Portugal

Steigender Druck der Finanzmärkte

24. März 2011, 18:00

Portugal nach Regierungskrise unter Druck der Finanzmärkte - EU-Gipfel berät Strategie gegen Schuldenkrise

Brüssel - Die Finanzkrise im hoch verschuldeten Portugal spitzt sich weiter zu. Portugals sozialistischer Ministerpräsident Jose Socrates hat am Mittwochabend seinen Rücktritt eingereicht, nachdem sämtliche Oppositionsparteien das von seiner Minderheitsregierung vorgeschlagene Sparpaket abgelehnt hatten. Socrates erklärte nach seinem Rücktritt, die politische Krise werde "äußerst ernste Folgen" für den Kampf gegen die Finanzkrise sowie für die Glaubwürdigkeit Portugals haben. Sein "Programm für Stabilität und Wachstum" sollte das staatliche Defizit herunterschrauben und einen Antrag auf EU-Hilfen abwenden. Es ist bereits das vierte Maßnahmenpaket dieser Art in einem Jahr.

Der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, schließt milliardenschwere Hilfen für das hoch verschuldete Portugal nicht mehr aus. Die Summe von 75 Mrd. Euro wäre "angemessen", falls Lissabon Unterstützung beantragen sollte. Das sagte Juncker am Donnerstag dem französischen Nachrichtensender France 24. Die Lage in Spanien sei nicht mit der Portugals zu vergleichen, hob der Premier hervor. Portugals Ministerpräsident José Socrates war im Parlament mit einem harten Sparpaket gescheitert und dann zurückgetreten.

Am Dienstag warnte bereits die portugiesische Zentralbank bei einem Scheitern der Haushaltssanierung vor großen Risiken für die Finanzbranche des Landes. Sollte es nicht zu Maßnahmen kommen, die Staatsfinanzen glaubwürdig und nachhaltig zu konsolidieren, werde das Risiko für die Banken untragbar, teilte die Notenbank in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht mit. Neben Neuwahlen in Portugal scheint nun auch der EU-Rettungsschirm unumgänglich zu werden. Nach dem Rücktritt des portugiesischen Ministerpräsidenten stiegen die Renditen für fünfjährige Anleihen bereits auf ein Rekordhoch von 8,348 Prozent. Damit könnte Portugal als drittes Land nach Griechenland und Irland gezwungen sein, unter den bis 2013 bestehenden Rettungsschirm zu schlüpfen. Eine Zuspitzung der Finanzkrise in Portugal könnte zudem auch zu gefährlich hohen Verlusten bei spanischen Banken und Sparkasse führen.

EU-Gipfel kalt erwischt

Der EU-Gipfel ist von der Regierungskrise in Portugal kalt erwischt worden. Ursprünglich sollten die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder den künftigen permanenten Euro-Rettungsschirm (ESM) beschließen, nun ist eine Verschiebung auf den Juni-Gipfel offenbar nicht ausgeschlossen.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat von Portugal eine Lösung seiner "politischen Probleme" angesichts der Regierungskrise "so rasch wie möglich" gefordert. Die Budgetkonsolidierung in dem Land sei "unabdingbar für das Vertrauen in die europäische Wirtschaft." Barroso geht allerdings davon aus, dass die Portugal-Krise den EU-Gipfel nicht beeinflussen dürfte.

"Ich erwarte nicht, dass der Europäische Rat seine Orientierungslinie ändert", sagte Barroso. Auch die jüngsten Beschlüsse des Euro-Gipfels würden weiter gelten. Er glaube, dass eine Lösung der Probleme in Portugal möglich sei.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sieht in dem Brüsseler Gipfel "einen Wendepunkt" im Management der Finanzkrise. Dies bedeute nicht, dass alle Probleme gelöst seien. Im Vergleich zur Lage vor einem Jahr, als der EU noch die Instrumente im Kampf gegen die Krise fehlten, sei dies ein "Quantensprung".

Der Gipfel werde sich auf die Grundzüge des künftigen Euro-Rettungsschirm (ESM) einigen, sagte Van Rompuy. Außerdem bestehe Einigkeit auf eine beschränkte EU-Vertragsänderung zur Einrichtung des Rettungsschirms, auf den "Euro plus Pakt" sowie auf die sechs legislativen Gesetzesänderungen zur Verschärfung des Stabilitätspaktes. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban sagte, eine Einigung mit dem EU-Parlament über die sechs Gesetzesänderungen bis zum Juni sei möglich.

Faymann zuversichtlich

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) glaubt ebenfalls nicht, dass der geplante Beschluss über den künftigen permanenten Euro-Rettungsschirm auf Juni verschoben wird. Er sei überzeugt, dass "wir die notwendigen Beschlüsse zur Absicherung der gemeinsamen Währung fassen". Zurückhaltend zeigte sich Faymann über die Krise in Portugal. Er schätze den zurückgetretenen Premier Jose Socrates persönlich, "ich bin aber davon überzeugt, dass wer immer die künftige Regierung stellt, und das entscheidet die Bevölkerung, sich auch im eigenen Interesse an die Regeln der EU hält". 

Fragen offen

Allerdings stellen sich angesichts des Chaos in Lissabon grundsätzlich mehrere Fragen. Die Euro-Staaten können einem Land nicht ein Rettungsprogramm aufzwingen, es muss eine formelle Anfrage dafür geben. Das ist im Augenblick schwierig, da Socrates zwar bis zu den Neuwahlen die Regierungsgeschäfte weiter führt, nach dem Urnengang könnte aber eine völlig andere Situation eintreten und ein von Socrates gestellter Antrag von einer anderen Regierung nicht unterstützt werden. Um die notwendige Klarheit zu erhalten, müssten die Wahlen abgewartet werden, was aber wiederum die Unruhe auf den Finanzmärkten steigern und das Land in noch stärkere Turbulenzen stürzen dürfte. Ungeachtet der Krise in seinem Land hat Socrates angekündigt, am EU-Gipfel teilzunehmen.

Rettungsschirm "neu"

Der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs wollte vor allem beschließen, dass der Rettungsschirm ab 2013 ein Volumen von 700 Mrd. Euro, davon 80 Mrd. Euro als Stammkapital, haben soll, sowie eine Darlehenskapazität von 500 Mrd. Euro. Allerdings waren bis zuletzt einige Punkte offen. EU-Diplomaten sprachen von einem "Euro Plus"-Pakt, nachdem Nicht-Eurozonenländer wie Dänemark und Polen signalisierten, daran teilnehmen zu wollen. Dagegen haben sich laut EU-Kreisen Schweden, Tschechien und Ungarn gegen eine Teilnahme ausgesprochen.

Neben dem Pakt zur Stabilisierung des Euro und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit stehen auch die Lage in Libyen sowie die Folgen der Atomkatastrophe in Japan nach dem schweren Erdbeben auf der Tagesordnung. Umstritten auch innerhalb der EU war zuletzt der laufende internationale Militäreinsatz gegen Libyen. (APA/red)

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smeki
00
25.3.2011, 01:37

Wer Kapitalgewinne machen oder Finanzvermögen erhalten will, und die sprudeln ja wieder kräftig, bzw wäre mir von erheblicher Kapitalvernichtung auch nichts bekannt, braucht Schuldner. Ohne eine Gegenseite kein Wachstum, ohne Abnehmer keine Exportweltmeisterschaft, ohne immer mehr Schuldner keine Eigenkapitalrenditen nach Ackermannschen Vorstellungen, ohne Verschuldung kein Geldkapital an sich. Schulden sind eine systemimmanente Notwendigwendigkeit. Und wer dem einen die Reduzierung von Schulden aufträgt, muß sie anderen aufbürden. Denn auf ihre fiktiven Vermögen und das weitere Wachstum derselben wollen die gar nicht so unsichtbaren Hände der Herren der Märkte dann ja offenbar nicht verzichten. Gläubigerrisiko darfs nicht geben.

leichen schmaus
 
00
24.3.2011, 19:24
Soso

Griechenland, Irland und Portugal ist abgearbeitet.

Jetzt gibt es dann ein erstes Wettrennen zwischen 2 grösseren Staaten: Spanien und Italien.
Ich tippe auf Spanien.

KTHXBYE
10
24.3.2011, 18:37

Danke EU. Drecksverein. Hoffentlich gehen alle EU-Freaks elendiglich zugrunde.

North Ace
01
24.3.2011, 18:34

Ob das wirklich noch sinnvoll ist diese Länder alle "mitzuschleppen". Gehören meiner Meinung nach aus dem Euro-Zone allesamt entfernt.

Jahn Petrov
10
24.3.2011, 18:29

Wenn es Eurobonds gäbe, gäbe es kein Problem Portugal. Aber das leuchtet Europas Totengräberin Merkel und ihren neoliberalen Beratern ja nicht ein. Oder dahinter steckt Absicht.

Stan Libuda
01
24.3.2011, 19:22
richtig, die deutschen mussten

jahrelang auf lohnerhöhungen verzichten, um ihre wirtschaft im weltweiten vergleich wettbewerbsfähig zu machen und nun sie sind auch noch schuld, dass portugal jahrelang eine katastrophale wirtschaftspolitik betrieben hat...

zutief ins glas geschaut?

die deutschen wollen nicht für die maßlosigkeit anderer länder zahlen! begreifen sie es endlich!

smeki
01
25.3.2011, 02:00

Klar, wenn man andere zu Tode konkurriert, ist das dann sinnvolle Wirtschaftspolitik. Ich würde darin eher einen Gutteil Mitverantwortung Deutschlands an der jetzigen Situation sehen. Die Erträge des Schuldenmachens anderer sind beim Exportweltmeister zu finden. Aber auf nichts anderes und eine laufende Abwärtsspirale läuft die Konstruktion der Währungsunion hinaus.

Aber schon richtig, das spürt auch die deutsche Bevölkerung, die ist ja auch nicht Profiteur der deutschen Wirtschaftspolitik gewesen, die mußte ja zum Wohle des Exports selbst bluten.

Stan Libuda
00
26.3.2011, 02:42
daher wird deutschland auch

portugal und griechenland helfen (bzw. hat es getan). und aut, ned und fin ebenso.

Grasser als Strasser
15
24.3.2011, 18:21

es wird doch so laufen: erst die kohle, dann ein paar halbherzige Versprechen (Löhne brutto um 5 Prozent runter usw.), danach geht doch nicht, weil Streiks und Widerstand, dann noch mehr Schulden, noch ein Rettungsschirmchen uswusf. Wer glaubt, dass diese Länder die Schulden zurückzahlen werden, ist doch irgendwo angrennt.

p c2
01
24.3.2011, 18:11
Jose Manuel Barroso hat von Portugal eine Lösung seiner "politischen Probleme" angesichts der Regierungskrise "so rasch wie möglich" gefordert.

aha, das nicht lösen des problems ist also die "lösung"

"Van Rompuy sieht in dem Brüsseler Gipfel "einen Wendepunkt" im Management der Finanzkrise"

so wird das verschleppen der probleme also genannt.

faymann: Er sei überzeugt, dass "wir die notwendigen Beschlüsse zur Absicherung der gemeinsamen Währung fassen"

eurokraten unter sich.

ja, und wenn nettozahler dann die nase voll haben und endlich den mund aufmachen, heisst es, "wir dürfen dem nationalismus keine chance geben"

dabei liefern sie gerade die beste grundlage dazu.

widerliches pack

T. Rex
00
24.3.2011, 18:06

das was jeder kleine gewerbetreibende weiss -nämlich dass man nicht ewig vom geld anderer leben kann- geht in die köpfe der regierungen nicht hinein. nun, solange man noch in bissl mehr den steuerzahler abzocken kann besteht kein grund zur sorge, selbst hat man ja genug (strasser lässt grüssen).

Banksey
00
24.3.2011, 17:49
Was mir als Wirtschafts-Naivling nicht in den Kopf gehen will..

"blablabla (beliebige Regierung einsetzbar) beschließt Förderpaketwhatever um die Wirtschaft zu stützen"
-
"Portugal nach Regierungskrise unter Druck der Finanzmärkte"

Das ist,als würde ich jemandem 50 € borgen,die derjenige nicht zurückgeben muss,was er auch nicht vorhat. Dann borge ich mir von ihm die 50 € aus,die mir jetzt fehlen, kann sie nicht zurückgeben und dieser Jemand versucht mich in die Insolvenz zu treiben..

Krankes System.

Sapalot
02
24.3.2011, 17:14
Das ist ja eigentlich der Gipfel!!!

Überrascht vom bevorstehenden bankrott Portugals?
Was für Würstel arbeiten denn in Brüssel? Als Nichtexperte war einem schon vor mindestens einem Jahr klar, dass es Portugal erwischen wird, wie Spanien, Italien, Frankreich, ..., gerade die Reihenfolge war einigermaßen unklar.
Und jetzt ist man überrascht?
Ich bin viel mehr davon überrascht, was sich unsere Politiker auf unser Steuergeld ausmachen: 700 Mrd einzahlen damit 500 Mrd zur Verfügung stehen? Wo gibt es denn sowas?
Überrascht auch von der schnellen L-Veränderung ohne versprochenen Volksabstimmung, weil das Retten von Staaten ursprünglich verboten war.
Und überrascht, dass bei derartig viel Dilentalismus das Konstrukt EU noch steht, vorerst...

Stan Libuda
02
24.3.2011, 16:51
schlechter witz...

wie soll denn portugals wirtschaft je wieder wettbewerbsfähig werden? alles tolle ankündigungen...

2000 wurde auf dem eu-gipfel in lissabon auch "beschlossen", europa bis 2010 zur wettbewerbsfähigsten region der welt zur machen.

heute kann man darüber nur lachen...

grundsätzlich bin ich eu-befürworter, allerdings sollte man heute im jahre 2011 den menschen die wahrheit sagen.

por, ita, gre und spanien hätten nie den euro bekommen dürfen. und frankreich im grunde auch nicht.

Peter_23
00
24.3.2011, 17:56
"wie soll portugals wirtschaft je wieder wettbewerbsfähig werden?"

Das ist durchaus vorstellbar, dass Portugal wieder wettbewerbsfähig wird. Allerdings erst nach einer Währungsreform bzw. Währungszusammenbruch.

Stan Libuda
00
24.3.2011, 18:09
exakt

entweder dauerhaft subventionieren oder ihr vorschlag.

Karl85
 
01
24.3.2011, 16:40
Sie habe ja alles sooo im Griff tönte es noc vor Kurzem...

Wer glaubt eigentlich noch die vollmundigen Erklärungen unserer Europa- und Wirtschaftsexperten? Die haben ja schon alles im Griff, sagten sie. Unser Geld meinten sie wahrscheinlich.

Die Finanzwelt fährt mit denen Achterbahn wie sie es grade will. Kreischen nutzt nix, ist nichteinmal lustig. Bin schon gespannt, wann der erste die alte Leier anwirft, daß daran nur die Frühpensionen schuld sind...

monost
00
24.3.2011, 17:32

so tönt es eh schon länger, überall werden radikale einschnitte in die sozialsysteme gemacht.

die "mittelschicht" hat als träger des staates ausgedient. die brauchen uns nicht länger als legitimation. das, was wir erleben, ist schon längst eine diktatur der finanz.

Peter_23
00
24.3.2011, 17:59
"diktatur der finanz" nennt man auch Plutokratie

Und das passiert nicht zum Ersten mal. Und (sehr wahrscheinlich) ist dieser stufenförmige Zusammenbruch den wir da seit einigen Jahren erleben auch nicht der letzte seiner Art.

Dafür ist Lerneffekt im sozialen Konnex viel zu gering bzw. zu langsam - das spielt sich mehr auf evolutionärerer Ebene ab.

fischkopp
04
24.3.2011, 16:40

Es wird Zeit für eine Massendemo - nein, Massenaufstand -, wo die Herren Faymann, Barroso, Frau Merkel und wie sie alle heißen verantwortlich gemacht werden für die nicht endend wollende Vernichtung unseres Wohlstands und unserer Ersparnisse.

hotspots.at
01
24.3.2011, 16:32
Kalt erwischt wird...

nur der kleine Sparer, da sein Geld durch solche "Rettungsaktionen" gerade weginflationiert wird!

PS: Gold und v.a. Silber markieren schon wieder neue Rekordmarken....

Gerald Nessmann
11
24.3.2011, 16:29
Man war am EU-Gipfel 'ueberrascht'?

Na da haben wir ja die Creme de la Creme am Ruder.

Staatsbankrott einfuehren!

Mir ist ueberhaupt nicht klar wieso das Scheitern des einen oder andern Staates in der Eurozone dem Euro per se schaden kann? Ich wuerde meinen das Scheiternlassen wuerde den Euro staerken.

Glaeubiger sollen die Risiken die sie eingehen besser evaluieren. Wer einem Bankrotteur Geld leiht, hat eben wenig Hoffunung auf Zurueckzahlung.

Was hier diskutiert und dilettanitscherweise betrieben wird ist UMVERTEILUNG. Das macht aus dem Euro eine sozialistische Waehrung, und daher eine Weichwaehrung. Und man erreicht genau das was man verhindern wollte.

Aus dem Griechenlanddebakel wurde nichts gelernt!

monost
10
24.3.2011, 17:34

eine "sozialistische währung" ist ein widerspruch in sich.

Donald Kerabatsos
02
24.3.2011, 16:38
In Wahrheit geht ja das Geld an die Gläubiger,

also "unsere" europ. Banken- das ist der einzige Grund, warum man niemanden pleite gehen läßt - weil dann die betreffenden Institute abschreiben oder pleite gehen müßten.
Und da wir in einem Pyramidenwährungssystem leben, wird es bis zum Kollaps so weitergehen.

fischkopp
00
24.3.2011, 16:13

Was täten wir nur ohne Rettungsschirm ? Man gedenke nur den vielen Rettungsschirmen, die die D-Mark damals gebraucht hat...

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