Warum eigentlich will Bürgermeister Häupl keine Windkraftwerke auf der Insel?
"Wir werden in Wien keine Windkrafträder auf die Donauinsel stellen", verfügte Wiens Bürgermeister Michael Häupl in der verwichenen Woche bei der Klubklausur der Wiener SPÖ im burgenländischen Rust. Und seither grüble ich: Warum eigentlich?
Just in der Zeit, wo alle gebannt nach Japan schauen, wo die Debatte um Atomkraft präsent und intensiv ist, wie schon lange nicht mehr. In einer Zeit, in der man besser denn je Menschen von der Notwendigkeit des Ausbaus nachhaltiger Energiegewinnung überzeugen kann - kommt genau dieses: Keine Windräder auf der Donauinsel.
Gewiss, immerhin verkündete Häupl gleich im nächsten Satz: "Mit dem heutigen Tag schlage ich vor, dass Wien in das Solarzeitalter des 21. Jahrhunderts eintritt." Das war am 17. 3. 2011. Ein bisserl spät zwar - aber immerhin. Und das am Dienstag von der Grünen Energiestadträtin Maria Vassilakou präsentierte Wiener Beteiligungsmodell für Fotovoltaikanlagen ist der erste wirklich ernsthafte Schritt in diese Richtung.
Aber man kann auch bitzeln und ganz genau hinhören: Häupl hatte den "Schritt in das Solarzeitalter" vorgeschlagen. Bei den Windrädern hingegen legte er sich eindeutig fest: "Wir werden" keine Windräder auf die Donauinsel stellen.
Ein Windrad von Wien-Energie
Ganz abgesehen davon, dass auf der Donauinsel ja schon ein kleines, aber feines Windkraftwerk steht - und zwar justament eines von der Wien-Energie. Es war damals, 1997, das erste Windkraftwerk, das im Wiener Stadtgebiet errichtet wurde. Auf der Donauinsel.
Klar ist aber auch: Will man ernsthaft erneuerbare Energie forcieren, wird das nur in einem vernünftigen Mix möglich sein, aus Fotovoltaik, Biomasse, Wasserkraft ... - und natürlich auch Windenergie. In Kombination mit entsprechenden Speichersystemen.
Aber noch einmal zur Frage: Warum eigentlich keine Windräder auf der Donauinsel? Weil sie hässlich sind? Weil sie die naturnahe Ästhetik von Millennium-Tower und Donaucity stören könnten? Oder weil sie so "schiach" sind wie ... ja, wie die Staumauer eines Donaukraftwerkes vielleicht? (Romand David-Freihsl, derStandard.at, 24.3.2011)