Berg- und Talwärts

Mit den Öffis zur Tour

24. März 2011, 16:59
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    foto: österreich werbung/öbb

    Anreise & Unterkunft:
    "Salzburger Skitouren mit Bahn und Bus", Hrsg. AV-Sektion Salzburg, Tel.: 0662/82 26 92.

    "Skitouren mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Großraum Innsbruck. Hrsg. AV Innsbruck", Tel.: 0512/58 78 28.

    "Salzburger Pistentourenguide" und "Pistentouren im Großraum Innsbruck Sicher & Fair". Beide herausgegeben von Kochalpin, Tel.: 05223/45 59 40.

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    foto: apa

    Mit der Bahn über den Semmering in die Berge: Nur ein geringer Anteil der Wanderer und Bergsteiger reist in Österreich öffentlich. In der Schweiz sind es immerhin 45 Prozent.

Die größte Umweltbelastung im Alpintourismus ist die An- und Abreise. Nur 13 Prozent verreisen öffentlich

Bahnhof Wien-Meidling, 8.25 Uhr. Eine Lautsprecherdurchsage: "Der Eurocity Stadttheater Klagenfurt mit der Planabfahrt um 8.29 Uhr hat voraussichtlich fünf bis zehn Minuten Verspätung." Grund ist ein Schaden im Triebwerksystem. Nach zehn Minuten folgt eine neuerliche Durchsage: "Der EC mit der Planabfahrt um 8.29 wird voraussichtlich 15 bis 20 Minuten verspätet abfahren." Die Durchsage wiederholt sich nach weiteren zehn Minuten. Nun soll die Verspätung 25 bis 30 Minuten betragen. Als der Zug dann mit insgesamt 32 Minuten Verzug anrollt, ist der Waggon eiskalt, und die Toilette sperrt nur nach einem lediglich dem Schaffner bekannten System. Die Frage, ob etwas von der Verspätung aufzuholen sei, beantwortet der Zugbegleiter mit einem entwaffnenden "Eher nicht", denn in Wiener Neustadt müsse die Lok gewechselt werden. Der Anschluss ist damit futsch.

Kurz vor Leoben dann eine Frohbotschaft: Reisende in Richtung Schladming würden mit einem Postbus weiterbefördert werden. Dieser trifft, statt wie versprochen um 11.15 Uhr aber erst gegen halb zwölf Uhr ein. Der freundliche Chauffeur bedauert, er habe erst kurz vor elf Uhr von seiner Extratour erfahren, aber er werde jeden Fahrgast am gewünschten Zielbahnhof absetzen.

Um 12.15 Uhr erreichen wir Wald am Schoberpass. Eine zweieinhalbstündige Spätwinterwanderung beginnt, durch sonnenwarme Landschaft, einem glucksenden, "vom Eise befreiten" Bach entlang, unter Nadelbäumen, von denen der schmelzende Schnee in den Nacken tropft. Ziel ist ein Forsthaus im Liesinggraben, ohne elektrisches Licht, mit Plumpsklo und Wasser von der Bachquelle. Knapp vor der Hütte geht die Sonne unter, schlagartig wird es eisig kalt, der Wind setzt ein.

Die Freunde, alle mit eigenen Autos angereist, haben einen Traumtag mit Tourenskiern oder Schneeschuhen hinter sich, im Forsthaus bullern die Holzöfen, der Schweinsbraten duftet, und draußen zieht eine klare Nacht mit Sternen und Milchstraße auf, wie man sie unter der Dunstglocke der Städte und Verkehrstäler längst nicht mehr kennt.

Schlechte Erreichbarkeit

Die größte Umweltbelastung, die sich aus dem Alpintourismus ergibt, ist der Ressourcenverbrauch durch die Anreise. Dies zu betonen wird die Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins nicht müde und versucht, das auch mit Zahlen zu untermauern. Nur 13 Prozent der auf österreichischen Schutzhütten befragten Wanderer und Bergsteiger reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an im Unterschied zu immerhin 45 Prozent in der Schweiz. Für AV-Naturschutzreferent Peter Hasslacher ist das neben einer im Vergleich zur Schweiz schlechten Erreichbarkeit der österreichischen Bergregionen mit Öffis auch auf das Fehlen einer entsprechenden Reisekultur zurückzuführen. "Skitouren mit öffentlichen Verkehrsmitteln" lautet daher eine Initiative, die der ÖAV gemeinsam mit ÖBB und Postbus, gefördert vom Lebensministerium, startete. Nach einem Auswahlführer für Skitouren mit Bahn und Bus im Raum Salzburg gibt es einen solchen auch für den Großraum Innsbruck. Beide werden ergänzt durch Gratisbroschüren über Pistentouren im Großraum Innsbruck bzw. Salzburg, herausgegeben vom Sportausrüster Kochalpin, die neben den Vorschriften für die Benutzung der diversen Lifttrassen durch aufsteigende Skitourengeher auch die Erreichbarkeit der Anlagen mit öffentlichen Verkehrsmitteln angeben. Leider gibt es noch immer viele Wander- und Tourenführer, denen solche Hinweise fehlen.

Rückfahrt am Sonntag. Die Eisenbahnstation Wald am Schoberpass hat sogar noch einen Bahnhofsvorstand, der für seine Existenz die erstaunliche Erklärung abgibt, ein Fahrkartenautomat sei zu teuer. Er druckt ungefragt die Fahrplanauskunft aus, die da lautet: Wald am Schoberpass ab 12.05 Uhr, St. Michael in Obersteiermark an 12.28 Uhr, ab 12.33 Uhr, Bruck/Mur an 12.53 Uhr, ab 13.03 Uhr, Wien Meidling an14.59 Uhr. Pünktlich hält der Regionalzug, die Anschlüsse verkehren auf die Minute genau, die Waggons sind warm, die Toiletten funktionieren.

Als die Freunde mit ihren Allradern noch lange im Stau stecken, dampfen bereits die Dinkelnudeln mit Bärlauchpesto, ein Blaufränkischer duftet aus dem Glas, und auch die Katze, von einer Freundin gut versorgt, schnurrt zufrieden. (Horst Christoph/DER STANDARD/Rondo/25.03.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
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AngelikaSch
00
Es gibt einfach keine BahnfahrerInnenlobby in Österreich.

Alleine wenn ich mir die Wandertipps im Standard von vor ein paar Jahren anschaue: die Hälfte der Touren, die früher öffentlich erreichbar waren, sind es jetzt nicht mehr!
Es wird auch immer schwieriger bis unmöglich, im Zug ein Rad mitzunehmen, obwohl das in vielen Urlaubsorten ideal wäre. Klar, dass dann alle mit den Autos fahren.

docw
13
28.3.2011, 20:07

ich fahre mit meinen buben im schnitt 25-27 tage schi/snowboard pro saison. wenn ich öffentlich zum skiopening nach schladming fahre, kommen wir auf einen skitag-mit dem auto auf drei. ausserdem ist es sehr schwierig,mit öffis 2 paar tourenski, einmal freerider und einen normalen ski mitzunehmen, dazu noch ein snowboard und dementsprechende schuhe. jetzt noch helme, schuhe und kleidung - und genau deshalb habe ich mir einen pick-up gekauft. und wie komme ich am abend zum essen ins untertal, zur holzhackerstubn auf der planai oder ins pichlgut? also dieser vorwurf an die autofahrer ist kindisch.

Brunelleschi
00
27.3.2011, 22:53
Wanderbusaktionen

Gute Postbusaktionen gibts auch in den wärmeren Jahreszeiten, der Wanderbus sollte eh bald wieder starten. Die Wanderregionen sind leider noch schlecht erschlossen was Öffis betrifft, aber ich finds gut wenn Postbus & Co da was ändern wollen.

peter Egon
00
25.3.2011, 13:52
Da gibt es einige gute Alternativen

http://www.alpine-pearls.com/
und
http://bergsteigerdoerfer.at/

altbürgermeister
01
25.3.2011, 10:41
Ideale Wanderverbindung:

Wien Meidling nach Payerbach (Dauer genau 60min): einmal umsteigen in Wr. Neustadt, von dort Richtung S. Haller-Haus, Krumbachstein, ev. Überschreitung zum Schneeberg.

Wien Meidling nach Puchberg/Schneeberg und Losenheim: umsteigen in Wr. Neustadt, mit ÖBB-Ticket Gratis-Bus von Retter Reisen nach Losenheim zum Sessellift, weil gleiche Trifzone! (Dauer genau 1h37min), dort Aufstieg Schneeberg zB Fadensteig, Möglichkeit Überschreitung und Rückreise ab Payerbach.

unterwegs in Österreich
00
26.3.2011, 02:10
Und wenn man in Meidling den Regionalzug nimmt,

der 15 Minuten vor dem EC/IC/was_auch_immer fährt, erspart man sich in Wiener Neustadt das Umsteigen. Das ist der Regionalzug, in den man in Wiener Neustadt umsteigt.

Wegen des Umsteigens fahre ich normalerweise schon ab Meidling mit dem Regionalzug, hat noch dazu den Vorteil, dass wenn die Straßenbahn oder Ubahn eine Störung hat, man mit dem EC/IC auch noch fahren kann und den 'Regionalzug in Wiener Neustadt erwischt.

werner tamandl
12
25.3.2011, 07:44
Fahren sie mal ins Südburgenland !

mit dem Bus 4 stunden , aber noch nicht am Ziel !
Zug fährt nur bis Oberwart !
Orte wie Bad tatzmannsdorf , Goßpetersdorf , Rechnitz und Güssing mit der bahn nicht erreichbar !
dafür gibts landesförderung für eine Museumsbahn !
55 Millionen für den Norden / Mitte , aber der Süden bekommt nichts , trotz hoher Treibstoffpreise und Co2 !
die Schweiz ist vorbild für die ÖBB !!!

unterwegs in Österreich
11
26.3.2011, 02:02
Die Schweiz ist nicht Vorbild für die ÖBB

sonder für Österreich bzw. deren Politiker.

Die ÖBB muss mit dem Geld auskommen, dass sie erwirtschaftet bzw. das ihr die Politiker zukommen lassen.

Die Schweizer Regierung hat für die Bahnen einfach mehr Geld übrig.

morgen war gestern
11
25.3.2011, 09:08

das ist mittlerweile in vielen regionen österreichs so, nur weiß das in wien keineR (oder besser gesagt, unsere probleme sind denen sowas von wurscht).

Pepito Sbazzegutti
00
25.3.2011, 09:56

bin wiener und weiß es trotzdem. was nun?

morgen war gestern
02
25.3.2011, 10:09

richte jenen, die meinen, dass

a) benzin noch immer zu billig ist
b) jeder den öffentlichen verkehr benutzen soll

liebe grüße aus, sie mögen einmal zu uns kommen und uns das vor ort erklären, wie sie sich das vorstellen.

danke, das würde schon etwas helfen.

superloser
31
25.3.2011, 11:37

Wäre die Nachfrage nach öffentlichem Verkehr entsprechend, dann würde sich das im Angebot bemerkbar machen.
Aber euch könnte man ja einen Hochgeschwindigkeitszug hinstellen und die Fahrten zum Nulltarif anbieten, und ihr würdet auch bei Zehn Euro für den Liter Benzin noch mit dem Auto fahren.

Weil es schließlich individueller ist.

luke skywalker
51
25.3.2011, 17:49
Sie wollen also 2 PKWs

die zusammen max. 15 Liter brauchen
durch einen Bus ersetzen, der 40 Liter braucht.

Und den Busfahrer müssens auch noch zahlen.

Und für die Insaßen hieße das: 1,5h anstatt 15min mit dem PKW (inkl. Fusswege, ...)

Da erübrigt sich weiterer Kommentar.

morgen war gestern
02
25.3.2011, 11:55

dass das net stimmt, weißt' selber auch, oder?

Pepito Sbazzegutti
00
25.3.2011, 11:06

das sind forderungen in und für wien und da triffts auch zu.

und überweisens mir 100.000 euro. ich schau mal was ich machen kann. ;)

morgen war gestern
00
25.3.2011, 11:56

kann ich dich auch leasen? oder im zusammenhang mit öffentlichem verkehr war das doch immer thema: kann man dich cross-boarder-leasen?

Pepito Sbazzegutti
00
25.3.2011, 13:08

reden wir noch vom öffentlichen oder schon vom individualverkehr? bin nämlich schon vergeben. :)

HerrUnmut
00
24.3.2011, 23:14

Also ich muss auch mal sagen, ich hab schon mehrere Male den Postbus zum wandern genutzt, der hat tolle routen und einen extra wanderbus und das lief alles problemlos, man kann also auch getrost die Öffis mal benutzen... so schnlecht sind die nicht.

luke skywalker
113
24.3.2011, 18:14
Bin umweltbewusst, deshalb nehme ich den PKW

auch wenn die Bahnfanatiker es nicht wahrhaben wollen, aber die Bahn braucht schon fast die Energie eines alleinfahrenden PKW für 100 Passagier-Kilometer

http://www.faz.net/s/RubC540... ntent.html

Fährt man mit Familie, ist der PKW das bei weitem energiesparendste Verkehrsmittel.

virt
10
17.6.2011, 11:14

das problem ihrer berechnung ist: die bahn fährt so wie so. ob sie drin sitzen oder nicht. darum ist ihre autofahrt eine rein zusätzliche.

luke skywalker
01
17.6.2011, 12:49
Aha, ist das ein Naturgesetz ??

So wie die Sonne am morgen aufgeht muss also die Bahn sowieso fahren ??

Und das ja möglichst im Stundentakt und überallhin ??

Genau das möchte ich massivst in Frage stellen.

Die ganzen Geldvernichter Nebenbahnen gehören besser gestern eingestellt und die Schienen eingeschmolzen.
Dafür dass da leere Züge fahren kann ich nichts, das habe nicht ich zu verantworten.

Die Aufforderung deshalb Bahn zu fahren ist in etwa so wie wenn ich zu Ihnen sage: die Autohersteller produzieren soviele schöne autos. Also kaufen Sie sich gefälltigst eines.

virt
00
18.6.2011, 22:16

die nebenbahnen

genau

ihrer ansicht nach müßten also alle außer der süd- und westbahn aufgelassen werden, oder?

wirklich gewinnbringend sind nämlich derzeit nur diese.

wenn allerdings die "nebenbahnen" keine fahrgäste mehr zu den "gewinnbringenden" zubringen, dann sind auch die süd- und westbahn nicht mehr so lukrativ.

luke skywalker
00
19.6.2011, 09:25
AB und zu fahr ich mit der Westbahn

aber die Zubringer dorthin brauche ich nicht.
Die braucht übrigends niemand, weil dann würden außer ein paar (pensionierten) Eisenbahner auch wer drinsitzen.
Diese Relikte aus Kaisers Zeiten haben sich einfach überlebt, das solle man einmal akzeptieren.
Postkutschen fahren ja auch keine mehr.

Ruskij
00
28.3.2011, 10:28

Wobei die Rechnung auch nicht stimmt, weil ja jeder zusätzliche Passagier im Zug quasi keinen zusätzlichen Energiebedarf bedeutet.

fizcaraldo
02
25.3.2011, 22:37

Ein Zug verbraucht bei 320 km/h mehr als ein Auto mit 100 km/h. Was für eine Überaschung.

Vielleicht hätte man den 320 km/h Zug auch mit dem Verbrauch eines 320 km/h Autos vergleichen sollen?

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