Weltmeister auf Red Bull gewinnt Saisonauftakt in Melbourne eindrucksvoll vor Hamilton und dem Mann mit dem Lotus-Renault
Melbourne - Weltmeister Sebastian Vettel hat am Sonntag in
Melbourne das erste Rennen der neuen Formel-1-Saison gewonnen. Der 23-jährige
Deutsche dominierte den Grand Prix von Australien in seinem
überlegenen Red-Bull-Boliden nach Belieben und feierte am Ende einen
ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Für Vettel war es der elfte
GP-Triumph seiner Karriere und die erste Zielankunft in Melbourne. Hinter Vettel landeten der Ex-Weltmeister Lewis
Hamilton
im McLaren sowie der überraschend starke Russe Witali Petrow im Lotus-Renault auf den
Plätzen zwei und drei. Vettels Teamkollege
Mark Webber musste sich in seinem Heimrennen hinter Fernando Alonso (Ferrari) mit Rang fünf begnügen. Unmittelbar vor dem Start hatte die Formel 1 mit einer
Schweigeminute der Opfer der verheerenden Naturkatastrophe in Japan
gedacht. Die Autos trugen zudem einen Aufkleber mit der Aufschrift
"We pray for Japan" ("Wir beten für Japan").
"Danke Jungs, fantastisch. Sehr cool. Exzellentes Auto, exzellente
Stopps", reichte Vettel nach der Zieldurchfahrt die Blumen an sein
Team weiter. Nach
seiner Gala-Vorstellung im Qualifying am Samstag dominierte Vettel auch
das Rennen am Sonntag scheinbar nach Belieben und lag am Ende mit
22,2 Sekunden vor Hamilton im
McLaren-Mercedes. Petrow, im vorigen Jahr beim
Saisonfinale Vettels Weltmeistermacher, fuhr zum ersten Mal in
seiner Karriere auf das Siegerpodest - und hielt wie damals in Abu
Dhabi auch diesmal wieder Alonso hinter sich.
Vettel behauptete beim Start mühelos seine Pole Position und setzte sich von Hamilton ab,
der seinerseits Webbers Angriff abwehrte. Am Ende der ersten Runde
hatte der Deutsche bereits einen Vorsprung von 2,4 Sekunden herausgeholt. Bis zu Vettels erstem Reifenwechsel in
Runde 14 war Hamilton zwar bis auf 1,5 Sekunden herangekommen, seine
zwei zusätzlichen Runden bis zu einem ersten Stopp in Runde 16 genügten
ihm aber nicht, Platz eins zu behaupten, obwohl Vettel von Jenson Button (McLaren) ein wenig
aufgehalten worden war. Mit einem spektakulären Überholmanöver war der Weltmeister am Briten vorbei gegangen und hatte sich danach wieder den nötigen Vorsprung auf Hamilton verschafft.
In der Folge kontrollierte Vettel Hamilton, der Probleme mit einem herunterhängenden Unterboden bekam,
und das übrige Feld souverän. Die zweite Runde an Reifenwechsel änderte an der Reihenfolge nichts mehr und der Red-Bull-Pilot fuhr unbehelligt seinem
ersten Australien-Sieg entgegen. Teamkollege Webber erlebte dagegen erneut ein eher enttäuschendes
Heimspiel. Der Australier, der von Rang drei gestartet war, kam nicht über Platz fünf hinaus - mit 38,1 Sekunden Rückstand lag er sehr deutlich hinter dem Weltmeister. Immerhin
stellte Webber aber seine bislang beste Australien-Platzierung aus dem Jahr 2002 ein.
Einen Totalausfall hatte Mercedes zu verzeichnen. Michael Schumacher, den ein von einem Konkurrenten aufgeschlitzter
Hinterreifen schon in der ersten Runde ans Ende des Feldes
zurückgeworfen hatte, stellte seinen Wagen in
Runde 22 in der Garage ab. Zwei Runden später wurde Nico Rosberg
von Rubens Barrichello von der Strecke gerempelt, der sich dafür eine Durchfahrtsstrafe einhandelte.
Bei der anschließenden Pressekonferenz stieg Vettel auf die
Euphoriebremse. "Die Saison ist noch sehr lang,
es kann also noch sehr viel passieren. Deswegen müssen wir mit beiden
Füßen auf dem Boden bleiben und dürfen nicht abheben. Wir müssen
Schritt für Schritt weitermachen." Zufrieden gaben sich auch Hamilton
und Petrow,
die angesichts der Dominanz von Vettel wussten, dass sie das Maximum
herausgeholt hatten. "Wir können sehr stolz sein mit Platz zwei. Vor
zwei Wochen hätten wir nicht einmal ein Top-Fünf-Ergebnis erwartet.
Das war eine große Leistung von uns", gab Hamilton zu Protokoll. Ähnlich
fiel das Resümee von Petrow aus."Wir wussten nach den
Tests eigentlich nicht, wo wir stehen. Doch mit den neuen Teilen ist
das Auto jetzt sehr stark geworden. Dazu haben wir alles perfekt
gemacht und können deshalb sehr stolz sein", jubilierte der 26-Jährige. Der erste Russe in der Formel 1 verdankt sein Engagement auch seiner Managerin Oxana Kossatschenko. Sie
hat beste Kontakte zur russischen Regierung und zu finanzkräftigen
Sponsoren, die Petrow erst den Verbleib im Renault-Team ermöglichten.
Ohne KERS, mit Schongang
Red Bulls Motorsport-Direktor Helmut Marko war voll des Lobes über seinen 23-jährigen Star: "Optimal, besser geht's nicht." An eine dauerhafte Dominanz will der Grazer aber offiziell nicht glauben. "In Malaysia haben wir
schon aufgrund der hohen Temperaturen eine völlig andere Situation", meinte er. Nach dem
optimalen Start habe Red Bull das Rennen nur noch nach Hamilton
ausgerichtet. Als der Vorsprung auf den
zweitplatzierten McLaren-Piloten dann groß genug war, schaltete
Vettel in den Schongang. "Zuerst ist Sebastian mit der Motorleistung,
dann auch mit dem Benzinverbrauch zurückgegangen", merkte Marko an.
Auf KERS hatte manvorerst
verzichtet,
"weil es nicht notwendig war." Für die Unterlegenheit von Webber werden technische Gründe vermutet: "Bei Mark wissen wir noch nicht, was da
genau los war, aber es muss irgendwas im Fahrwerk gewesen sein", sagte Marko. "Mark war weder mit den weichen noch den harten Reifen
richtig schnell. Dazu haben seine Reifen um ein Drittel schneller
abgebaut als bei Sebastian. Er musste also voll am Limit fahren,
damit er diese Platzierung ins Ziel bringt." Das nächste Rennen steigt in zwei Wochen in Kuala Lumpur. (red)