"Vollsprengung" war notwendig - Evakuierung von Bahnhof und Umgebung - Sperren bedingten Chaos im Verkehr
Graz - Ausnahmezustand herrschte am Freitagnachmittag und Abend rund um
den Grazer Hauptbahnhof. Nachdem bei Grabungsarbeiten am Vorplatz des
Hauptbahnhofs gegen 14.00 Uhr eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg
gefunden worden war, entschloss sich die Behörde für eine großräumige
Evakuierung, weil eine Entschärfung nicht möglich war. Stundenlang waren
wichtige Straßenzüge gesperrt, zwischen Bruck/Mur und Spielfeld verkehrten keine
Züge, Straßenbahnen und Busse wurden umdirigiert. Das Kriegsrelikt konnte
schließlich kurz vor 22.00 Uhr von Spezialisten mittels "Vollsprengung"
unschädlich gemacht, die Sperren kurze Zeit später aufgehoben werden.
Die Fachleute des Entschärfungsdienstes hatten in den Abendstunden eine
sogenannte Schneidladung an der 250-Kilo-Fliegerbombe englischer Provenienz
angebracht. Als die Evakuierung abgeschlossen war, erfolgte die lokale
Sprengung. Doch der Plan, den Explosivkörper zu öffnen und damit unschädlich zu
machen, ging nicht auf, wie Wolfgang Korner vom Entschärfungsdienst nach dem
Einsatz erklärte: Erst mit einer "Vollsprengung" mittels einer Hohlladung war
dies möglich. Die Detonation war praktisch im gesamten Stadtgebiet zu hören.
Verletzt wurde niemand, auch der Sachschaden hielt sich ersten Erkenntnissen
zufolge in Grenzen: Bis auf einigen Glasbruch dürfte die Druckwelle von dem in
einer fünf Meter tiefen Baugrube liegenden Explosivkörper ausgehende Druckwelle
keine Schäden angerichtet haben.
Evakuierungen
Die Errichtung der Sperrzone im Bahnhofsbereich hatte zuvor umfangreiche
Sicherungsmaßnahmen durch rund 100 Polizisten und Angehörige anderer
Einsatzorganisationen notwendig gemacht: Im Umkreis von 200 Metern mussten alle
Wohnungen, Geschäfte und Hotels evakuiert werden. Danach wurden Bewohner in
weiterem Umkreis via Rundfunk und Lautsprecherwagen aufgefordert, in den Räumen
zu bleiben und die Fenster offen zu halten. Im Hirtenkloster wurde eine
Betreuungsstation für die Evakuierten, insbesondere ältere und bettlägerige
Personen, eingerichtet.
Durch die Sperre des Bahnhofs und den Abzug des Personals kam der gesamte
Bahnverkehr zwischen Bruck/Mur und Spielfeld zum Erliegen. Tausende Fahrgäste
mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, weil auch der kurzfristig
improvisierte Schienenersatzverkehr nur bedingt Abhilfe schaffte. Auch im
innerstädtischen öffentlichen Verkehr kam es durch die Straßensperren zu
Problemen.
Entwarnung konnte auch wegen eines weiteren Bombenfunds auf einem Acker im
südsteirischen Gralla gegeben werden: Bei dem Kriegsrelikt handelte es sich um
eine Übungsbombe aus Beton. (APA)