Analyse von Sprach-Expertin Tatjana Lackner
Am Donnerstag bekam die Redaktion von derStandard.at ein Mail eines Users, der offenbar der Meinung ist, dass Ernst Strasser nichts verbrochen habe, sondern "die vermeintlichen Lobbyisten ans Messer liefern wollte". Der User bat derStandard.at um eine Video-Analyse. Wir haben die Expertin Tatjana Lackner von der Schule des Sprechens beauftragt. Hier ist das Ergebnis:
"Ernst Strasser gestikuliert ausladend und protzt hör- & sichtbar mit seinen bereits akquirierten Kunden. Die territoriale Sprache ist durch Machtgesten wie erhobenes Kinn, kreisende Arme und 'Geld scheffelnde' Hände sichtbar. Nicht immer ist eindeutig zu unterscheiden, ob sein schlechtes Englisch das Gesprächshandicap darstellt, oder doch die investigativen Fragen seiner Gesprächspartner. Der Ex-ÖVP-Politiker wirkt keine Sekunde so, als müsste er sich 'in Acht nehmen'. Gelegentlich zeigt er sich sogar ungeduldig und bisweilen gelangweilt über die vielen Zweifel seine Lobbying-Kompetenz betreffend. Strassers Körpersprache verrät wenige Vorsichtsgesten. Er scheint sich seiner Sache durchwegs sicher zu sein. Er beteuert seine lauteren Absichten als Lobbyist und MEP. Mit 'Hände-hoch'-Haltung, offenen Handflächen und Schulterzucken versucht er, seine Redlichkeit zu unterstreichen und scheint davon selbst überzeugt zu sein.
Den Prahlhans erkennt man grundsätzlich an besonders ausladenden Armbewegungen, die für die betreffende Redesituation zu übertrieben sind. Lügner wechseln gerne das Gesprächsthema und schwindeln sich mit Witzchen und blumigen Anekdoten über Gesprächsklippen. Derartiges findet sich in den Sunday Times-Videos nicht.
Seine Stimme senkt er nur ein einziges Mal hörbar ab, als er betont, dass Vorsicht geboten sei - genau an der Stelle, an der es um sein Honorar geht. Gerne 'doppelt' er Aussagen, wenn er nicht weiter weiß. Geschwindelt könnte die Anzahl der sechs Klienten sein, die angeblich bereits 'sichere Kunden' sind. Da wird am Sessel herumgerutscht und im Ausatemhauch 'aus der Luft' gegriffen."(derStandard.at, 25.3.2011)