EU-Gipfel fordert weltweit AKW-Stresstests

25. März 2011, 11:06

EU-Experten für nukleare Sicherheit sollen Kriterien und Umfang "so rasch wie möglich" festlegen

Brüssel - Die Europäische Union will nach der Nuklear-Katastrophe in Japan AKW-"Stresstests" in ihren Nachbarländern und weltweit bei bestehenden als auch bei geplanten Anlagen fordern. Wie aus einem Entwurf der Brüsseler EU-Gipfelerklärung vom Freitag hervorgeht, "sollte dabei umfassend auf die einschlägigen internationalen Organisationen zurückgegriffen werden".

Die österreichische Forderung nach ausdrücklicher Erwähnung "unabhängiger Experten" zu Durchführung von "verpflichtenden" Tests und allfälliger Konsequenzen ist in dem Entwurf bisher nicht berücksichtigt. "Die Sicherheit der kerntechnischen Anlagen der EU sollte mittels einer umfassenden und transparenten Risiko- und Sicherheitsbewertung ("Stresstest") überprüft werden", heißt es in dem Text. "Die Kommission wird aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Europäische hochrangige Gruppe für nukleare Sicherheit und Abfallentsorgung (ENSREG) so rasch wie möglich in einem koordinierten Rahmen unter Berücksichtigung der Lehren aus dem Nuklearunfall in Japan und unter umfassender Einbeziehung der Mitgliedstaaten den Umfang dieser Tests festlegt und die Durchführungsmodalitäten ausarbeitet."

Merkel erwartet gemeinsame EU-Stresstests

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich optimistisch gezeigt, dass die EU gemeinsame Standards für die Sicherheit von Kernkraftwerken aufstellen wird. "Ich bin sehr froh, dass sich andeutet, dass wir hier zu vergleichbaren Stresstests kommen für die Kernkraftwerke", sagte Merkel zum Auftakt des zweiten Tages des EU-Gipfels am Freitagmorgen in Brüssel. "Und vor allen Dingen uns verpflichten, dass wir Sicherheit auf höchstem Niveau vereinbaren." Es reiche nach dem Atomunfall in Japan nicht, sich auf nationalem Niveau um die Sicherheit der KKW zu kümmern, sondern dies müsse auch europäisch und international geschehen. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen sich am Freitag auf einen Stresstest für alle Atommeiler in den EU-Staaten einigen.

NGO kritisieren Vorgaben als zu schwach

Dabei sollte vorhandenes Fachwissen - insbesondere des Verbands der westeuropäischen Atomaufsichtsbehörden - umfassend genutzt werden, heißt es in dem Entwurf. "Die Bewertungen werden von den zuständigen nationalen Behörden durchgeführt, und die Ergebnisse sollten mit der Kommission und innerhalb der ENSREG ausgetauscht werden."

Ganz allgemein soll der Gipfel unterstreichen: "Höchste Standards für die nukleare Sicherheit sollten in der EU angewandt und ständig verbessert werden und international gefördert werden." Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Richtlinie über die Atommüll-Entsorgung "sollte unverzüglich verabschiedet werden".

Umweltorganisationen wie Global 2000 und Greenpeace hatten die Vorgaben der EU für die "Stresstests" für die 143 Reaktoren in der Europäischen Union als zu schwach kritisiert und Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) aufgefordert, der Formulierung nicht zuzustimmen. (APA/Reuters)

Elén
00
25.3.2011, 21:33
Mh.

Früher war Politik nur verlogen, heute ist sie zusehends gemeingefährlich.

Sportler
00
25.3.2011, 16:55
naja, jetzt weiß man warum sarkosy den libyen einsatz vorantrieb...=> um von den atomkraftwerken abzulenken...

Thomas Bayer
00
25.3.2011, 15:47
Lachnummer Stresstest

nicht nur soll die Teilnahme freiwillig sein, wenn man die Erfahrungen mit Stresstest bei Banken berücksichtigt, dann hätte Fukushima sicher den Test bestanden. Eine billige Beruhigungspille.

Emiliano Zapata
 
00
25.3.2011, 15:17
die eu fordert weltweite stresstests

und hält sich dabei das hintertürl offen, die eigenen akw erst zu prüfen, wenn alle ihre anlagen stresstesten...
kann die euratom hier nicht verbindliche auflagen machen - ach so, die ist ja strukturell mit der eu ident... oder die iaea? da gibt es zwei internationale organisationen, sollten die nicht, gerade bei einer so sensiblen technik, eine art aufsichtspflicht haben und die möglichkeit massnahmen einzufordern?
mir ist bewußt, dass wir noch einige jahrzehnte mit akws leben werden müssen und die frage der endlagerung sowieso mindestens ebenso lange ungelöst bleibt. aber ein ausstiegsszenario sollte inzwischen ausgemacht werden, denn diese technik hat nur eine strahlende zukunft, keine wirtschaftliche...

Peacefaktor
00
25.3.2011, 14:34
Die Politiker

beweisen jeden Tag ihre Unfähigkeit Politik für die Bürger zu machen und zeigen so, dass sie vollkommen ungeeignet sind um so viel Macht über so viele Menschen verantwortungsvoll einzusetzen.
Die gesamte Elite samt deren Poltiker gehört ausgetauscht, denn auf deren Verlangen handeln die Politiker völlig verantwortungslos für die Allgemeinheit;(

Trevor Goodchild
00
25.3.2011, 13:43
Ihr, die Ihr sagt, dass Ihr die Verantwortung tragt:

Wie könnt Ihr nur mit dieser Technologie testen, arbeiten, leben?
Wieviele Plätze sind bereits auf Jahrtausende verstrahlt, um wieviel ist die Hintergrundstrahlung schon angestiegen auf dieser Erde.

Wenn Ihr so weitermacht, wird der Tag kommen, an dem wir keinen Schluck Wasser mehr trinken können, keinen Halm mehr essen können, keinen Kubikzentimeter Luft mehr atmen können.

Dann werdet Ihr sehen, dass man Geld nicht essen noch trinken noch atmen kann.

Trevor Goodchild
00
25.3.2011, 13:41
Irgendwann werden uns unsere Kinder fragen:

Wie konntet Ihr das zulassen, wo Ihr doch genau gewusst habt, was da vorgeht. Wie konntet Ihr die Erde für 100.000 Jahre belasten und verseuchen, wie eine Technologie benutzen und fördern, die nicht kontrollierbar ist, und solch horrenden - für fast ewige Zeiten tödlich gefährlichen - Müll produziert?

Und wie damals können wir nur sagen:
Wir wollten das nicht, wir konnten nichts tun gegen die, die die Macht innehatten und gegen diejenigen die damit Milliarden verdienten, die nicht einsehen wollten, dass man mit solchen Bomben und Kraftwerken nicht spielt noch arbeitet noch sonstwas.

Zamperl
04
25.3.2011, 11:21
Tschernobyl ist das Ergebnis eines "Stresstests"

Also, bitte a Bisserl aufpassen!

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