Braucht man für Entscheidungen Intelligenz?

12. April 2011, 15:58
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Michael Krammer, CEO von Orange, mit Gedanken dazu wie schwer es ist Entscheidungen zu treffen - auch im Sinne der Nachhaltigkeit

Entscheidungen innerhalb eines Unternehmens müssen täglich und an vielen Stellen getroffen werden. Diese Vielzahl von Entscheidungen erfordern klare Rahmenbedingungen und eine Strategie, die jeder Mitarbeiter kennt und versteht. Wir haben im Unternehmen versucht für größere Entscheidungen ein strategisches Rahmenwerk zu schaffen. Allen Mitarbeitern soll eindeutig klar sein, welche strategischen Ziele wir haben und wie daher ihre Entscheidungswelten aussehen. Wichtig ist auch in welchem Umfeld der Mitarbeiter Entscheidungen trifft, ohne sich dabei über drei Hierarchieebenen absichern zu müssen.

Bei jeder vorbereiteten Entscheidung gibt es immer mehrere Varianten. Diese Varianten werden nach mehreren Kriterien analysiert und der Fachbereich, der die Entscheidung vorbereitet, muss eine klare Empfehlung mit Begründung abgeben. Ein ganz wichtiger Punkt ist die realistische Berechnung von Business Modellen. Voraussetzung jeder Entscheidungsvorbereitung ist auch immer eine Darstellung des maximalen Risikos, einerseits um sich das Risiko bewusst zu machen und andererseits um sich bereits erste Maßnahmen zu überlegen, wenn es in Richtung maximales Risiko geht.

Transparente Strategien

Im Zuge der Kommunikation ist es sehr wichtig, bei allen Entscheidungen die Rückschlüsse auf die Strategie transparent zu machen und zu hinterfragen, ob im Entscheidungsfindungsprozess unsere strategischen Schwerpunkte auch wirklich berücksichtigt wurden. Bei der Begründung für die Entscheidung soll noch einmal auf die Strategie verwiesen werden. Dieser Prozess ist mit der Zeit gewachsen.

Flucht oder Angriff

Eine wichtige Frage ist auch - braucht man für Entscheidungen Intelligenz? Ich sage nicht unbedingt. Die Amöbe entscheidet auch: Flucht oder Angriff? Sich für Angriff oder Flucht zu entscheiden ist etwas Instinktives und kein bewusster Vorgang. Intelligenz mag dabei zwar helfen, aber entschieden wird am Ende immer durch die Emotion. Deshalb soll man auch nicht zu viel Angst vor Komplexität haben. Analyse ist wichtig, aber man kann ein Thema zu Tode analysieren und kommt nie zu einer Entscheidung. Irgendwann muss aber gesagt werden: "So machen wir es!" Das passiert in erster Linie auf der Gefühlsebene.

Die Qualität der Umsetzung hängt nicht nur von der Entscheidung selbst, sondern noch viel stärker von der Akzeptanz jener ab, die sie ausführen. Selbst die beste Idee von außen ist immer noch schlechter, als die schlechteste Idee von einem selbst. Ganz nach der Formel: Entscheidung = Qualität mal Akzeptanz zum Quadrat. (Michael Krammer*, derStandard.at, 12.4.2011)

Zum Autor*

MICHAEL KRAMMER (50) ist seit 2007 CEO von Orange in Österreich. Der Absolvent der Theresianischen Militärakademie begannt seine berufliche Laufbahn 1991 beim ÖAMTC, wechselte zu max.mobil im Jahr 1998. Dort war er zwei Jahre lang für den Bereich Customer Care verantwortlich, bevor er im Jahr 2000 als Leiter der Business Unit Business Customers in den Führungskreis des Unternehmens einzog. Im Juni 2002 folgte er dem Ruf zu tele.ring. Für die Werbekampagne "Weg mit dem Speck" erhielt der Vater von drei Kindern mehrere Auszeichnungen, unter anderem die des Marketer des Jahres 2003. Nach der Übernahme von tele.ring durch T-Mobile ging der begeisterte Ausdauersportler im Mai 2006 für ein Jahr als Vorsitzender der Geschäftsführung zu E-Plus nach Deutschland.

Buch-Tipp: Der Gastbeitrag ist inhaltlich Teil des Buches "Gelebte Nachhaltigkeit - 10 Impulse zur ganzheitlichen Unternehmensentwicklung", Kurt Mitterer, Volker Buchegger, Bernhard Witzeling (Hrsg.), Linde Verlag, Wien, 2011. ISBN: 9783709303337

Siehe

Gastbeitrag von Friedrich Blaha: Die Antwort lautet: Geld verdienen

  • Michael Krammer.
    foto: orange

    Michael Krammer.

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