Symposion in Wien über den Handel mit NS-Raubkunst
Wien - Über den Kunstraub der Nationalsozialisten wurde in den letzten zwei Jahrzehnten viel geforscht: Er war beispiellos. Kein Geheimnis mehr ist zudem, wie die Republik Österreich in der Nachkriegszeit mit den Rückstellungswerbern umging. Doch welche Rolle spielte und spielt noch immer der Kunsthandel? Dieser Frage geht ein internationales Symposion unter dem Titel Kunst sammeln - Kunst handeln nach, das noch heute, Freitag, im Vortragssaal des Mak stattfindet.
Organisiert wurde das Symposion von der Kommission für Provenienzforschung. In ihrem Statement bei der Eröffnung am Mittwochabend im überfüllten Audienzsaal des Kulturministeriums sparte Eva Blimlinger, die Koordinatorin der Kommission, nicht mit Kritik: Im Gegensatz zur öffentlichen Hand seien sich im Kunsthandel "nur wenige der Verantwortung bewusst": Aufgrund fehlender systematischer Provenienzrecherche würden "noch immer zahlreiche bedenkliche Exponate gehandelt". Es wäre an der Zeit, "dass der Kunsthandel hier tätig wird, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, Handel mit Raubgut zu betreiben".
Dem brisanten Thema näherte man sich aber nur zögerlich an: Sebastian Schütze erläuterte in seinem Festvortrag, wie sich der Kunsthandel um 1700 professionalisierte. Monika Mayer, Provenienzforscherin des Belvedere, skizzierte das jüdische Mäzenatentum in Wien bis zur NS-Zeit. Und Vanessa Voigt berichtete über die brutale Vorgangsweise der Hitler-Schergen in München: In nur drei Monaten, zwischen 15. November 1938 und Februar 1939, wurden 72 jüdische Sammlungen beschlagnahmt. Nun soll - nach dem Vorbild von Sophie Lillies Nachschlagewerk Was einmal war - ein Handbuch über ebendiese herausgebracht werden.
Von nun an stand das Geschäftemachen im Zentrum: Meike Hopp widmete sich den Machenschaften des Kunsthändlers Adolf Weinmüller in der NS-Zeit, Gabriele Anderl analysierte die Wiener Situation. Kunst- und Antiquitätenhandlungen sowie Antiquariate in jüdischem Eigentum wurden "arisiert", entzogen oder aufgelöst. Verfolgte Juden waren gezwungen, ihren Kunstbesitz zu verschleudern, um die Zwangssteuern zu bezahlen oder die Flucht finanzieren zu können. Der Kunsthandel, so Eva Blimlinger, "zählte zu den großen Profiteuren dieser gewaltsamen rassistischen Umverteilungsmaßnahmen". (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 25. März 2011)