90 Millionen Euro werden in die Bahninfrastruktur zwischen Bregenz und Schweizer Grenze investiert – Während der Bahnausbau unbestritten ist, wird über eine neue Straßenverbindung wieder kräftig gestritten
In zehn Minuten von Bregenz in die Schweiz: Der Traum von der schnellen Verbindung wird spätestens 2015 für Zugreisende wahr. 90 Millionen Euro wird die Modernisierung der neun Kilometer kurzen Bahnstrecke zwischen Lauterach und St. Margrethen (Schweiz) kosten. Mit großem Bahnhof für die Verkehrsministerinnen Doris Bures und Doris Leuthard wurde der Baubeginn am Donnerstag in Lustenau gefeiert. Man zeigte sich stolz über die gelungene Kooperation: Die Schweiz steuert für die neue, hochwassersichere Brücke über den Rhein 20 Millionen Euro bei, das Land Vorarlberg finanziert das Gesamtprojekt mit zwölf Millionen mit, die EU hat die Planungskosten mit 1,5 Millionen unterstützt.
Fernziel ist die schnelle Verbindung Zürich-München. Eine Stunde könne man einsparen, verspricht Bundesrätin Doris Leuthard, München sei dann in drei Stunden und 15 Minuten erreichbar. "Vorausgesetzt, die Deutsche Bahn zieht nach." Noch fährt man auf der deutschen Seite des Bodensees ohne Strom und entsprechend langsam. Von der schnellen Fernstrecke werden auch die Nahverkehrsteilnehmer profitieren. Im Halbstundentakt geht es ab 2013 in die Ostschweiz.
Insgesamt investieren Bund, Land, Gemeinden und ÖBB in die Vorarlberger Bahninfrastruktur 170 Millionen Euro. Das "Rheintalkonzept" kommt bei der Bevölkerung an: Seit 2005 stieg die Zahl der Bahnkunden, so Bures, um 50 Prozent auf 32.000 Fahrgäste täglich. "Solche Steigerungen haben wir in keinem anderen Bundesland", lobte die Ministerin. Wie sich die Millioneninvestitionen auf die Tarife auswirken werden, wollte Bures nicht sagen: "Unsere Preise werden auf jeden Fall nicht so stark steigen wie die Benzinkosten."
Streit um Straße
Während die schnelle Bahnverbindung allgemeiner Konsens ist, wird über eine Straße zwischen den beiden Rheintalautobahnen wieder kräftig gestritten. Nachdem 2006 die von der Landesregierung favorisierte S18 vom Verfassungs- und vom Europäischen Gerichtshof nach 30 Jahren Diskussion gekippt worden war, wurde ein gemeinsamer Planungsprozess mit Gemeinden, Naturschützern und Schweizer Nachbarn gestartet. Nach über 20 Regionalforen und Sitzungen liegen die ersten Varianten vor. Die von der ÖVP favorisierte Variante ist für die Grünen "eine Wiederbelebung der Leiche S 18", weil sie wieder Natur-2000-Gebiet berühre. Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser (ÖVP) sieht die Grünen auf "Schlingerkurs", und der Wirtschaftsbund, seit Jahrzehnten vehementer Befürworter der Riedstraße, spricht von "Blockadepolitik". (Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2011)