Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

"Mit den Einkäufen wollte ich das schwarze Loch füllen, als das ich mich selbst empfunden habe." (Simone)
"Alle meine Gedanken haben sich um das Einkaufen gedreht", erzählt Simone. "Nur wenn ich in einem Geschäft war, hab ich mich gut gefühlt, aber gleichzeitig eine absolute Leere gespürt. Schon an der Kassa wusste ich, dass ich die Sachen nicht kaufen soll. Aber ich konnte nicht anders." Simone kaufte Gewand und Schuhe in unbegrenzter Menge. Zu dieser Zeit war sie 19 und hatte keinen fixen Job. Die finanziellen Mittel für ihre Einkäufe lieh sie von Verwandten, Freunden und der Bank aus.
Shoppen als Hobby
27 Prozent aller Österreicher und die Hälfte der 14 bis 24-Jährigen sind kaufsuchtgefährdet, besagt eine Studie der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2010. Viele Jugendliche antworten, wenn man sie nach ihrem Hobby fragt, mit "Shoppen" - "vor allem weibliche Jugendliche", weiß Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung in Wien. Daraus dürfe man aber nicht auf eine Konsumabstinenz der Burschen schließen. "Sie nehmen das Einkaufen eher als eine Notwendigkeit wahr und nennen es nicht explizit ein "Hobby".
Frauen und Männer sind von Kaufsucht gleichermaßen betroffen, weiß Michael Musalek, Vorstand der größten europäischen Suchtklinik, dem Anton Proksch-Institut (API) in Wien. "Die Tatsache, dass sich mehr Frauen in Behandlung begeben, heißt nicht, dass mehr Frauen an Kaufsucht leiden", betont er, "sie sind nur vernünftiger." So wie Simone, die bevor es zum Suizidversuch kam, Hilfe suchte und sich zwei Monate lang in stationäre Behandlung begab. Danach folgte die Therapie - vier Jahre lang zwei Mal wöchentlich.
Lust und Sucht
Konsum ist einer der prägenden Faktoren unserer Gesellschaft und Jugendkultur. Aber wann kann man von Kaufsucht sprechen? Während es für die einen ganz normal ist, 30 Paar Schuhe im Kasten stehen zu haben, sehen andere darin etwas Pathologisches. "Der Konformitätsdruck ist hoch, aber ich bezweifle, ob man deswegen immer von Sucht sprechen kann", so Jugendforscher Ikrath, und weiter: "Anders als bei der Sucht nach harten Drogen, unter der die meisten Menschen wohl in etwa das gleiche verstehen, ist bei Kaufsucht die Grenze zwischen "normal" und "nicht-normal" weit weniger eindeutig zu ziehen." Man müsse unterscheiden, ob man kauft, weil man nicht anders kann, oder kauft, um im eigenen sozialen Umfeld Akzeptanz zu finden. Letzteres sei vor allem bei Jugendlichen der Fall, etwa durch den Erwerb der angesagtesten Markenklamotten. "Süchte lassen sich nicht von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen losgelöst betrachten", fordert Ikrath eine differenzierte Sichtweise.
Starker Drang
"Kaufsucht ist geprägt durch den starken Drang einzukaufen" - die Betonung liegt auf stark, nennt Michael Musalek einige Kriterien zur Diagnose von Kaufsucht und beginnt mit dem "Craving"-Phänomen: dem nahezu unbezwingbaren Verlangen des Suchtkranken nach seinem Suchtmittel. Musalek verdeutlicht es: "Man ist akut verliebt und der Partner kommt einem abhanden. Die Welt stürzt ein. Craving ist immer mit einem Vernichtungsgefühl verbunden. Gerne einkaufen zu gehen, hat nichts damit zu tun."
Mit Craving einher geht Kontrollverlust. Die Betroffenen sind nicht mehr in der Lage, Entscheidungen bezüglich der eingekauften Menge zu treffen. Auch der Preis spielt keine Rolle. Sie können mit den erworbenen Dingen nichts anfangen, müssen aber immer mehr einkaufen um zu einer Befriedigung zu kommen. Simone bestätigt das: "Wenn ich das Geschäft verlassen habe, fühlte ich mich elend. Zuhause hab ich die Sachen in einen Kasten geworfen und vorher nicht einmal das Etikett entfernt. Ich habe sie nicht mehr angeschaut und auch nicht getragen. Ich wusste oft am nächsten Tag nicht mehr, was ich gekauft habe."
Heimlich einkaufen
Je größer das Minus am Konto, umso stärker war bei Simone der Drang, einkaufen zu gehen. "Ich habe sogar die Geburtstagsfeier meiner Mutter mit meinen Geschwistern und Freunden abgesagt und bin stattdessen heimlich einkaufen gegangen. An diesem Tag bin ich mit den Sachen nach Hause gekommen und hab mir gedacht, ich bring mich um."
"Letztendlich wird das ganze Leben vom Einkaufen bestimmt", weiß Musalek. Eine Einengung des Tagesablaufes ist die Folge. Obgleich man sich des Schadens bewusst ist, muss man weitermachen, zu groß ist die psychische Abhängigkeit. Dazu kommen körperliche Entzugserscheinungen, die denen der Alkoholerkrankung gleichen: Unruhe- und Spannungszustände, Zittern, Schwitzen, Schlaflosigkeit...
Wenn drei der oben genannten Befindlichkeiten auftreten, spricht Musalek von Kaufsucht, doch bereits bei einer empfiehlt er einen Beratungstermin am Institut oder in einer der Ambulanzen des API zu vereinbaren.
Abstinenz-Problem
"Kaufsucht ist wie jede andere Suchterkrankung etwas sehr Komplexes", weiß Musalek. Meist geht sie mit einer Depression oder Angststörung einher. Dementsprechend komplex und individuell abgestimmt muss die Therapie sein. Oft weisen Betroffene ein ganz normales Einkaufsverhalten auf, dann kommt ein Einbruch - sei es durch Jobverlust oder Krankheit - und alles gerät außer Kontrolle. "Die Ursache muss gefunden und das Gesamtpaket behandelt werden", so der Leiter des API. Therapieziel ist, die Patienten zu einem freudvollen und autonomen Leben zu führen.
Da Abstinenz beim Einkaufen besonders schwer durchführbar ist, handelt es sich um eines der Hauptprobleme in der Therapie. Am API versucht man es mit einem partiellen Ansatz: einer zeitlichen, räumlichen oder über Gegenstände definierten Begrenzung. Denn zwischen Kaufsucht und der Verfügbarkeit der Produkte ist laut Musalek eine direkte Korrelation festzustellen.
Ein Loch füllen
"Am Anfang bin ich sogar nach jeder Therapiestunde einkaufen gegangen. Allerdings nur noch zum Humana. Und ich hab mir die Grenze von 15 Euro gesetzt", berichtet Simone von den allerersten Strategien gegen die Sucht. Nach insgesamt fünf Jahren Therapie hat sich der übermächtige Drang einzukaufen, verflüchtigt. Simone kann sich nicht vorstellen, jemals rückfällig zu werden. Sie hat einen Job und ihre Schulden weitgehend abbezahlt. Wo die Ursache ihrer Kaufsucht liege? "Es gibt viele Ursachen, aber die vielleicht stärkste ist, dass ich mir durch die vielen neuen und meist teuren Sachen eine Identität verleihen wollte. Ich wollte das schwarze Loch füllen, als das ich mich selbst empfunden habe."
Früh mit der Therapie beginnen
"Kaufsucht ist immer noch ein Riesentabu in der Gesellschaft", berichtet Musalek. Wie alle stoffungebundenen Süchte - Spielsucht, Arbeitssucht, Onlinesucht... - war sie lange Zeit nicht als Suchterkrankung anerkannt. "Nicht einmal einkaufen kann sie", oder: "der soll sich doch zusammenreißen", laute auch heute der Tenor, wenn es um unkontrolliertes Einkaufen geht. "Dabei hat Kaufsucht nichts mit Willensschwäche zu tun", betont der Leiter des API. Den möglichst frühen Beginn einer Therapie sieht er als das Um und Auf, aber aufgrund der gesellschaftlichen Stigmatisierung kämen viele Betroffene viel zu spät in Therapie. "Da ist oft schon alles den Bach runtergegangen." Dabei hat die chronische Erkrankung eine überaus gute Prognose, "je früher sie erkannt wird, umso besser." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 11.04.2011)
Die Gegenbewegung
Straight Edge ist eine Subkultur der Punk- und Hardcoreszene, in der eine radikal konsumkritische Sichtweise vorherrscht. Straight Edger unterscheiden sich von Punks darin, dass sie Alkohol, Tabak, Drogen, oft auch Fleisch beziehungsweise tierische Produkte und generell einen promiskuitiven Lebensstil ablehnen. In diesem Kontext ist auch das sogenannte "Containern" zu beobachten: Die Ernährung von Lebensmitteln aus Abfallcontainern.
Ein neues Gerät heizt mit Tabak gefüllte Kapseln auf, anstatt ihn zu verbrennen. Sozialmediziner Kunze: "Ein Eingeständnis der Tabakindustrie, dass die anderen Produkte gefährlich sind."
Laut Suchtexperte Michael Musalek ist "Alkohol Teil unserer Gesellschaft" - Deshalb werden wir lernen müssen, mit Alkohol freudvoll umzugehen
Rund 200.000 Österreicher erkranken an einer Essstörung, aber nur sechs Prozent begeben sich in psychiatrische Behandlung. Online-Selbsthilfeprogramme können Abhilfe schaffen
Innsbrucker Psychotherapeut: "Zwanghaftes Verhalten, weil sie nicht mehr essen können"
Der Hortensie wird eine ähnliche Wirkung wie Marihuana nachgesagt - Beim Rauchen setzt sich allerdings Blausäure frei, was im schlimmsten Fall tödlich endet
Drei von sechs magersüchtigen Frauen berichten von Verbesserungen infolge einer Therapie mit Tiefer Hirnstimulation
Fünf Prozent der Normalgewichtigen und 40 Prozent der Übergewichtigen leiden an Essanfällen - Die Binge Eating-Störung ist behandelbar
Internationaler Drogenkontrollrat veröffentlichte Jahresbericht 2012: "Legal Highs" stellen wachsende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar
"Helfen statt strafen" lautet schon seit jeher die Devise der Drogensubstitutionstherapie. Auch der Oberste Sanitätsrat spricht sich vehement für ihre Beibehaltung aus
Deutsche Studenten entwickelten eine Smartphone-App zur Suchtprävention, die im Notfall helfen und über Alkoholmissbrauch aufklären soll.
Die Journalistin Lisa R. lebt seit 13 Jahren im Substitutionsprogramm - Aus Angst vor Stigmatisierung weiß in ihrem Umfeld niemand davon
Forscher finden gestörte Konnektivität im Hirnnetzwerk für Körperwahrnehmung: Je schwächer die Verbindung, desto stärker die Fehleinschätzung des Gewichts
Schweizer Studie räumt letzte Zweifel aus dem Weg - Experten bezeichnen Nulltoleranz am Steuer als angebracht
Unbehandelt hat die Essstörung viele körperliche Schäden zur Folge
"Manipulierte Wahrnehmung des Normalen" führt dazu, dass junge Frauen Essstörungen entwickeln - Abkehr von der Schönheit als einziges Kriterium der Attraktivität gefordert
Grenzüberschreitende Untersuchung in Salzburg und Bayern - Problematischer Umgang mit Nikotin, Alkohol, Schmerz- und Beruhigungsmittel
Die "Zombie-Droge" erhöht nicht zwangsläufig das Aggressions-Potenzial - Nur bei Veranlagung entwickeln Konsumenten Psychose
Mit der Einführung der Substitutionstherapie vor 25 Jahren wurde der Ausbreitung von HIV Einhalt geboten
Kerstin Scheller sprach mit dem Mediziner Felix Fischer und der Künstlerin Sieglinde Friedl über die Volksdroge Nummer 1 - Alkohol
Die Volksdroge Alkohol fordert in Russland jährlich etwa eine halbe Million Todesopfer
Laut einer aktuellen Studie weisen Rückfallpatienten eine verminderte Verhaltensregulierung sowie eine abgeschwächte Emotionskontrolle auf
In Wien wurde sowohl ein Arzneimittel als auch ein nicht-medikamentöser Ansatz gegen Alkoholabhängigkeit und -missbrauch vorgestellt
Konsumenten neuer synthetischer Drogen sind "lebende Versuchskaninchen" - Konferenz über "Spice"-Prävention in Frankfurt
Fehleinschätzung des eigenen, anorektischen Körpers dürfte vom zentralen Nervensystem ausgehen
Empfehlungen sollen helfen, die "Medienabhängigkeit" als eigenständiges Krankheitsbild anzuerkennen
Ich find shoppen als etwas unheimlich nerviges. Jedes mal wenn ich mich in ein größeres Geschäft verlaufe und dabei von dieser nervigen "wir machen dich glücklich" Musik bedudelt werde, schnellt mein Puls gen 150. Wenn ich mich dann durch hunderte gleicher Produkte, die sich nur durch die Verpackung unterscheiden, durchkämpfe, nur um einen Liter Milch zu kaufen (die sich natürlich in der abglegensten Ecke des Geschäfts befindet), dann muss ich mir bei der Kasse oft größte Mühe zu geben, die Dame am Förderband, die ebenso unzufrieden scheint wie ich, nicht einfach anzuschreien, wenn sie mich fragt "haben Sie schon eine Kundenkarte?"
ist doch das selbe mit dem Fernsehen: wann wird fernsehen zur sucht? wenn man nichts anderes man macht außer in ein kastl zu schaun *g* ich meide selber seit längerem Fernsehen, außer es läuft eine gute Doku oder ein guter film, lesen ist viel enspannender ;-)
genauso sehe ich das mit dem Shoppen: wenn man nichts anderes mehr macht außer shoppen ist es eine sucht, wenn man sich "öfters" was schönes kauft damit man sich wohl/besser fühlt, sehe ich das noch nicht als Sucht.
ruf mich letztens eine Mitarbeiterin von Telekabel an und eröffnet mir, daß ich - komplett digital umgestellt - viel Geld sparen könnte und x-Fernsehsender gleich dazu bekomm, schnelleres Internet und überhaupt. Meine Entgegnung, daß ich jetzt schon nicht zum Schauen komm, als Selbständiger viel arbeite und kein Zusatzkisterl unter meinen Fernsehern will hat die glatt ignoriert.
Nein, noch ist nicht alles digital, aber die Kostenersparnis klingt interessant. Mal schauen, was die Mitbewerber so bieten...
....was am Wochenende in den Shoppingcentern los ist. 29% sind da noch zu tief gegriffen. Aber wen wunderts in einer Gesellschaft in der jene Menschen geachtet werden, die möglichst viel Besitz anhäufen und jene Menschen verachtet oder verspottet werden die sich um ander Kümmern bzw. nicht an Macht und Geld interessiert sind.
und danach jammern alle, dass sie kein Geld haben und alles so teuer ist.
Mein Indikator, ob es den Menschen in diesem Land schlecht geht, ist der SCS-Parkplatz an einem Samstagvormittag.
Bekomme ich problemlos einen Stellplatz, dann liegt einiges im Argen, muss ich lange kreisen bis sich einer findet, dann ist alles in bester Ordnung.
Selbstverständlich hat jede Sucht mit Willensstärke zu tun, oder , wenn man es sehr psychologisch ausdrücken will, mit der Ich-Funktion der Volition. Das ist die Fähigkeit gemäß einer Vorsatzbildung zu handeln. Und genau das muß man in einer Therapie lernen, z.B. indem man lernt kurzfristige Vorteile mit langfristigen Nachteilen abzuwägen. Prävention ist zum Beispiel wenn Eltern unter anderem das ihren Kindern vorleben, und auch vermitteln, dass das was in Sex and the City gezeigt wird Fantasie ist, die man sich ab und zu gönnt, aber nicht mit der Realität verwechselt.
Erschreckend, wenn man bedenkt, dass rund ein Drittel (~ 29%) der Personen, die eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, maximal 30 Jahre alt sind!
https://www.schuldenhilfswerk.at/schuldenp... ntion.html
Wir leben und definieren uns immer mehr in einer Wegwerf- und Konsumgesellschaft!
Das Wesentliche bleibt auf der Strecke, nicht aber das neueste Handy und der letzte Modeschrei ...!
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.