Causa Kampusch

Staatsanwälte wehren sich gegen Anschuldigungen

24. März 2011, 22:11

Veröffentlichte Akten sollen saubere Ermittlungen beweisen – Ex-OGH-Präsident: "Erzwungener Abschlussbericht"

Wien - Jene fünf Staatsanwälte, gegen die im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Natascha Kampusch wegen Amtsmissbrauchs ermittelt wird, wollen nun durch die Veröffentlichung von Akten in die Gegenoffensive gehen. Ausgelöst durch die Anschuldigungen des ehemaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Johann Rzeszut, wurden im Herbst 2010 unter anderem gegen den Leiter der Staatsanwaltschaft Graz, Thomas Mühlbacher, und den Wiener Oberstaatsanwalt Werner Pleischl Ermittlungen von der bisher nicht in die Causa involvierten Staatsanwaltschaft Innsbruck eingeleitet.

Wie der STANDARD im Vorjahr mehrmals berichtete, warf Rzeszut, der Mitglied der Kampusch-Evaluierungskommission des Innenministeriums war, der Justiz vor, wichtigen Hinweisen nicht nachgegangen zu sein und den Chefermittler der Soko-Kampusch, Oberst Franz Kröll, der sich im Sommer 2010 das Leben nahm, unter Druck gesetzt zu haben. Kröll soll nicht geglaubt haben, dass Wolfgang Priklopil die Entführung der heute 23-jährigen Kampusch allein beging. Zudem wurde die einzige Tatzeugin, ein damals zwölfjähriges Mädchen, das stets von zwei Männern sprach, die Kampusch mit einem "weißen Kastenwagen mit dunklen Scheiben" entführt hätten, nie von der Justiz einvernommen.

Tatsächlich gab es im Herbst 2009 nur eine Gegenüberstellung der Zeugin mit Kampusch, die Kröll durchführte. Kröll lieferte dabei, so glaubt Rzeszut, das bestellte Ergebnis: "Die Zeugin wollte Kampusch nicht als Lügnerin hinstellen", so Rzeszut. Die Zeugin meinte damals, nachdem sie zehn Jahre lang das Gegenteil behauptet hatte, "angesichts Kampusch und ihrer Anwälte, sie könnte sich getäuscht haben".

Die Tageszeitung Kurier veröffentlichte nun ein altes Video, bei dem die Zeugin bei einer Tatrekonstruktion für die Beamten "absolut glaubwürdig" beide Täter beschreibt. Werner Pleischl empörte sich am Donnerstagabend im Gespräch mit dem Standard darüber, dass "unablässig Dinge behauptet werden, die überholt" seien. Darum veröffentliche man nun den 24-seitigen Abschlussbericht von Staatsanwalt Mühlbacher an das Justizministerium vom 18. Dezember 2009, einen Bericht und eine Anordnung Mühlbachers vom September 2009, Verfügungen und einen Vorlagebericht der Oberstaatsanwaltschaft Wien vom Februar 2010 sowie zwei Mails von Kröll an Mühlbacher und die Evaluierungskommission.

E-Mails des toten Polizisten

Unter anderem gehe aus den Schriftstücken hervor, dass kein Druck auf Kröll ausgeübt worden sei, erklärt Pleischl, weil er sich in einer E-Mail sogar "für die gute Zusammenarbeit bei Mühlbacher" bedanke. Rzeszut zeigt sich von den Akten wenig beeindruckt: "Jetzt präsentiert man genau den Abschlussbericht, den man von Kröll erzwungen hat" , meint er im Standard-Gespräch.

Und auch, was den E-Mail-Verkehr Krölls angeht, verhärten sich die Fronten: Denn Rzeszut wies schon im Herbst 2010 auf Mails des verstorbenen Chefermittlers hin, aus denen das Gegenteil hervorgeht. Nämlich, dass sich Kröll Vorwürfe machte, nicht seiner Überzeugung nach weiterermittelt zu haben, sondern die Untersuchung "auf Druck der Staatsanwaltschaft geschlossen" zu haben. "Das hat er sich nicht verzeihen können" , so Rzeszut. Er schrieb davon, dass ihn der Fall "noch im Siechenheim" verfolgen würde.

Pleischl, der es für "unerhört" hält, dass man der Justiz "überhaupt vorwirft, sie decke einen Kinderpornoring mit wichtigen Persönlichkeiten", betonte am Donnerstag auch, man sei "allen sinnvollen Ermittlungsansätzen nachgegangen".

Genau da spießt es sich: Rzeszut beharrt darauf, man habe nicht dieselben Ermittlungsansätze für sinnvoll erachtet. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 129
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Die Ente Lippens
04
28.3.2011, 10:16
Unfassbar: gehts um die eigene Haut und nicht um die der von Staatsawälten Angeklagten, schon darf das prinzip der Amtsverschwiegenheit verletzt werden.

erkelteter tiger
03
28.3.2011, 15:45
mein problem ist ja

dass die ja nur das veröffentlichen was ihnen nützt, das hat ja mit transparenz auch nichts zu tun,

und die selber versemmelten berichte sind alles andere als entlastend

suboptimal
 
43
28.3.2011, 12:34
Wenns der "Spitzenjurist" Rzeszut macht, dürfen es die angeschütteten Staatsanwälte auch.

Oder nicht?
P.S: Der Mühlbacher-Bericht war von Anfang an für die Veröffentlichung bestimmt. Und eine Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft, die via APA verbreitet wurde,
http://wien.orf.at/stories/380271/

sowie ein privates Weihnachtsmail können so geheim nicht sein wie die ungeschwärzten KLARNAMEN von unbeteiligten Zeugen, die RZESZUT in seinem Dossier mitsamt etlichen Polizeiprotokollen in die Öffentlichkeit erbrochen hat ..... *unfassbar*

Mal sehen, ob Rzeszut Persönlichkeitsrechte und Amtsverschwiegenheit missachten "darf" oder nicht?
Auch daran wird die Justiz gemessen werden ....

suboptimal
 
33
30.3.2011, 11:12
RZESZUT hat sogar andere vorsätzlich GEFÄHRDET .....

Laut RZESZUT und seiner zusammenfantasierten Mehrtätertheorie wird Frau Kampusch ja erpresst oder - alternativ - sogar BEDROHT, wie er bereits MEHRMALS ausgeführt hat - zum ersten Mal in seinem wichtigen "Offenen Brief" im Sommer 2009 - zuletzt in seinem wichtigen Dossier.

Das heißt, der "Spitzenjurist" RZESZUT setzt mit der "Verbotenen Veröffentlichung" (§ 301) von KLARNAMEN diese Zeugen einer erheblichen Gefahr aus UND NIMMT billigend in Kauf, dass diese von den VIELEN unbekannten "Mittätern" selbst bedroht werden – bedroht oder gar noch Schlimmeres, wenn man seinem eigenen Geschwurbel von der "finalen Lebensgefahr" folgt.

"Verbotene Veröffentlichung" (§ 301) ....
ha ha
guter Gag im Fall Kampusch, ein Selbstläufer .... :-)

Gusti Rentner
 
06
27.3.2011, 21:38
Und wenn es nicht (nur) um Kinderporno sondern um noch ganz andere Dinge ging? Keine Sorge: EINMAL KOMMT ES ANS LICHT !!!

straßenkehrer
05
27.3.2011, 10:47
Jeder Staatsanwalt -

der die, wie im Kurier veröffentlicht, Zeugenaussage einer Person die nicht Partei in dieser Sache ist, für diesen Fall nicht in Betracht zieht, gehört meiner Meinung nach sofort entweder auf seinen Geisteszustand hin untersucht oder wegen Mißbrauch der Amtsgewalt eingesperrt.

Rauscher, der Hundefreund
14
26.3.2011, 15:32
Tja, wenn ein Staatsanwalt sich empört und

... aufplustert, ist alles andere null und nichtig. Haben´s an Pascher Herr Dingsda?

Calle Cocco
112
25.3.2011, 14:07
Nur sorgfältig ausgewählte Dokumente veröffentlicht?

Die selektive Arbeitsweise der StA, speziell wenn etwas "zu beweisen war", kennen wir nur allzu gut von dem gerade kollabierenden Tierschützerprozess in Wr. Neustadt!

didi111
15
25.3.2011, 12:58
Natürlich können und dürfen sich die Staatsanwälte gegen Anschuldigungen wehren (dürfen);

ABER es soll schon auch gesagt werden, daß für diese Gruppe die gleichen Spielregeln gelten müssen wie für Otto Normalverbraucher.

Auch hier kann und soll man nichts überhöhen und auch nicht das Ansinnen Dritter, nachprüfen zu wollen, ob auch hier rechtens gehandelt worden ist.

Das ist legitim und soll auch "nicht ausgesprochen" für ALLE in Österreich lebenden Menschen gelten, auch für Staatsanwälte.

Also, lassen wir die Befindlichkeiten einmal "unten" und sehen das nicht als Angriff.

Popeye
14
25.3.2011, 12:20
Amtsgeheimnis wird gelüftet ohne rechtliche Folgen?

In der Monarchie befand die Obrigkeit wer angeklagt wird.

Das hat sich nicht geändert!

Eine stets willfärige Justiz macht Hexenjagt bei Politgegnern und Engerl aus Freunderl.

hanslblasta
00
26.3.2011, 21:13
"In der Monarchie befand die Obrigkeit wer angeklagt wird. "

äh? wer sonst?
ist die Staatsanwaltschaft nicht die Obrigkeit?

suboptimal
 
114
25.3.2011, 19:03
ha ha ….. Rzeszut und das Amtsgeheimnis

*schenkelklopf*

Die zwei "Ermittler" Adamovich und Rzeszut haben doch jedes vertrauliche Polizeiprotokoll, das ihnen in die Hände geraten ist, umgehend in den Medien "aufgedeckt", Woche für Woche.

Außerdem hat der Schwätzer Rzeszut mit dem Anhang von seinem Dossier
http://www.erstaunlich.at/images/pd... riko01.pdf
selber vertrauliche _dienstliche_ Dokumente von Oberst Kröll mit ungeschwärzten REALNAMEN ehemaliger Verdächtiger oder unbeteiligter Zeugen an die Öffentlichkeit verteilt. Alleine dafür würde ihm ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch gebühren, aber das wird dann wohl genauso ausgehen wie beim freigesprochenen Rufmörder.

P.S: Der Mühlbacher-Bericht war von Anfang an für die Veröffentlichung bestimmt.

marillensuppe
08
25.3.2011, 12:09
mühlbacherberichte fehlerhaft - das ist ja jetzt recht gut nachprüfbar

er schreibt von einer achtjährigen, die entführt wurde -
das mädchen war in wirklichkeit zehn jahre alt.
meint er die gleiche entführung?
soll man sich das halt einfach richtigdenken?

und beim fluchtdatum hat er sich ebenfalls verschätzt.

peinlich.
und ganz schön schlampig.

vielleicht sind ihm da überhaupt ein paar fälle durcheinandergekommen,
weil er sich beim recherchieren so schrecklich überanstrengt hat.

suboptimal
 
227
25.3.2011, 12:03
Eine Witzfigur ist "Aufdecker" Rzeszut ja schon seit seinem "Offenen Brief" an Frau Kampusch,

mit dem er sie im Sommer 2009 in den Medien von halb Europa vor ihrer "finalen Lebensgefahr" gewarnt hat. Um _frech_ nachzuschieben, dass sie eine Lügnerin, Mitwisserin, Mittäterin sei – natürlich immer nur "mutmaßlich". Macht man das in der Justiz heute so?

Bereits in seinem Offenen Brief steht haarklein das gleiche abgelutschte Geschwurbel drin, was er jetzt noch immer schwurbelt, immer im Konjunktiv versteht sich, obwohl danach alle seine Anwürfe und selbst erfundenen offenen Fragen noch einmal überprüft wurden.
Der ist in seiner schrägen Schwurbelwelt steckengeblieben – wie ein Radl im Gatsch.

sashila
03
27.3.2011, 10:59
@ suboptimal

immer wieder ihr ausgelutschtes "geschwurbel" zu lesen wird und ist auch schon fad.

Dr. Muffel
219
25.3.2011, 10:30
Einzeltäter

sind immer "praktisch", hierzulande besonders. Also:

Priklopil war Einzeltäter.
F.Fuchs war Einzeltäter
Und der Schicklgruber-Bua, den würde man sowieso am allerliebsten für immer und ewig als Einzeltäter sehn.

Personifizierte Unscheinbarkeit
00

Nicht zu vergessen, der Fritzl. Hat der alte Mann doch eine sauschwere Betontüre ganz allein eingehängt. Nicht zu reden von dem ganzen Verließ, welches er im Alleingang gebaut haben soll.

erkelteter tiger
16
25.3.2011, 12:18
ich glaub beim adi besteht auch kein zweifel

denn alle andern haben ja nichts gewusst und waren die ersten opfer

Frank Shudushi
13
25.3.2011, 12:47

Man braucht sich ja nur mal die Kommentare zu diesem Artikel
http://derstandard.at/plink/129... id20435006
ansehen um zu sehen, dass noch heute viele dieser "ersten Opfer" frei herumlaufen oder/und neue "Opfer" hinzugekommen sind.
Manche von diesem braunen Bodensatz würden wohl am liebsten wieder die "liebgewonnene" Tradition von Arbeits- und Besserungslagern aufleben lassen. Armes Österreich!

R. Lexer
81
25.3.2011, 11:36

Verschwörungstheorien sind auch immer "praktisch". Denn die erhöhen die Auflage.

Besondere Kennzeichen: keine
010
25.3.2011, 11:10
Abgesehen davon: Strasser ist natürlich auch ein Einzeltäter!

warpantrieb2
04
25.3.2011, 18:52

... und Fukushima ist ein besonderer japanbedingter Einzelfall

Lemure
 
10
25.3.2011, 12:10
Und nicht vergessen

auch Udo Proksch war ein Einzeltäter.

jutta 98
34
25.3.2011, 10:26
Was ich nicht verstehe:

Warum nennt Rzeszut nicht jene Ermittlungsansätze, welche er für sinnvoll erachtet?
Was weiß er wirklich?

Bisher sind ja nur Mutmasßungen von Rzeszut zu lesen.
Er nennt keine Beweise gegen einen bestimmten Täter oder Anzätze, wie man diesen ausforschen könnte. Darum geht es ja.

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