Der Berg ruft

26. März 2011, 16:02

Der Grazer Schöckl ist touristisch-sportliches Erholungsgebiet - und Teststrecke für Allradfahrzeuge. Eine Tradition militärischen Ursprungs

Die Grazer lieben ihren Schöckl als Freizeitreservat. Toll erschlossen durch eine Seilbahn, bequem mit jedem Kraftfahrzeug zu bezwingen. Aber auch keuchende Mountainbiker, Wanderer und Skifahrer kommen hier auf ihre Rechnung.

Der Schöckl ist aber auch das Ganzjahres-Eldorado für Allradfahrzeuge, das unvergleichliche Testgelände für alle bei Puch in Graz beheimateten Geländefahrzeuge. Hier bestanden Haflinger und Pinzgauer ihren "Offroad-Führerschein". Auch schon seit Jahrzehnten jagen die Testpiloten aus Thondorf den Mercedes G über Stock und Stein den Berg hinauf und hinunter. Bei Vergleichsfahrten haben etliche Mitbewerber auf diesem Höllen-Parcours die Waffen gestreckt - und eine Bergabfahrt im "G" als Gast bei einem der Profis ist eindeutig ein unvergessliches Erlebnis. Mit Vollgas in der Falllinie durch den Wald, Millimeter an Bäumen vorbei, tänzelnd über Steine und Wurzeln, der Fahrer vergnügt, der Passagier mit feuchten Handflächen daneben.

An jeder Ecke ein SUV

Vor 75 Jahren galt Schöckl-Eroberung per Mobil noch viel mehr als heute als Herausforderung, vor allem als schwierige Prüfung für Geländefahrzeuge. Wo heute an jeder Ecke ein SUV steht, verfügte damals nur das Bundesheer über vergleichbares Material. Ende November 1936 trat die Grazer Divisionskraftfahrabteilung 5 zu dieser militärischen Übung an. Trainiert wurde schon vorher, Dobratsch und Zirbitzkogel waren bereits "bezwungen".

Abenteuer Gelände

Die Grazer Tagespost, damals die führende Bundesländerzeitung, begleitete diese Übung im Stile einer Abenteuerreportage: "Wir greifen den Schöckl an. Vorn ein wuchtiger Steyr-Geländewagen (ADG Austro-Daimler, 6-Zylinder, 65 PS, sechs Räder, vier treibende Hinterräder), dann drei Karetten (Steyr-Puch ADMK, 4-Zylinder, 20 PS, Zweischeiben-Halbnass-Getriebe, Geschwindigkeit Räder 45 km/h, Ketten 15 km/h) und als Nachhut ein Steyr 40 D (Steyr 640, 6-Zylinder, 80 PS, treibende Kraft vier Hinterräder)."

Und weiter: "Immer noch dicker Nebel, schon um 7.00 Uhr früh war die Sicht nur 40, 50 m. Vor einem steilen, schlüpfrigen Hohlweg lässt der Kommandant halten. Bei den Karetten (österreichische Spezialität, hatte sonst niemand. Anm.) werden die Hinterräder am Heck aufgesteckt, die Raupe aber eingekuppelt. Nun wälzt sich die griffige, eiserne Raupe über Steine, Wurzeln, breiiges Erdreich. Ihr macht es nichts aus, wenn die Vorderräder den Boden verlieren, da ist die Lenkung für die Katz, nur per Handbremse kann die Richtung gehalten werden (Jahrzehnte später hieß dies "Hand-brake-turn"). Rinegg, Römerweg, Altes Jägerhaus, Südhangweg waren Zwischenstationen, dann: Ziel erreicht. Der Kommandant und seine Soldaten waren stolz auf ihre Leistung."

Rabiate Mountainbiker

Heute, da geht's am Schöckl bekanntlich friedlicher zu, zivilisierter, ziviler. Gefechte werden allenfalls mit rabiaten Mountainbikern ausgefochten oder behördlich, mit Umweltaktivisten. Der Berg aber, der ruft immer noch. Auffi muass i! Und obi dann irgendwann auch wieder ... (Peter Urbanek/DER STANDARD/Rondomobil/März 2011)

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6 Postings
Meister der schreibenden Zunft:

Mit Vollgas fährt kein Mensch im Gelände bretternd durch die Pampa und sagt Trial oder Offroaden dazu.

Diese Beschreibung wird Rallye treffen, sofern a Kaliber vom Format eines Herrn Röhl anno 85 am Steuer sitzt.

Ein 400 PS Mercedes G (2. Beanstandung im Artikel, zur Entwicklungszeit anno 74 definitiv ein PUCH G) braucht bestenfalls ab und zu ein Tupferl am Gas an der Hürde, alles andere erledigt die Elektronik, die Fahrwerkstechnik und der Hubraum.

mfg, BB

@rabiaten Mountainbikern und generell Radler:

ganz allgemein, diese sich ständig vermehrenden Egoisten im typischen Papageienkostüm sind nicht nur auf Wanderwegen, sondern auch auf allen Straßen eine regelrechte Plage. Überallwerden Fahrradwege gebaut, nur fahren sie oftmals wie besoffen praktisch mitten auf der Fahrbahn herum, wenn sich dahinter unnötig Autos stauen, geht das denen am Arsch vorbei ...

Mit dem Auto durch den Wald!

Wie Deppert muß man da sein? Es reicht schon dass die hirnweichen, fettbäuchigen Jäger mit ihren SUV den Wald umpflügen! Respekt vor diesem Schwachsinn! Ignorrante Vollkoffer!

Gibt's die 640er noch...

...beim Heer ? War auch ganz erstaunlich was hemmungslose, gerade angelernte Junglenker mit diesem unscheinbaren, "schiachen" Ding anstellen konnten. Die sind dann später sicher auf Baulaster umgetiegen - jedesmal wenn so ein Verrückter mit einem Schotterberg im Genick im "search & destroy mode" daherkommt erinnere ich mich wieder... :-)

Handbrake-Turn???

Dieser angesprochene "Hand-brake-turn" war eine Zeit lang sehr bei jugendlichen Racern beliebt, vor es Gürtel-Breitreifen gab. Das kurze "Anreissen " der auf die Hinterräder wirkenden Handbremse brachte die Hinterachse zum Ausbrechen, und das Auto drehte sich um 180 Grad-spektakulär,und relativ harmlos.
Was bei kombinierten Rad-Kettenfahrzeugen passiert, ist aber ganz was Anderes: Die Ketten haben so viel Traktion, das eine Lenkung der Vorderräder wirkungslos bleibt, wenn nicht gleichzeitig die kurven-innere Kette gebremst wird, wodurch das Gefährt ruckelig aber doch in Richtung der gebremsten Kette gedreht wird- wie bei jedem Caterpillar, Bulldozer oder Bagger...

"Mit Vollgas in der Falllinie durch den Wald, Millimeter an Bäumen vorbei, tänzelnd über Steine und Wurzeln"

was bliebe einem armen Redakteur zu schreiben, nähme man ihm die Emotionen, mit denen heutzutage jede no so schlichte Story über Autos verkauft werden muß ...

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