Wie Minister Darabos das Vertrauen verliert

24. März 2011, 17:36

Kommandant des Heeresspitals wird in Augenambulanz versetzt

Wien - Während General Edmund Entacher noch am Donnerstagnachmittag auf den Bescheid wartete, mit dem er über die Gründe seiner Abberufung als Generalstabschef informiert werden müsste, wird ein weiterer, ähnlich gelagerter Fall bekannt.

In beiden Fällen geht es - ähnlich wie beim Leiter des Bunkermuseums in Kärnten, Andreas Scherer - darum, dass der Minister spontan sein "Vertrauen" in langjährige verdiente Mitarbeiter verloren hat, wie das jeweils in den amtlichen Schreiben ausgeführt wurde.

Der aktuelle Fall betrifft das Heeresspital (HSP). Da war im November ein schwerer Konflikt zwischen Verteidigungsminister Norbert Darabos und dem Kommandanten Brigadier Michael Aichmair ausgebrochen, nachdem der Rechnungshof im HSP Missstände entdeckt hatte. Es ging dabei um angeblich unkorrekte Arzt- honorare und um falsch geführte Zeitaufzeichnungen - etwa um Überstunden, die für den 31. Februar verrechnet worden sein sollen. Allerdings: Keiner der Vorwürfe ist bisher bewiesen worden.

Die Disziplinarkommission, die lange vor dem Rechnungshof auf die möglichen Ungereimtheiten gestoßen war, hat seit eineinhalb Jahren nichts in der Sache weitergebracht. Dabei wird gegen 23 von 25 betroffenen Ärzten ermittelt - für alle müsste eigentlich die Unschuldsvermutung gelten.

Dennoch löste Darabos den Kommandanten ab und ließ ihn Dienst im Kommando Einsatzunterstützung machen. Dem Vernehmen nach saß der Brigadier dort fünf Monate lang in einem Kammerl, ohne dass ihm nennenswerte Aufgaben zugeteilt worden wären. Diese Dienstzuteilung läuft mit Monatsende ab - und Aichmair soll mit April wieder Dienst im Heeresspital machen - allerdings nicht als Kommandant.

Vorgesehen ist, dass er wieder ganz unten Dienst tun muss, wo er vor zwei Jahrzehnten angefangen hat: als Oberarzt in der Augenambulanz. Das ist ein Posten der Funktionsgruppe 1, ein schwerer finanzieller Verlust. Zum laufenden Verfahren wollte keiner der Beteiligten Stellung nehmen. (Conrad Seidl, DER STANDARD; Printausgabe, 25.3.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
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gefrajter_iz_jivica
00
10.4.2011, 09:47

Weg mit Darabos - und her mit einem Blauen!

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
30
26.3.2011, 14:26
Spricht eher gegen die Disziplinarkommission...

Ich wuerde die hier geschilderten Tatsachen so interpretieren, dass die Kameraden der Disziplinarkommission von ihrer Weisungsfreiheit gebrauch machen und halt nichts sehen wollen. Daher ist das Durchgreifen von Minister Darabos zu begruessen.

An diesem Fall zeigt sich die Grundproblematik unseres Beamtendienstrechtes: Im wesentlichen ist es ein Lehen, und der Dienstgeber muss Verstoesse nachweisen, um den Beamten loszuwerden.

Damit hat man einen Magneten fuer risikoscheue, faule Formalisten. Dazu kommt, dass das in der Disziplinarkommission die Haelfte der Mitglieder von der Personalvertretung entsandt wird. Ihr Abstimmungsverhalten ist vorhersehbar.

Entlassung eines Beamten sollte einfach durch eine Entscheidung des Ministers erfolgen.

Kronenzeitungsleser
01
27.3.2011, 11:53
...nicht nur im Beamtenrecht trifft den Beschuldiger

die Beweislast, auch im Arbeitsrecht. Dort können Sie auch nicht mir-nichts-dir-nichts jemanden feuern: "An diesem Fall zeigt sich die Grundproblematik unseres Beamtendienstrechtes: Im wesentlichen ist es ein Lehen, und der Dienstgeber muss Verstoesse nachweisen, um den Beamten loszuwerden.", ist deshalb ein ziemlich obsoletes Argument.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
10
27.3.2011, 19:11
Anpassung des Humankapitals..

Leider haben Sie in vielen Faellen recht. Auch in den USA schlossen viele Firmen mit der Gewerkschaft Vertraege ab, die Freisetzungen erschwerten - Beispielsweise die Stahlindustrie (R.I.P) oder neuerdings die Autoindustrie. Alle, die dies machten, gingen ueber kurz oder lang Bankrott.

Hier in den USA ist das Arbeitsrecht teilweise Sache des Einzelstaates: "Right to work" Staaten schraenken die Gewerkschaftsmacht ein. Wenn man sich nun die Wanderungsbewegungen anschaut - Leute zieht es in diese Staaten (They vote with their feet..)

Aber zu Oesterreich: Kann ein Betrieb nicht einfach ohne Angabe von Gruenden zunkuendigen -wenn er bereit ist, die entsprechende Abfertigung zu zahlen?

Kronenzeitungsleser
00
27.3.2011, 19:16
...sie gingen deshalb in Bankrott,

weil die Produkte leider nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Der Drive der amerikanischen Stahl- und Autoindustrie ist schon längst hinüber. Gucken Sie sich einmal die verrotteten Innenstädte an, etwa in Detroit, das sieht ja aus wie nach einem Bombenangriff, nachdem die Haustrümmer entfernt wurden. Junkies, Obdachlose, Arme...

Wenn der Arbeitnehmer nicht will, dann wird es wohl nicht gehen, in den meisten Fällen werden sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter diesen Umständen auf eine einvernehmliche Kündigung verständigen. Wussten Sie das nicht. Kann man in jeder Fibel der Arbeiter- oder Wirtschaftskammer nachlesen.

Bierpapst
01
26.3.2011, 21:11

Im Gegenteil. Als Gewerkschafter und Betriebsrat erlebe ich viel zu oft, dass dier Arbeitgeberseite sich über Menschen hinwegsetzt, die korrekt arbeiten, aber kurzfristigen Interessen der Arbeitgeberseite im Weg stehen.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
20
26.3.2011, 22:48
ZMP = Zero marginal product

Da sie sich als "Betriebsrat" und nicht als Personalvertreter sehen, nehme ich an, dass sie in der "Privatwirtschaft" taetig sind.
Die von Ihnen geschilderten Faelle sind offensichtlich Leute, die keinen Gewinn bringen (also korrekt ihre Arbeit machen - aber aus welchen Gruenden auch immer keinen zusaetzlichen Gewinn bringen - oder sogar Verluste...)

Natuerlich kuendigt man diese: Warum sollte man Arbeitnehmer sonst beschaeftigen?

Kronenzeitungsleser
00
27.3.2011, 11:56
...im Gegensatz zu Ihrem ist sein Nick echt!

Der Chef persönlich hat geantwortet.

Bierpapst
01
26.3.2011, 23:15

Sicher, ich arbeite in der Privatwirtschaft.
Und da gilt wie auch in der Gemeinwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung: Der Arbeitgeber (wenn man will: das Kapital) soll die Arbeit so organisieren, dass sie produktive Beiträge leistet, gerne auch Gewinn erwirtschaftet. Als Gewerkschafter wehre ich mich dagegen, dass der Arbeitgeber Leute einfach rauswirft, anstatt für sie eine produktive Einsatzmöglichkeit zu suchen und zu finden.

Kronenzeitungsleser
00
27.3.2011, 11:54
...Conrad, super!

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
10
27.3.2011, 00:03
Ihre Offenheit schockiert mich

Sie sehen also im Arbeitgeber jemanden, der Aebeitsplaetze schafft und dafuer ein gnadenhalber bisschen Gewinn einbehalten darf?
Ein ehrlicher Kapitalist wird bei so einem Spiel nicht mitspielen. Einzig Manager wie aus unserer Verstaatlichten, im ehemaligen Ostblock oder unsere "Gemeinwirtschaft" machen bei so einem Theater mit. Sie bekommen also Schaumschlaeger - die bei der erstbesten Krise untergehen.
Ayn Rand schildert in "Atlas shrugged", wie sich eine Gesellschaft entwickelt, in der solche Marotten ueberhandehmen. In den USA wird dieses Buch seit 50 Jahren sehr gut verkauft - in Europa kaum zu bekommen. Wenn sie also mal herueberkommen schauen sie bei einem Buchgeschaeft vorbei..
oder sie schauen sich die Verfilmung an (Premiere 15.4)

Kronenzeitungsleser
00
27.3.2011, 11:58
...glauben Sie nicht, dass man solche Bücher

auch über Amazon beziehen kann?

Kronenzeitungsleser
00
27.3.2011, 11:58
ja, 'Amerika du hast es besser'!

Das war schon immer so, deshalb sind die Leute auch gegen Westen gezogen, in das Pándi- und Indianerland.

mikromalist
 
02
25.3.2011, 19:27
Die Reihenfolge ist anders,

nach dem Vertrauensverlust, wird auch eine wichtige und korrekte Entscheidung als "grundfalsch" beurteilt.
Dara hat diese Grenze längst überschritten, sein eigenes politisches Begräbnis hat nur Aufschub.
Letztlich wird ihn seine Krone, die er so hofiert, stürzen.
Er klammert sich verzweifelt an sein Amt - er hat ja sonst nichts.

tock tock tock
01
25.3.2011, 13:38

Der Dari verstrassert halt zusehends ...

sennowise
104
25.3.2011, 10:17
Bravo Herr Darabos, Pfui Herr Seidl

endlich räumt jemand diesen jämmerlichen Haufen von Schmarotzern und Faulpelzen genannt Führungskader des OBH auf.
Das ist seit Jahrzehnten überfällig.

Das Geheul der Journaille in Person des Herrn Seidl ist ja nur noch peinlich. Wirklich jede Fehlleistung wird mit Zähnen und Klauen bis ins lächerliche verteidigt.

Kronenzeitungsleser
01
25.3.2011, 21:55
...hör immer das Wort Journaille, oder irre ich mich

da? Das sind doch genau die Töne, mit denen die KZ die Stimmungslagen des Volkes zum Schwingen bringt, oder irre ich mich da?

Wissen Sie was, ich bin gegen die direkte und indirekte Presseförderung von kleinformatigen Deppen- und Idiotenblättern, jenen, wo Sie ihre Informationen beziehen. Und bitte kommen Sie mir nicht, dass Sie diese nicht lesen würden, das ist vollkommen unerheblich. Sie bewegen sich genau auf der Linie von Pándi, Wolf Martin, Gnam und Co.

Prof. Alois
 
01
25.3.2011, 19:22
Peinlich ist Ihre Reaktion

Weil Sie kaum sachliches beitragen.

Jukebox
55
25.3.2011, 09:49

Dass das HSP ein Sauhaufen und Selbstbedienungsladen der Ärzte ist, hat ein Blinder mit dem Krückstock erkennen können.

Darabos handelt endlich (wenn auch erst nach einer RH-Kritik).

Und schon wieder passt es nicht. Dieses ständige Herummatschgern nervt, Herr Seidl.

Fritz Wunderlich
53
25.3.2011, 09:11

wenn einer im sauhaufen aufräumt, fallen ihm halt gerne gewisse medienleute in die arme

double standard
11
25.3.2011, 08:31

also ein bunkermuseum zu leiten sollt einem schon aus eigenem antrieb einen stellungswechsel schmackhaft machen

KTHXBYE
02
25.3.2011, 08:24
"Wie Minister Darabos das Vertrauen verliert"

Da ist er aus dem Schneider: nichts mehr zu verlieren.

Reg.Rat Borromäus Maschitz
14
25.3.2011, 06:19
berechtigte frage:

hatte er, seit er VM ist, das jemals - vertrauen?

Peda
23
24.3.2011, 22:28

Das HSP verdient die Bezeichnung 'medizinische Versorgungseinrichtung' nur in so weit, als dort Mediziner mit gut dotierten Posten versorgt werden. -Das sei hier nur nebenbei aus eigener Erfahrung erwähnt.

Aber BM Darabos hilft ja nicht den Missständen dort ab, sondern bestraft ein Bauernopfer mit der Begründung 'Vertrauensverlust'. Da kommen einem schon Zweifel, ob der Grund in Verfehlungen als Kommandant liegt, oder doch anderswo.

Prof. Alois
 
01
25.3.2011, 19:24
Ein Militärspital ist ein Militärspital

Es wird aktuell nicht gebraucht. Trotzdem muss man Personal und Einrichtungen vorhalten. So einfach ist das.

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