderen Bestbietern?

Habe zumindest nichts davon gehört, dass Vakifbank und Denizbank Steuerzahlerhilfen bekommen haben. Die ING ist im Übrigen ein Riesenkonzern, mag Steuergeld bekommen haben, aber wohl eher nicht fürs Einlagengeschäft. Und selbst wenn ... immerhin merkt der Sparer, wo das Geld hingekommen ist, wenn die wenigstens halbwegs Zinsen zahlen. Erste & Raiffeisen haben Steuergeld bekommen und zahlen null Zinsen.

Heefcleeve
15
27.3.2011, 20:05
Ich glaub das alles einfach nicht

Zuerst hab ich gedacht, ich hab mich verlesen, aber es wird anscheinend wirklich über einen Selbstbehalt für die ERSTEN 10.000€ nachgedacht. Hallo liebe Sparkassenfreunde, gehts euch schon noch gut?

Das kann doch bitte einfach nicht wahr sein. Ich hab so eine Wut!

das ist fix
00
27.3.2011, 21:14

Mittlerweile dürfte Nowotny die Absurdität seines Vorschlages klar geworden sein.

http://www.tt.com/csp/cms/s... behalt.csp

Nowotny: "Die ersten 10.000 Euro auf einem Sparbuch sollen künftig nicht mehr der Einlagensicherung unterliegen.

mesche
02
27.3.2011, 20:43

ein Selbstbehalt in % der Einlagen wäre allerdings wirklich sinnvoll, um die Sparer zum Nachdenken über die Seriosität ihres Instituts zu bringen und diejenigen Banken zu fördern, die anständig wirtschaften.

HelHar
12
27.3.2011, 21:40

Und wie soll der Sparer die Seriosität prüfen? Anfangen Bilanzen zu lesen, die dann ohnehin gefakt sind?

mesche
02
27.3.2011, 21:55
im Moment wär´s besonders einfach

1. Hat gar kein staatliches Kapital gebraucht: Solide
2. Hat staatliches Kapital gebraucht und kann es rascher zurückzahlen als geplant: recht solide
3. Hat staatliches Kapital gebraucht und kann die Zinsen dafür bezahlen: Okay.
4. Hat staatliches Kapital gebraucht und kann nicht einmal die Zinsen bedienen: Finger weg!
Abgesehen davon reicht die einfache Regel: Hoher Ertrag korreliert mit hohem Risiko. Daher ist Vorsicht geboten.

Heefcleeve
01
27.3.2011, 20:54
Da stimm ich Ihnen ohne Weiteres zu

Ich bin ein scharfer Kritiker von Geldhortung und generell von zu hohen Sparquoten (gesamtwirtschaftlich gesehen).
Aber es muss für den einzelnen Sparer einen unantastbaren Freibetrag geben (sprich Einlagensicherung).

das ist fix
00
27.3.2011, 21:19

Bin auch kein Anhänger der Vollkaskomentalität, jedoch war die erste Äußerung Nowotnys absurd, er sagte, dass die ERSTEN EUR 10.000,- nicht gesichert sein sollen, dabei wäre eine Obergrenze von EUR 10.000,- diskussionswürdig.

Die hohen Sparquoten haben wir nur noch in DE, AT und ein paar anderen STaaten, sonst gibt es keine hohen Sparquoten mehr - in Japan ist sie stark rückläufig.

Sparquote Österreich: Lag die Sparquote 2008 noch bei 11,8 Prozent und 2009 bei 11,1 Prozent, so sank die Sparquote Ende des 1. Halbjahres-2010 auf 9,6 Prozent

http://diepresse.com/home/wirt... 10-Prozent

mesche
00
27.3.2011, 21:01
auch dazu gäbe es Alternativen

z.B. könnte man eine Art doughnut hole konstruieren: Die ersten 10.000 EUR sind jedenfalls einlagengesichert, darüber 1.000 EUR nicht, darüber 10%. Oder überhaupt alles, was 10.000 EUR übersteigt, ist vom Selbstbehalt betroffen. Allerdings hätte ein solches Modell den Nachteil, dass die Leute zum Verteilen der Gelder auf verschiedene Banken angeleitet werden. Das kann´s doch auch wieder nicht sein.

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