Reiselesebuch über das slowenische Istrien
Mit Reiseführern ist das so eine Sache: Sie sollen schnelle Orientierung über das zu bereisende Land bieten, gleichzeitig in die Tiefe gehen, möglichst vollständig sein und dabei eine Seitenzahl von maximal 200 nicht überschreiten.
In diese Falle begeben sich Belona Berchtaler, Markus Messics und Armin Russold erst gar nicht. Ihr Führer „Slowenisches Istrien" nennt sich im Untertitel „Reiselesebuch" und der Landschaftsabschnitt, den es zu erlesen gilt, ist so klein, dass es gar nicht möglich ist, an der Oberfläche zu bleiben. Die bloße Auflistung von Fakten, die manche Reiselektüre schnell ermüdend werden lässt, ist schnell erledigt: Das slowenische Istrien ist gerade einmal 400 km2 groß. Von Koper bis Portoroz schlängelt sich die Küstenstraße - nicht mehr als 30 Kilometer. Aber die haben es - inklusive Hinterland - in sich.
Schirmherr der Entdeckungsfahrt ist Onkel Nesti, „schnauzbärtiger Handelsvertreter mit dichtem schwarzem, mittlerweile ergrautem Haar". So beschreibt Markus Messics seinen Onkel, den er als Bub mit seinen Eltern regelmäßig in Kocevje, Hauptort des ehemaligen Gotscheer-Landes, eine Stunde südlich von Ljubljana, besuchte. Onkel Nesti ist Schuld, warum Messics zum Slowenien-Liebhaber wurde. Das macht ihn zum Spezialisten, der an unentdeckte Plätze führt, magische Plätze (der rote Leuchtturm in Koper), kulinarische Geheimtipps (Meeresfrüchte in Kozina), süße Verführungen (Eis in Piran).
Wer es offiziell will, hält sich an die weißen Seiten in diesem Führer. Coautorin Belona Berchtaler sorgt für die Hardware zum Slowenien-Führer. Vor diesem Buch kannte sie - wie so viele - das Land nur von der Durchreise nach Kroatien. Als „passionierte Planerin, Listenschreiberin und Sich-Informiererin" klapperte Berchtaler in mehreren Besuchen die Küste ab und zeichnete akribisch auf, was es zu Land und Leuten zu sagen gibt. Zum bezaubernden Piran erzählt sie die Geschichte der Stadt (450 n. Chr sollen sich erste Siedler niedergelassen haben) und seiner berühmten Söhne (der Violinist Giuseppe Alessandro Tartini wurde 1692 hier geboren). Besonders lohnend das Kapitel über Berchtalers kulinarische Entdeckungen (fangfrischen Fisch in der Gostilna Za Gradom Rodica, in der Nähe von Koper), gefolgt von einer kleinen, feinen Rezeptauswahl: Von Bobici (Eintopf aus Mais, Bohnen,Tomaten, Petersilie, Knoblauch, Lorbeer und Schweinefleisch) und Hrostule (gebackene Teigtaschen, verfeinert mit Tresterschnaps).
Diese Kombination aus Expertise und jungfräulichem Blick schafft ein ziemlich komplettes Gesamtbild. Die Krönung des Bandes sind die Bilder von Armin Russold, die die Schönheit dieses Abschnitts auch aus der Ferne zum Genuss machen. (Doris Priesching/derStandard.at)